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Chapter 72
by
Bitbuster
Schüchtern, zickig oder scheu?
Weil ich ein Mädchen bin
Mit dem Turbolift fuhr Patrick zum Deck 10, auf dem sich die Messe 1 befand.
Im Gegensatz zum Kasino war die Messe viel ruhiger und nur einige wenige Tische besetzt.
„Ich muss mir irgendwann mal merken, wann in welchem...Restaurant am wenigsten los ist“
Er sah sich um, konnte Jenny jedoch noch nirgendwo entdecken.
Über den Umweg zur Bar, wo er sich eine Cola bestellte, führte ihn sein Weg zu einem der Plätze am Fenster.
„OK, wie war das, rechte Tischecke mehrfach antippen und es wird die Uhrzeit auf dem Tisch eingeblendet?“
Es war 18:02 und er lehnte sich gerade gemütlich zurück, als sie die Türen öffneten und Jenny die Messe betrat.
Etwas unsicher trat sie zu ihm an den Tisch.
„Hallo und guten Abend“ meinte Patrick freundlich und er überlegte, ob er kurz aufstehen sollte, oder ob das zu altmodisch war.
„Hallo“ flüsterte sie kaum hörbar uns setzte sich dann schnell ihm gegenüber hin.
Eine der Ordonnanzen trat an den Tisch und Jenny bestellte sich einen Milchkaffee.
Schweigend warteten sie, bis der Kaffee serviert wurde.
„Ähm“ räusperte sich Jenny zaghaft. „Also was ich sagen wollte … ich meine, ich … naja… also danke.“
Patrick war nun ebenfalls etwas irritiert. Er hatte mit einer Erklärung gerechnet und nicht mit einem ‚Danke‘. Daher fragte er nach: „Danke wofür?“
„Naja… dass Du nicht… also dass wir nicht… du weißt schon… miteinander, also zusammen…an dem Abend.“
„OK, ich verstehe schon“ versuchte er ihr zu helfen.
„Und das Du Thea nichts gesagt hast.“
„Das hast Du eher Sophia zu verdanken, ich wusste nicht recht was zu sagen und sie ist da eingesprungen.“
„Wie auch immer, danke nochmal.“
„Schon in Ordnung. Wie … also wollen wir vielleicht noch einmal komplett neu starten?“
Jenny erzählte ihm von ihrer Kindheit. Ihre Eltern waren Terraformer und zu einem etwa zwanzig Jahre andauernden Umformungsauftrag aufgebrochen, als sich herausstellte, dass Jennys Mutter Schwanger war. Warum das bei der Untersuchung übersehen worden war, konnte nie festgestellt werden. So kam sie auf einem von Eisstürmen und kühlen Sommern heimgesuchten Planeten zur Welt und war nur von Erwachsenen umgeben. Zwar versuchte jeder, besonders ihre Eltern, die Dinge beizubringen, die sie in einer Schule gelernt hätte, jedoch waren es Handwerker und so blieb ein Großteil der pädagogischen Ausbildung auf der Strecke. Als ihre Eltern bei Erdarbeiten getötet wurden, überlegte die Gruppe, ob man einen frühen Rücktransport für Jenny organisieren sollte. Zu diesem Zeitpunkt war sie bereits knapp 14 Jahre alt und konnte sich ein Leben außerhalb der Gruppe nicht vorstellen. Auf ihren Wunsch hin wartete man den nächsten regulären Versorgungstermin ab und so kam sie mit 16 Jahren nach Parafi, einer Außenstelle der Akademie der Föderation. Jenny zeigte sich als gute Schülerin und obwohl alle davon ausgegangen waren, dass sie im wissenschaftlichen Bereich ihre Ausbildung beenden würde, entschied sie sich für die Sicherheit.
„Puh, das stelle ich mir schwer vor, so ohne andere **** aufzuwachsen. Zwar hatte ich nie so richtig viele Schulfreunde, oft nur einen oder zwei, aber mit gar keinen anderen Kindern irgendwie mal Quatsch machen… schon komisch.“
„Naja, was man nicht kennt, vermisst man auch nicht – einer der Sprüche, die man immer wieder gesagt bekommt.“
Patrick nickte zustimmend und Jenny erzählte weiter. Sie berichtete von Ihrer Zeit an der Akademie und wurde plötzlich sehr still.
