Wie geht es weiter mit Anja!
Das Vorstellungsgespräch
Er trug einen alten, unmodernen Norwegerpulli, der ein paar Löcher aufwies und ihm gar nicht passte. Als er mir die Hand entgegenstreckte, ließ er einen Blick auf seinen Bauchansatz zu, der über den Hosenbund quoll.
Eine abgenutzte, fleckige Kordhose wurde mit einer Schnur zusammengehalten und seine Füße steckten in zwei verbleichten, ehemals braunen Schuhen, die offensichtlich mehrere Weltumrundungen hinter sich hatten und mit Schürsenkeln nur zur Hälfte zusammengehalten wurden, da bereits Teile davon abgerissen waren.
„Tach, ich bin Kato“ sagte er und griff fest meine Hand. Dabei hielt er mich fest und betrachtete mich von oben bis unten.
„Wow, dass nenn ich mal ne scharfe Braut. Da hat der Michael auch in der Hinsicht Glück gehabt. Ne hübsche Frau, die auch noch ordentlich Geld nach Hause bringt. Wie geht es dir?“
Jetzt duzte der Typ mich auch noch und versuchte sich mit einem eher unverschämten Kompliment einzuschleimen. Ich hatte tatsächlich eine sehr gute und sportliche Figur und war mit meinen 176 cm sicher nicht klein. Allerdings trug ich einen sehr konservativen grauen Rock mit dazugehörigem grauen Jackett und einer weißen Bluse. Meine langen blonden Haare hatte ich zu einem Dutt gebunden und mich nur schlicht geschminkt. Ich wollte nie den Eindruck hinterlassen, ich hätte meine berufliche Karriere auf meinem Aussehen aufgebaut.
Herr Tomtschek grinste verwegen und zeigte seine gelblichen Zähne, gleichzeitig schlug mir seine Alkoholfahne entgegen. Seine Haare und sein Bart waren ungleichmäßig geschnitten und wirr. Na, er sollte ja nicht in der Personalabteilung arbeiten und auf dem Lager konnte man ihn ja nicht sehen.
„Setzen sie sich doch bitte“ blieb ich beim Sie. War er aber nicht davon abhielt mich weiter zu duzen. Er lümmelte sich auf den Stuhl vor mir und nahm die Hände hinter den Kopf.
Dadurch traten seine getrockneten Schweißränder unter den Achseln zu Tage. Normalerweise hätte ich das Gespräch schon jetzt beendet, aber Michael zu Liebe wollte ich es weiter versuchen.
Karl Tomtschek erwies sich als sehr dominanter und unverschämter Typ. Das Lager sei eigentlich gar nichts für ihn, meinte er, trotz fehlender Qualifikation und Berufserfahrung. Er hatte gelegentlich einfache Hilfsarbeiten übernommen, insgesamt 7 Jahre im Knast gesessen und dort eine Schreinerausbildung begonnen und auch abgebrochen.
Es ist mir viel schwer, aber ich gab ihm eine Chance. Ich sagte ihm zu, dass er nach einer gewissen Eingewöhnungszeit vielleicht der Lagerleiter werden könnte. Obwohl es diese Stelle eigentlich nicht gab, aber er gab sich damit zufrieden.
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