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Chapter 4

What's next?

Nightwish

Als sie auf den Parkplatz vor der geschlossenen Nachtbar rollten, lag das Gebäude still und dunkel da. Weder die Lichtreklame leuchtete, noch konnte man irgendwo sonst ein Zeichen erkennen, dass jemand anwesend war. Mandy hoffte, dass der Besitzer sich vielleicht entschieden hatte, sie doch nicht reinzulassen, um keinen Ärger mit den Behörden zu bekommen. Doch dann öffnete sich eine Tür an der Längsseite, eine untersetzte Gestalt trat hinaus und winkte sie heran.

"Setz uns dort ab und dann parke den Wagen abseits. Es soll ja nicht sofort für jeden erkennbar sein, wohin wir die geraubte Braut gebracht haben", kommandierte Mirko und stieß ein meckerndes Lachen aus. Jimmy und Katsch stimmten beflissen ein. Peter blieb stumm und drückte seiner Schwester den Arm, um ihr Zuversicht zu geben.

"Hey, Manne!"

Nach dem Aussteigen begrüßte Mirko den vorübergehend arbeitslosen Wirt ausschweifend. Der erkundigte sich, was denn eigentlich los sei. Doch als er sah, wie eine Braut in sein Etablissement geführt wurde, zog er eine Augenbraue hoch und grinste nur noch breit. Hinter ihnen schloss er die Tür mit einem dumpfen Bums. Mandy fühlte sich, als sei sie in einem Kerker gelandet.

Durch einen kurzen Flur erreichten sie einen großen Saal, der bis auf die spärliche Notbeleuchtung in Schatten gehüllt war. Die Luft roch nach altem, abgestandenem **** – eine Mischung aus Bier, Whisky und billigem Sekt – sowie kaltem Rauch.

Manne legte im Sicherungskasten ein paar Schalter um. Nach und nach flammten Lichter auf, die strategisch einzelne Bereiche des Raumes erhellten, ohne die insgesamt düstere und Intimität suggerierende Atmosphäre aufzuheben. Die Wandbespannungen aus dunklem Rot und schwärzlichem Purpur schluckten einen Teil der Helligkeit sofort wieder.

Mandy war noch nie hier gewesen. Tatsächlich hatte sie bis vor wenigen Minuten noch nicht einmal von dem Lokal gehört. Jedenfalls war es kein Ort, an dem sich anständige junge Mädchen aufhalten sollten, entschied sie.

Erstaunt und zugegebenermaßen auch ziemlich neugierig sah sie sich um. Fast die gesamte Fläche war mit runden Tischen und bequem aussehenden Sesseln vollgestellt, zwischen denen nur schmale Wege offen blieben. An einer Seite des Raums zog sich eine lange Theke entlang, hinter der verspiegelte Regale voller Getränkeflaschen aufragten. Farbige Neonreklamen für verschiedene Getränkemarken flackerten unruhig.

In den anderen Wänden waren diverse Nischen mit gepolsterten Sitzgruppen untergebracht, die man mit hohen Vorhängen nach außen abschotten konnte, um darin ungestört zu sein. Aus der Nische, die Mandy am nächsten war, wehte ein Dunst aus billigem, süßlichen Parfüm heran, vermischt mit Schweiß, der in die Polster gesickert war, wie sie an den dunklen Flecken auf den Sitzflächen zu erkennen meinte.

Die auffälligste Einrichtung der Bar war eine langgestreckte, erhöhte Bühne, die das gesamte Zentrum des Saals einnahm und von allen Richtungen eingesehen werden konnte. Ihr Boden bestand aus abgenutztem, dunklem Holz, das die Spuren unzähliger High Heels trug, die darüber getrippelt waren. Geschickt platzierte Scheinwerfer leuchteten sie komplett aus und konzentrierten sich besonders auf die drei metallisch glänzenden Stangen, die senkrecht bis zur Decke hinaufreichten.

Soweit Mandy wusste, nannte man so ein Lokal eine Tabledance Bar. Selbstverständlich hatte sie keine Erfahrung in derartigen Umgebungen. Nur als Schauplatz in Fernsehkrimis, die sie mit ihren Eltern schaute, tauchten solche Orte gelegentlich auf. Oftmals sah man in solchen Szenen im Hintergrund knapp bekleidete junge Frauen, die sich aufreizend um die Stangen drehten oder kopfüber daran herabhingen. Mandy konnte sich nicht vorstellen, dass anständige Mädchen sich für so etwas hergaben.

Und ganz sicher war sie, dass ihr frisch angetrauter Ehemann ebenfalls nie auf die Idee kommen würde, eine solche Lokalität zu besuchen. Diese Tatsache allerdings, wie sie ängstlich schlussfolgerte, reduzierte die Chance, dass Martin sie schnell finden und erlösen würde, auf ein Minimum.

Um sich aufzumuntern, straffte sie ihre Schultern und lehnte sich an Peter. Sie würde zwar einen Gutteil ihrer eigenen Hochzeitsfeier verpassen, was ärgerlich war. Aber etwas richtig Schlimmes konnte ihr nicht passieren. Schließlich war ihr großer Bruder bei ihr und würde auf sie Acht geben.

Der Wirt hatte inzwischen Katsch hereingelassen, der das Auto abgestellt hatte, und gesellte sich zu der kleinen Gruppe.

"Na, was wollt ihr ****?"

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