„Wenn Du woanders hingehen möchtest, dann ist das in Ordnung, oder das Treffen beenden, dann sprechen wir vielleicht nächste Woche wieder miteinander“ versuchte er die Stille zu unterbrechen.
„Nein, schon gut. Ich würde tatsächlich gerne irgendwo anders hingehen, aber bis auf’s Holodeck ist man nirgendwo ungestört und da bekommen wir jetzt keine Zeit gebucht.“
Er überlegte. „Wir könnten ins Aboretum, da ist fast nie jemand. Oder in einem der Wartungsschächte verschwinden.“ schlug er vor.
„Aboretum? Da war ich bisher erst ein einziges Mal bei der Schiffsbegehung“
„Gut, wollen wir nachschauen, ob dort jemand ist?“
Jenny nickte und stand auf. Gemeinsam gingen sie schweigend ins Aboretum.
Fast schon automatisch ging Patrick seinen Weg, den er schon so oft gegangen war, seit dem er an Bord war.
„Du bist oft hier, oder?“ fragte sie ihn, da er die Wege zielsicher einschlug.
„Schon, es ist eben so etwas wie Natur. Natürlich mag ich Technik und Computer und es war immer auch ein Traum, ins All zu fliegen. Aber da war es unvorstellbar, jedenfalls für normale Menschen.“
„Normale Menschen?“ fragte Jenny nach.
„Ja, also Du und ich. Ähm, ja… zu meiner Zeit sind eben nur ganz wenige Astronauten ins All geflogen und dann auch nur zum Mond oder zu einer Raumstation im Orbit der Erde.“
„Oh, ... ja, verstehe“.
Unter einem großen Baum blieb er stehen.
„Wollen wir uns vielleicht hier etwas hinsetzen? So wie es aussieht, ist sonst niemand hier.“
Jenny schaute sich noch einmal um, bevor sie sich setzte, Patrick nahm neben ihr Platz und lehnte sich an den Baum.
„Das ist also Dein Stammplatz?“
„Stammplatz … ja, kann man so sagen.“
Von dem Platz aus konnte man fast das ganze Aboretum überblicken und es war, als wenn man sich wirklich irgendwo auf einem Planeten in einem Waldgebiet befand.
Er schaute immer mal wieder zu Jenny, die mit sich selbst zu kämpfen schien. Auf keinen Fall wollte er sie drängen und wenn sie heute hier nur sitzen würden, wäre es für ihn auch in Ordnung.
Nach einer ganzen Weile begann sie zu erzählen, was sie auf der Akademie als sogenannten Freizeitspaß erlebt hatte. Kleinere Gruppen hatten sich regelmäßig **** und dann auch Sex miteinander. Jenny erzählte, dass sie oft nur mitgetrunken hatte, um natürlich dazu zu gehören und nicht schon wieder die Außenseiterin zu sein, zum anderen aber auch, damit „das wilde rumgeficke“ wie einer ihrer Akademiekameraden es gerne bezeichnete, nicht ganz so schmerzhaft war.
Patrick schaute sie mit einer Mischung aus Unverständnis und Entsetzen an.
„Weil ich ein Mädchen bin ist es doch normal, dass ich den Jungs zur Verfügung stehe, wenn sie noch einen hoch bekommen sollten.”
„Du willst mir damit sagen, dass Du bisher immer nur im betrunkenen Zustand mit jemandem geschlafen hast?“
„Na, wenn man nicht **** genug ist, dann kann man es doch kaum aushalten“
„OK, mal abgesehen davon, dass es Quatsch ist, was Du da sagst, warum hast Du es denn immer wieder gemacht?“
„Ist doch klar, um keine Spielverderberin zu sein. Wenn es eben dazu gehört, dann ist das so. Aber toll finde ich das Ganze nicht. Und wieso ist das Quatsch? Hattest Du schon mal nüchtern Sex?“
„Äh … ja, eher anders herum. Ich kann mich an ein einziges Mal erinnern, wo ich nicht mehr so ganz nüchtern war.“
„Hm… das hat mir….ist auch egal wer… auch so gesagt.“
„Wie jetzt? Darüber hatte ich hier an Bord mit niemanden gesprochen.“
„Nein, nicht Du. Mir hat jemand gesagt, dass sie auch nur maximal zwei-drei Gläser trinkt, wenn sie noch… äh..“
„Ja, verstanden, schon gut.“
Gemeinsam schwiegen sie sich wieder an.
