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Chapter 27

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Ausquatschen

Lea nahm einen weiteren Schluck. Ich sah ihr zu, wie ihre Finger nervös über die Kante des Glases strichen und es damit leise zum Klingen brachten. Ich beschloss, ihr Zeit zu geben, sich auszusprechen, wann immer sie dazu bereit war.

Die Neige ihres Whiskeys stürzte sie hinab und setzte ihr Glas behutsam auf den Tisch vor sich. Ein unruhiger Ausdruck lag auf ihrem Gesicht, während sie sich wieder zurück in die Sofakissen lehnte. Nach einem langen Moment des Schweigens und Sammelns richtete sie ihren Blick auf mich. Ein Hauch von Verlegenheit war in ihrem Gesichtsausdruck zu erkennen, und ich spürte, wie sie innerlich damit rang, wie weit sie sich mir offenbaren sollte.

"Ich... ich hatte einen großen Streit mit meinem Freund. Schon wieder", begann sie zögernd. "Es ist immer das Gleiche. Aber er kann eigentlich gar nichts dafür. Es ist ja alles meine Schuld. Ich habe ihn angelogen. Und je länger ich ihm nicht die Wahrheit sage, umso schlimmer wird es.“

Ich hielt mich mit einer schnellen Wertung und dem naheliegenden Lösungsvorschlag zurück. Es war bestimmt besser für sie, wenn sie sich einfach ausquatschen konnte. Meiner Erfahrung nach tat es nicht nur gut, sich Probleme von der Seele zu reden. Man fand auf diese Weise oft auch selbst den Ausweg aus der Misere. Diese Chance auf ein Erfolgserlebnis wollte ich ihr gönnen. So schwieg ich und nippte an meinem Glas.

„Er wollte... er wollte mit mir schlafen, aber ich … ich kann nicht. Ich bin... ich bin noch Jungfrau, und ich... ich habe mich nicht getraut, ihm das zu sagen.“

Ihre Worte kamen leise und stockend, doch es war, als ob sie eine unsichtbare Hürde überwunden hatte, und ihre Sprache wurde flüssiger. Trotzdem klang noch immer eine Mischung aus Scham, Verwirrung und Wut in ihrer Stimme mit. Wut auf sich selbst, nahm ich an.

„Als wir uns das erste Mal trafen, dachte ich, er steht nur auf erfahrene Frauen. Und damit ich interessant für ihn bin, habe ich ihm gesagt, dass ich schon seit Jahren und mit vielen Männern Sex hatte. Wenn ich jetzt mit ihm zusammenkomme, wird er doch merken, dass ich ihn die ganze Zeit belogen habe. Und dann ist es aus. Aber ich liebe ihn. Wirklich."

Ich nickte verständnisvoll und versuchte, ihr die Gewissheit zu vermitteln, dass sie hier Zeit und Raum hatte, um ihre Gedanken und Emotionen zu teilen, ohne dafür beurteilt zu werden.

"Normalerweise wäre ich viel zu verschämt, um darüber zu sprechen, aber heute... heute ist alles irgendwie anders."

Sie schluchzte und ihre Schultern begannen zu beben. Ich legte meinen Arm um sie und sie lehnte sich an mich, als ihre Tränen flossen.

"Es ist wichtig, dass du deine Grenzen setzt und auf dich selbst achtest, Lea", sagte ich ruhig und strich ihr sanft übers Haar. "Es ist deine Entscheidung, wann und mit wem du bereit bist, diesen Schritt zu gehen."

Ich spürte, wie sie langsam auftaute und sich nach und nach in dieser intimen Unterhaltung wohler fühlte. Meine Gedanken schweiften zu Tina ab, meiner eigenen Tochter, die kaum älter als Lea war. Die Vorstellung, wie sie in einer ähnlichen Situation sein könnte, bewegte mich unerwartet stark. Ich versuchte mir auszumalen, wie es wohl für Tina sein würde, sich einem quasi Fremden so zu öffnen und **** zu zeigen. Dabei merkte ich, wie sich eine innere Empathie und tiefe Verbundenheit zu dieser jungen Frau entwickelte, die sich an mich anlehnte.

