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Pause beendet
Die absolute Finsternis des Waldes wog die Überlebenden in eine trügerische Sicherheit. Das gleichmäßige, erschöpfte Atmen der Frauen und Männer verlor sich im leisen Rascheln des Fichtenlaubs. Selbst Karsten und Sascha, die mit dem Rücken an einem dicken Baumstamm saßen und eigentlich die Augen offenhalten wollten, waren von der bleiernen Müdigkeit überwältigt worden. Zuerst die nächtlichen Vorbereitungen, der Flug in die Ukraine, der Raketenschlag, der begonnene Heimflug, der Abschuss, die Rettung aus dem Flugzeug, die Drohne und der Marsch, all das forderte jetzt seinen Tribut, auch bei den härtesten Männern.
Plötzlich riss ein schriller, blecherner Schrei die Nacht entzwei.
„Stoj! Nicht bewegen! Hände hoch!“
Gleichzeitig flammten zwei blendend helle, eisweiße LED-Gefechtslampen auf. Das grelle Licht schnitt wie ein rasierklingenscharfes Messer durch die Finsternis und traf die Schlafenden mit voller Wucht direkt in die Augen.
Das Rascheln von Stiefeln auf dem Waldboden, das metallische Klacken von durchgezogenen Verschlussbolzen und raue, russische Befehle klangen durch das Unterholz. Ein halbes Dutzend schwer bewaffneter Soldaten in fleckiger Tarnkleidung hatte den Unterschlupf komplett umstellt. Die Mündungen ihrer Kalaschnikows zielten ohne Erbarmen auf das Knäuel aus halb nackten, verletzten und verstörten Menschen.
„Was... was ist los?!“, kreischte Sabine, die völlig orientierungslos aus dem Schlaf hochschreckte. Sie schlug schmerzerfüllt die Hände vor die Augen, blendend weißes Licht brannte in ihren Pupillen. „Karsten! Was passiert hier?!“
„Nicht bewegen! Bleibt alle unten!“, brüllte Karsten, der blinzelnd versuchte, die Schemen hinter den Lichtkegeln zu erkennen. Sein Herz hämmerte wie ein Presslufthammer gegen die Rippen.
Panik brach aus. Vivian stieß einen schrillen Schrei aus und wollte sich instinktiv nach hinten wegducken, doch sofort ertönte das aggressive Brüllen eines Soldaten: „Nizu! Bleib unten, Schlampe!“ Der Mündung eines Sturmgewehrs wurde ihr brutal direkt gegen die Stirn gepresst. Vivian erstarrte, der Schweiß schoss ihr in Sturzbächen aus den Poren, während sie vor lauter Todesangst wimmernd sitzen blieb.
Die Verwirrung weichte innerhalb von Sekundenbruchteilen der nackten, unbarmherzigen Erkenntnis: Das war kein Rettungstrupp. Es war ein russisches Kommando, das die Absturzstelle suchte.
Siemtje Berger, die durch den Lärm jäh aus ihren Träumen gerissen worden war, blickte direkt in die Mündung einer Waffe, die keine zwei Meter von ihrem Gesicht entfernt auf sie gerichtet war. Der Schock über fuhr ihren geschundenen Körper so gewaltig, dass die Schmerzen in ihrem gequetschten Unterleib vollkommen zur Nebensache wurden.
„Nicht schießen! Bitte, mein Gott, nicht schießen! Nur nicht schießen!“, kreischte Siemtje hysterisch.
Ohne auch nur eine Sekunde zu zögern, riss sie beide Hände hoch über den Kopf. Sie erhob sich auf die Knie, die Beine zitterten so heftig, dass sie kaum das Gleichgewicht halten konnte. Tränen der puren Hilflosigkeit schossen ihr aus den Augen, während sie bettelnd und wimmernd zu dem schwer bewaffneten Soldaten aufblickte.
„Ich ergebe mich! Wir ergeben uns alle! Tun Sie uns nichts!“, flehte Siemtje mit einer vor Schreck überschlagenden Stimme. Sie machte sich so klein und wehrlos wie nur möglich, die Arme weit ausgestreckt, um zu zeigen, dass sie unbewaffnet war. „Wir sind verletzt... wir sind nur Überlebende... bitte nicht schießen … Wir sind keine Gefahr … nicht schießen … Bitte!“
Der Truppführer der Russen, ein vernarbter Mann mit einem schweren Käppi, trat einen Schritt vor. Seine eisigen Augen musterten die zitternde, halb entblößte Gruppe mit einer Mischung aus Verachtung und kalter Berechnung.
„Schnauze halten!“, knurrte er in gebrochenem Deutsch und versetzte dem nächststehenden Baumstamm einen heftigen Tritt. „Keine Bewegung! Wer zuckt, kriegt eine Kugel in den Kopf!“
Silke Guthörle presste sich fest an Svens Seite, während Sara und Agnieszka starr vor Entsetzen im Gras kauerten. Die Falle war zugeschnappt – mitten in der eisigen Nacht standen die Überlebenden der A400M der feindlichen Übermacht völlig schutzlos gegenüber.
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