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Chapter 12 by Daemony Daemony

Kann Heike ungestört duschen?

Was wird es Heike kosten, Rami loszuwerden?

Das rauschende, warme Wasser spülte Schmutz und Anspannung fort. Heike wusste hinterher nicht, wie lange sie unter der Dusche gestanden hatte, doch fühlte es sich gut an, wieder sauber zu sein. Sie rubbelte sich mit dem Frotteehandtuch trocken, schlang es sich dann um die Körpermitte und ging zurück ins Schlafzimmer.

Der unter die Türklinke geklemmte Stuhl holte sie in die Gegenwart zurück. Eine verständliche Beklemmung bemächtigte sich ihr und auf Zehenspitzen schlich sie zur Tür und legte das Ohr daran. Leise Geräusche zeugten an, dass sich noch immer jemand im Wohn-Ess-Bereich befand. Verdammt! Sie hatte gehofft, dass der unverschämte Wachmann sich mit dem Bier zufriedengeben und dann wieder verschwinden würde. Es wäre dann immer noch peinlich genug, wenn sie mal das Gelände verlassen würde und ihm dabei am Tor begegnete. Nun aber müsste sie sich ihm unmittelbar noch einmal stellen. Auf jeden Fall sollte er aus dem Apartment verschwinden. Was es sie wohl kosten würde, ihn loszuwerden?

Sie ging zum Schrank, um sich frische Kleidung herauszusuchen. In der Wäscheschublade musste sie einige Zeit lang kramen, bis sie etwas Passendes fand. Ganz unten stieß sie auf einen konservativen Baumwollslip. Keine Ahnung, warum sie den neben all den knappen Tangas und sexy Lingerie ursprünglich eingepackt hatte. Dazu wählte sie einen blickdichten Sport-BH, der ihre Brüste stramm verhüllte und flacher aussehen ließ. Darüber zog sie ein T-Shirt und eine langärmelige Bluse zu einer langen blauen Jeans. Natürlich war dieser Aufzug viel zu warm für die herrschenden Temperaturen, aber so lange sie in der klimatisierten Wohnung bliebe, wäre das kein Problem.

Zuletzt holte sie sich noch ein frisches Handtuch aus dem Bad und wickelte es sich wie einen Turban um den Kopf. Vor dem Spiegel kontrollierte sie sorgfältig, dass auch nicht nur eine einzige Haarsträhne darunter hervorlugte. So gerüstet fühlte sie sich in der Lage, dem übergriffigen Wachmann gegenüberzutreten. Sie rückte den Stuhl zur Seite und schob sich zaghaft durch die Tür.

Rami hatte sich unterdessen freizügig mit weiteren Getränken versorgt. Auf dem Tisch standen drei leere Bierflaschen und er wollte die vierte eben an den Mund setzen, als er Heike bemerkte. Trotz ihrer züchtigen Aufmachung starrte er sie lüstern an. Weder erhob er sich noch ließ er irgendwelche Anzeichen erkennen, dass er seine Gastgeberin allein lassen wollte.

Heike knirschte mit den Zähnen. Sie hatte gehofft, seine Aufmerksamkeit abzuwehren, wenn sie sich im Kleidungsstil den örtlichen Gepflogenheiten anpasste. Was konnte sie denn sonst tun, um ihn zum Gehen zu bewegen? Noch schlimmer war, dass sie beinahe körperlich fühlen konnte, wie er sie mit den Augen auszog. Dreckschwein. Ihn wegen Vergewaltigung oder sonst etwas anzuzeigen, konnte sie sowieso vergessen, nahm sie an. Als Frau hätte sie keine Chance, einen Rechtsstreit zu gewinnen. Zumal er behaupten würde, sie habe ihn provoziert. Was auch nicht ganz gelogen wäre, wie sie sich zerknirscht eingestehen musste. Durch sein aktuelles Verhalten bewies er, dass er sich unabhängig von der Kleidung der Frau wie ein Dreckskerl benahm. Doch würde ihr das vor Gericht auch nichts nützen. Im Zweifel stand Aussage gegen Aussage.

"Da, nimm auch einen Schluck!"

Er streckte ihr die angetrunkene Bierflasche entgegen. Seine schwere Zunge bewies, dass er den Inhalt der anderen Flaschen heruntergekippt hatte.

Heike schüttelte angewidert den Kopf, was seine Laune deutlich verschlimmerte. Sie konnte die Gewitterwolken über seiner Stirn förmlich sehen. Er stemmte sich mit einer Hand vom Tisch hoch, in der anderen immer noch das Bier, und machte bedrohlich einen Schritt auf sie zu.

Heike schaute sich gehetzt nach einem Fluchtweg um. Sowohl der Weg zur Ausgangstür als auch der auf die Terrasse führte zwangsläufig nahe an ihm vorbei. Das schien ihr zu riskant. Die beste Option war rückwärts zurück ins Schlafzimmer, das allerdings eine Sackgasse war.

Wo war eigentlich ihr Handy, schoss es Heike in den Kopf. Nur, wen sollte sie anrufen? Es gab zwar eine lokale Notrufnummer, die sie im Adressbuch gespeichert hatte. Doch über diese würde sie mit der privaten Security verbunden. Und der Vertreter dieser Security stand in diesem Moment vor ihr. Gab's hier eigentlich auch die 110?

Ihre Gedanken rasten. Selbst wenn sie es schaffte, vor ihm ins Nebenzimmer zu flüchten und die Tür so zu verrammeln, dass er die nicht aufstemmen konnte, wäre sie damit noch lange nicht in Sicherheit. Zumal ihn das bestimmt auch noch wütender machen würde. Sie wagte es nicht, sich vorzustellen, wozu der Grobian imstande war, wenn sie ihn endgültig auf die Palme brachte. Vielleicht war es besser, ihn irgendwie zu besänftigen?

What's next?

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