Wer bricht das Schweigen?

Orgiastis hält es nicht mehr aus

Chapter 174 by Geilspecht99 Geilspecht99

Sie hatten wortlos gegessen und waren ansonsten aneinander gekuschelt, jeweils ihren Gedanken nachgegangen, ohne auch nur ein Wort zu verlieren. Es war wohl schon nach Mittag, als Orgiastis es schließlich nicht mehr aushielt.

“Ich weiß nicht, worüber du mit mir sprechen willst, aber bevor du anfängst, möchte ich zwei Dinge klarstellen:

“Ich liebe dich über alles und ich werde dich mit bestem Wissen und Gewissen unterstützen, egal welchen Weg du wählst.“

Orgiastis hätte noch weiter gesprochen, aber Thea fiel ihm um den Hals und küsste ihn.

“Ich liebe dich auch mehr als alles andere“, brachte sie in einer Atempause hervor und nahm sogleich wieder seine Lippen in Beschlag, sodass sich seine Replik verzögerte.

“Aber du bist jung und du hast noch dein ganzes Leben vor dir. Du darfst dich nicht von einem alten Sack wie mir bremsen lassen.“

“Ich brauche dich, du bist mein Anker, den ich liebe und auf den ich mich immer verlassen kann.“

“Ich habe dir in einem Punkt nicht die Wahrheit gesagt.“

Sie unterbrach den Kuss, ein paar Sekunden prüfte sie seinen Blick, dann stellte sie zufrieden fest:

“Du hast mir alles gesagt, was du mir sagen durftest, oder?“

“Ja“

“Dann hast du dir nichts vorzuwerfen.“

Er versuchte etwas zu erwidern, aber sie legte ihm den Zeigefinger auf die Lippen und brachte ihn somit zu schweigen.

“Ich habe dir auch einiges wichtiges zu erzählen, aber ich möchte, dass du mich nicht unterbrichst.“

Orgiastis war von diesen Aussichten nicht begeistert, er nickte aber zustimmend.

“Im Traum wurde mir gesagt, dass wir uns heute entscheiden müssen, ob wir den Rest unseres Lebens gemeinsam verbringen wollen.“

Instinktiv wollte Orgiastis fragen, wer ihr das gesagt hatte, aber ein strenger Blick Theas genügte, um das zu verhindern. Stattdessen fragte sie nach:

“Möchtest du das?“

“Natürlich, nichts würde ich lieber tun, aber ich bin alt und der Rest meines Lebens kann theoretisch auch nur ein paar Tage sein.“

Thea ignorierte den Hinweis auf sein Alter, widerstand dem Drang, ihn sofort zu küssen und kam gleich zum nächsten Punkt.

“Dann sind wir uns ja einig“, streichelte sie ihm zärtlich über die Wange, um dann fortzufahren, aber diesmal unterbrach Orgiastis sie:

“Ein Traum in den namenlosen Tagen ist nicht gerade eine zuverlässige Quelle.“

“Die Prophetin selbst sprach zu mir.“, entgegnete sie.

“Bist du dir ganz sicher?“, fragte er, aber schon ihr Blick gab ihm die Antwort.

“Ich habe keine Zweifel daran, außerdem hatte ich den Traum, nachdem uns Rahja die Pfauenfedern schenkte, die uns vor Namenlosen schützt“, sagte sie mir voller Überzeugung.

Er brauchte ein paar Sekunden, bis er das Gesagte verinnerlicht hatte.

“Was müssen wir tun?“

“Um unsere gemeinsame Entscheidung zu bestätigen, werden wir etwas Verbotenes tun müssen, das ganz im Sinne Rahja’s ist“, sagte sie um nach einer dramatischen Pause, während der sie sich an seiner Neugier ergötzte, fortzufahren:

“Im Traum forderte die Heilige, dass du, wenn wir gemeinsam durchs Leben streiten wollen, mich noch vor Ende des heutigen Tages in den Arsch ficken musst. Sie hat gemeint, dass sich alles zum Guten wenden würde, wenn wir uns gemeinsam dafür entscheiden.“

Orgiastis Gefühle fuhren Achterbahn, Thea hatte damit gerechnet; sie ließ sich nicht aus der Ruhe bringen und gab ihm Zeit das Gehörte zu verarbeiten.

