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Chapter 11 by mäuschen mäuschen

Wie geht es weiter?

Die Vernunft siegt. Oder doch nicht?

Gretchen seufzte, und erinnerte sich an die Abschiedsworte ihrer Tante, als Gretchen sich zum Studium in die Große Stadt verabschiedete: “Ich fürchte, das wird noch böse mit dir enden, Kindchen. Bitte pass auf dich auf und sei vernünftig!”

“Sei vernünftig!”, hallte es in ihrem Kopf nach. Ja, natürlich war sie vernünftig! Gretchen war immer vernünftig. Sie nahm die Visitenkarte in die Hand. Vernünftig wäre es, die ganze Sache zu vergessen und die Karte in den Müll zu schmeißen. Und natürlich trennte sie den Müll ordentlich, wie es sich gehörte. Daher benutzte sie einen Korb um das Altpapier zu sammeln.

Gretchen ging die paar Meter, hinaus aus dem Schlafzimmer, in dem Teppichboden lag. Im Flur und Arbeitszimmer hingegen lag Parkettboden und Gretchen war kurz überrascht, als bei jedem Ihrer Schritte das für High Heels typische Klicken zu hören war. Normalerweise trug sie ja keine Schuhe in der Wohnung. Und sie war auch ein bisschen stolz auf sich, weil dies trotz der mehr als zehn Zentimeter hohen Stiletto Absätze so problemlos funktionierte, dass sie einen kurzen Augenblick schon vergessen hatte, dass sie überhaupt welche trug.

Hm, nanu, hier im Arbeitszimmer war der Korb nicht? Auf den High Heels sah alles ein wenig anders aus. Sah man die Dinge aus einer anderen Perspektive. Alles war ein wenig kleiner, weiter weg als sonst. Unbedeutender als sonst. Logischerweise im Umkehrschluss war man selber größer als sonst… bedeutender als sonst… Aber wo war denn nun der Korb? Achso, klar, heute morgen noch schnell ausgeleert und temporär in der Küche abgestellt, weil sie zur Arbeit musste.

“Sei vernünftig!” - Vernünftig wäre es, die High Heels jetzt auszuziehen. Aber das machte echt Spaß in diesen Manolo Blahniks zu laufen. Diese Leichtigkeit, elegant einen Schritt vor den anderen zu setzen, die paar Meter bis in die Küche, mit dieser Geräuschkulisse bei jedem Schritt… wie ein Bote, der verkündete, dass hier eine echte Frau lief. Sexy. Selbstbewusst. Hm, was für komische Gedanken… aber mit jedem Schritt fühlte sie sich irgendwie besser.

Da auf dem Tresen? Nein, da war ihre Handtasche, die sie vorhin dort abgelegt hatte, als sie nach der Arbeit nach Hause kam. Wo war nur? Ah, dort! Den Korb für das Altpapier hatte sie auf einen Stuhl neben dem Küchentisch abgestellt.

“Sei vernünftig!” - Ja die Schnapsidee sich mit Tammy anzufreunden sollte sie sich ganz schnell aus dem Kopf zu schlagen. Und das rechteckige Stück Papier schnellstmöglich entsorgen. Sie ging zum Tisch - Klack. Klack. Klack. - Sie liebte diese High Heels mit jedem Schritt mehr.

Verträumt probierte Gretchen noch schnell eine Drehung auf der Stelle. Irgendwie war ihr danach, und in der Küche war genug Platz. Die flotte Bewegung klappte spielerisch und problemlos. Eine weitere Drehung, und noch eine. Wie beim Tanzen. Wie lange sie schon nicht mehr mit einer Freundin tanzen war?

“Sei vernünftig!”

Gretchen war immer vernünftig. Aber tief innen drin hatte Gretchen’s unterdrückte und verborgene Seite keine Lust mehr, vernünftig zu sein. Gretchen blickte noch ein letztes Mal auf die Karte und schüttelte nur den Kopf. Dann ging sie hinüber zum Tresen und stecke Tamaras Visitenkarte in das vorderste Fach ihrer Handtasche.

Wie geht es weiter?

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