„Darf ich Dich noch was fragen?“ sagte er leise und schaute sie dabei nicht an.
„Hmmm“ brummte sie.
„Ich verstehe das mit dem Kino noch nicht so ganz. Warum ich und warum dort?“
„Warum dort kann ich Dir auch nicht mehr genau sagen, dafür war ich wohl schon zu ****.“
Wieder entstand eine Stille, die fast unheimlich war.
„Und warum ich?“ fragte er noch einmal zaghaft nach.
„Weil Du anders sein sollst, nein, anders bist.“ sagte sie mit Nachdruck und nickte dabei kräftig mit dem Kopf.
„Wie, anders?“
„Naja… wie soll ich das sagen… Du bist gegangen und hast die Situation eben nicht… ausgenutzt. Aber vielleicht gefalle ich Dir auch nicht, wobei die da auch keine Rücksicht drauf nehmen.“
„Wer die?“ Schweigen…. „Schon gut, vergiss es“ Patrick schaute zu ihr und legte dann vorsichtig seinen Arm um sie.
Etwas steif ließ Jenny es zu und es dauerte nicht lange, bis sie sich an ihn kuschelte.
Es möchten vielleicht 10 Minuten vergangen sein, als er von ihr ein leichtes Schluchzen hörte.
„Mist, die nächste, die bei mir rumheult“ dachte er sich und wollte den Arm wegziehen, aber sie hielt ihn vorsichtig fest.
„Nicht … ich meine …wenn Du gehen willst, dann ist das ok… aber….“ Sie schaute ihn an und eine Träne lief ihr über das Gesicht.
„Ja klar, dass was ich am wenigsten mag. Wie soll ich jetzt reagieren?“ fragte er sich und schaute ihr in die Augen.
Sie klammerte sich so gut es im Sitzen ging an ihn und legte ihren Kopf auf seine Schulter.
„Die letzte … die … mich umarmt hat … war meine Mutter“ brachte sie mühsam hervor und drückte sich noch fester an ihn.
„Komm, steh mal auf“ versuchte er so sanft wie möglich zu sagen.
Etwas mühsam rappelte sie sich auf und als sie vor ihm stand, umarmte er sie fest und streichelte ihren Rücken.
„Ich kann Dir mit Deiner Vergangenheit nicht helfen, dafür bin ich kein Profi. Aber ich biete Dir gerne an, mit mir zu reden, wenn Du magst.“
„Unsere Couns ist zwar nett, aber sowas würde ich mit ihr nie besprechen.“
„Warum nicht? Dafür ist sie da.“
„Ein Replikator stellt Dir auch her, was Du willst, hilft Dir aber eben nicht immer“
„OK, verstehe ich jetzt nicht, aber ich frage auch lieber nicht nach.“
Es dauerte eine Zeit, bis sie sich von ihm löste. „Wenn Du magst, also…wenn es nicht zu viel verlangt ist… dann würde ich das gerne wiederholen.“
„Ja klar, ich kann Dir auch Bescheid geben, wenn ich hier bin. Dann kannst Du dazu kommen, wenn Du magst.“
„Oh –ja, sehr gerne. Ich glaube, ich sollte jetzt gehen.“
„Wie Du möchtest“
Etwas zögerlich verließ Jenny das Aboretum und schaute sich noch einmal um, bevor sie durch die Tür schritt.
„Ich möchte nicht wissen, was sie sonst noch so alles erlebt hat“ dachte er sich und ging dann ebenfalls in sein Quartier.
Frühsport
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Eine Reise durch Zeit und Raum
Eben noch auf der Erde und jetzt schon im All
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