Nichts würde er lieber tun, als mit Thea zu schlafen, aber es stand in direktem Widerspruch zu dem, was sein Fluch von ihm verlangte. Aber da war ja auch noch die Prophezeiung der alten Priesterin in Zorgan, die auf einmal eine neue Bedeutung bekam.

In einer blutigen Phase, zur denkbar unpassendsten Zeit, wird sie dich um etwas Einmaliges/Geächtetes bitten, wofür dir der Tod droht.

Das Einzige, was hier immer noch keinen Sinn ergab, war die blutige Phase, bis ihm klar wurde, dass damit ihre Regel gemeint sein könnte. Dass mit der denkbar unpassendsten Zeit die namenlosen Tage gemeint waren, lag nunmehr auf der Hand, Analsex wurde vielerorts noch als Perversion betrachtet, es wäre ein erstes Mal und der Fluch würde ihn töten, wenn er Sex hätte…

Aber nimm das Geschenk der jungen Frau nur an, wenn du bereit bist, deine verbleibenden Tage mit ihr zu verbringen und ihr den Rückhalt/Liebe zu geben, die sie für ihre Mission braucht.

Dass er Thea unterstützen und seine letzten Tage mit ihr verbringen wollte, stand außer Frage, aber könnte er sie auch unterstützen, wenn es darum ging, im Namen des Ordens zahllose Schwänze zu entsaften? Zwar konnte er sich das nun besser vorstellen als noch vor ein paar Tagen, aber ganz von sich überzeugt war er noch nicht.

“Ich verstehe deine Zweifel, aber die heilige Alma hat mich überzeugt“, sagte Thea, als würde sie seine Gedanken lesen.

“Es könnte immer noch eine Täuschung des Namenlosen sein“, hielt er ihr entgegen, ohne es selbst zu glauben.

“Ich bin davon überzeugt, dass es Alma war, die zu mir gesprochen hat. Die heilige Alma hat auch gewusst, dass Rahja uns vor den Dienern des Namenlosen gerettet hat. Die Pfauenfedern sind ein Geschenk der Göttin, das uns auch weiterhin vor dem Namenlosen Einfluss schützen wird.“

Orgiastis war zu diesem Zeitpunkt wohl der größte Experte, wenn es darum ging, die verschlungenen Wege des namenlosen Wirkens zu erkennen und zu verstehen, darum blieb er noch immer skeptisch.

“Hat dir die heilige Alma etwas Unerreichbares angeboten, das du unbedingt haben willst?“

“Ja, dich!“

“Sonst nichts? Keine Reichtümer, Macht, vollkommene Schönheit oder dergleichen? Der Namenlose versucht immer, die Schwächen seiner Opfer auszunutzen, um sie für sich zu gewinnen.“

“Nein, mir wurde nur zugesagt, dass wir unser Leben gemeinsam verbringen können, wenn wir es ernst meinen.“

Beinahe hätte er sich verplappert und danach gefragt, ob Alma sie auch dazu aufgefordert hatte, in den Orden einzutreten, aber ihm wurde klar, dass Thea ihm das gesagt hätte, wenn es so gewesen wäre. Andererseits, so wie Thea sich heute im Bad verhalten hätte, nahm er an, dass Thea auch ohne sein Zutun selbst mit dem Gedanken spielte.

Das Ganze klang zu gut, um wahr zu sein, darum ging die Diskussion auch noch weiter.

Orgiastis Zweifel wurden einer nach dem anderen ausgeräumt und er ließ sich immer mehr von ihrer Begeisterung anstecken.

Sie waren sich die ganze Zeit lang nackt gegenübergesessen, aber er bestand noch auf ein gemeinsames Gebet, bevor sie sich endgültig gemeinsam festlegen würden.

“Rahjas, lachende Göttin..“, weiter kam er nicht, denn Thea bevorzugte eine andere Art, Rahja zu huldigen….

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