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Chapter 14 by Mercadus Mercadus

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Nachtgedanken

Michelle liegt auf dem Rücken. Die Decke klebt an ihren Schenkeln, als hätte sie sich mit Schuldgefühlen zugedeckt. Außen die Stadt – Autos, Sirenen, Leben. Innen: Stille, flackernde Gedanken.

Sie hatte „Nein“ gesagt. Ein klar artikulierter Satz. Zwei Silben. Ein moralischer Schutzwall, der sich durchlässig anfühlte. Müllers Stimme spukt in ihrem Kopf.

*„Du kannst dich einfach regelmäßig von mir lecken lassen, wann und wo du willst.“*

Wer redet so? Wer macht so ein Angebot – und warum war es nicht sofort widerlich?

Sie beißt sich auf die Unterlippe, schmeckt Metall. Erinnerungen sind wie Pornos nach dem Orgasmus: plötzlich absurd, peinlich, irgendwie falsch.

Michelle dreht sich zur Seite, zieht die Knie an die Brust. Sie hasst sich dafür, dass sie daran denkt. Noch mehr hasst sie sich für das feine Kribbeln zwischen den Beinen.

Sie hat sich selbst nie als „so eine“ gesehen. Und jetzt? Jetzt denkt sie über geheime Leck-Deals nach. Die Fantasie hat Zähne. Sie nagt an ihr. Müller, der alte, schmierige Bock, mit seiner Zunge wie ein verlässliches Werkzeug.

Keine Gegenleistung. Nur Lust. Nur sie im Mittelpunkt. Ein Serviceangebot. Wie Netflix für die Klitoris. Sie lacht auf. Ein bitteres Geräusch, das sich sofort schuldig anfühlt. Sie setzt sich auf, schaut in den Spiegel gegenüber dem Bett.

Ein Mädchen mit feuchten Augen. Wangen gerötet. Lippen leicht geöffnet.

**Wer ist das?**

Die Michelle von vor drei Monaten hätte diese Michelle verachtet. Aber die Realität hat Risse. Und durch diese Risse sickert manchmal etwas, das nach Freiheit schmeckt – oder Verderbnis.

Der Gedanke kehrt zurück. Ein Mann, der sie riecht, bevor er sie küsst. Ein Mann, der nichts will – außer schmecken. Sie greift zum Handy. Nur um zu schauen, ob er geschrieben hat. Nur um...

verrückt....natürlich nicht.

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