Ich dachte an meine Tochter, an die Gespräche, die wir miteinander geführt hatten, und an das Vertrauen, das zwischen uns herrschte. Ich stellte mir vor, wie sie jemanden bräuchte, dem sie ihr Herz ausschütten konnte. Jemanden, der ihr zuhören würde, ohne zu urteilen, und der ihr helfen würde, ihre eigenen Entscheidungen zu treffen.

Dieser Jemand wollte ich für Lea sein. Wie immer sie sich entscheiden würde, ich würde sie darin bestärken und unterstützen. Das schwor ich mir.

"Wenn meine Tochter in einer ähnlichen Situation wäre", ich wählte meine Worte mit Bedacht, "würde ich mir wünschen, dass sie jemanden hätte, der ihr hilft, ihren eigenen Weg zu gehen. Jemanden, dem sie vertrauen kann und der für sie da ist, gleich wofür sie sich entscheidet."

„Und du willst mir helfen?“, fragte sie unsicher nach.

„Ja, das verspreche ich dir. Uneingeschränkt und aus ganzem Herzen. Wie immer du dich entscheidest, ich bin für dich da.“

Lea richtete sich auf und schenkte mir ein dankbares Lächeln, das wie ein Sonnenaufgang für mich war. Sie atmete tief durch und schien für einen Moment innezuhalten, als ob sie intensiv nachdachte. Ich legte meine Hand sanft auf ihre, um ihr Stärke zu schenken und meine Unterstützung zu signalisieren. Dann begann sie erneut zu sprechen. Ihre Worte kamen nun flüssiger und weniger zögerlich. Ich konnte spüren, dass sie nun wusste, was sie wollte.

"Ich hätte ehrlich zu ihm sein sollen", sagte sie mit einem Hauch von Bitterkeit in ihrer Stimme. "Aber ich... ich habe mich einfach nicht getraut. Ich dachte, ich würde ihn verlieren, wenn ich ihm sage, dass ich noch Jungfrau bin."

Ich schwieg, um ihr die Gelegenheit zu geben, die Lösung selbst auszusprechen. Ich konnte ihr Bedürfnis nach Stärke und Selbstsicherheit verstehen, die sie bei mir suchte. Besonders in einer solch persönlichen und intimen Angelegenheit. Es war mir klar, dass sie sich in einem Teufelskreis aus Unsicherheit, Angst und Scham befand, aus dem sie ausbrechen musste. Diesen Ausgang musste sie selbst finden.

"Ich kann mir vorstellen, dass das eine sehr schwierige Situation für dich ist", flüsterte ich einfühlsam. "Es ist wichtig, dass du dich wohl und sicher fühlst, wenn du solche Entscheidungen triffst. Es ist deine Wahl und du solltest dich von niemandem zu irgendetwas **** fühlen."

Lea nickte bedächtig und schien meine Worte zu absorbieren. Ihre Miene wirkte nachdenklich, und ich konnte förmlich sehen, wie sie den Ausweg aus ihrem emotionalen Labyrinth suchte und fand. Sie beugte sich weit zu mir herüber, bis ihre Lippen beinahe mein Ohr berührten und wisperte:

„Ich möchte, dass du mit mir schläfst.“

Die Worte trafen mich wie ein Schlag. Mir wurde schwindlig und ich wusste nicht mehr, was ich sagen sollte. Es konnte doch nur die Mischung aus **** und **** sein, die da aus ihr sprach. Ich starrte sie entsetzt an und wollte vehement den Kopf schütteln.

Da sah ich ihren Gesichtsausdruck. Ihre Mundwinkel zuckten und ihre Augen fingen an, sich wieder mit Tränen zu füllen. Lautlos formte sie die Worte: „Aber du hast es versprochen.“

Ich knickte ein. Ich konnte ihr den Halt, den ich ihr mühsam gegeben hatte, nicht einfach wieder entziehen. Der Abgrund, in den ich sie damit stürzen würde, wäre so tief, dass sie sich nicht wieder davon erholte.

„Es ist gut. Alles ist gut“, murmelte ich, drückte sie an mich und strich ihr beruhigend über Kopf und Rücken.

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