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Chapter 9

Was erleben die Nonnen auf dem Rummel?

Maria Thomas und Maria Emilia gehen ins Spukhaus

Die Gruppe der schwarz-weiß gekleideten Nonnen marschierte an einem Holzhaus vorbei, das geradewegs aus einem billigen Horrorfilm entsprungen sein konnte. Das Gebäude war mehrere Stockwerke hoch, hatte schmale, oben spitz zulaufende gotische Fenster und an den Ecken ragten schiefe Türme auf. Wie konnte man so etwas nur über Nacht errichten? Die Fassade war schwarz gestrichen und mit einem Fries aus weißen Skeletten verziert. Eine knarrende Holztreppe führte hinauf zu einer Veranda vor der Eingangstür. Auf einem Schild vor der Tür stand in großen Buchstaben: "WAGEN SIE ES EINZUTRETEN?"

„So ein Unsinn“, maulte Maria Thomas, die ihre übliche Skepsis zur Schau trug.

Maria Emilia, die ziemlich kleine, pummelige Ordensfrau ging direkt hinter ihr. Sie galt unter ihren Mitschwestern als sehr leichtgläubig. Sie zog es vor, von sich selbst als ‚allem Neuen gegenüber aufgeschlossen‘ zu sprechen.

„Woher willst du wissen, dass es nicht echt ist?“

„Weil es nun mal keine Geister gibt.“

„Ich wäre da mal nicht so sicher.“

Maria Thomas blieb abrupt stehen und drehte sich zu ihrer Nachfolgerin um. Dabei stemmte sie die Hände in die Hüften und richtete sich gerade auf. Da sie schon von ihrer Statur her die kleinere Maria Emilia um eineinhalb Köpfe überragte, war dies eine beeindruckende Geste.

„Warum glaubst du so einen Unsinn?“, wiederholte sie ihre Einschätzung.

„Man sollte keine Möglichkeit verwerfen, ehe man sie nicht überprüft hat.“

„Gut. Dann prüfen wir das sofort.“

Sie stapfte los und stieg die Stufen hinauf, die unter ihrem Gewicht ächzten.

„Halt, warte! Bist du sicher, dass das nicht gefährlich ist? Immerhin steht da ein Warnschild.“

Maria Thomas schnaubte nur unwillig und ging unbeirrt weiter, geradewegs auf die Tür zu. Maria Emilia eilte ihr in Trippelschritten besorgt hinterher.

Die Größere erreichte die Tür und rüttelte daran, ohne sie öffnen zu können. Irritiert sah sie sich um und entdeckte einen Klingelknopf neben dem Türrahmen. Fest entschlossen, die Angelegenheit zügig hinter sich zu bringen, läutetet sie.

Im selben Augenblick blies ein kräftiger Windstoß von unten, der ihr Kleid hinten hochhob und den Umstehenden einen Blick auf ihr athletisches Hinterteil und ihre einfache weiße Baumwollunterhose erlaubte. Mit wütend zusammengezogenen Augenbrauen drehte sie sich blitzartig um. Hätten ihre Blicke töten können, wären die beiden Jungs, die bewusst unauffällig in der Nähe herumlungerten und gewagt hatten zu lachen, auf der Stelle tot umgefallen.

Die Haustür knarrte filmreif und schwang schwerfällig auf. Eilig flitzte Maria Emilia hindurch, ehe auch ihr ein Missgeschick widerfahren konnte. Ihre Mitschwester stapfte hinterher.

Die beiden Nonnen wanderten durch die dunklen, einsamen Gänge des Spukhauses vorbei an Porträts, deren Augen ihnen scheinbar hinterherschielten. Dielen knarrten gespenstisch unter ihren Füßen, blecherne Rüstungen quietschten und fuhren mechanisch ihre Arme aus, als ob sie nach den Vorbeigehenden greifen wollten.

Maria Thomas prustete geringschätzig.

„Siehst du, es gibt keine Geister. Alles Fake.“

What's next?

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