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Chapter 9

Was erleben die Nonnen auf dem Rummel?

Maria Josepha bekommt Hilfe

Konsterniert sah Maria Josepha sich um. Weit und breit war nichts von ihren Mitschwestern zu sehen. Die signifikante schwarz-weiße Klosterkleidung müsste aus dem bunten Gewühl der Schausteller und Jahrmarktbesucher herausstechen wie Elstern aus einer Schar Kanarienvögel. Doch schienen die Nonnen wie vom Erdboden verschluckt.

Sie spürte ein sachtes Zupfen an ihrem Kleid und sah nach unten. Da stand das kleine Mädchen mit der Zuckerwatte und schaute sie mitfühlend an.

„Kannst du auch deine Mama und deinen Papa nicht mehr finden?“

Maria Josepha schluckte. Wie **** musste sie aussehen, wenn schon ein Kind Mitleid mit ihr hatte?

Da nahte Hilfe von unerwarteter Seite. Herr Trapp marschierte schnurstracks auf das ungleiche Paar zu und baute sich mit in die Seiten gestemmten Fäusten vor ihnen auf, als sei er ein zwei Meter großer Hüne.

„Ihr zwei seht nicht so aus, als würdet ihr euch amüsieren. Das kann ich als Betreiber dieses Jahrmarkts und nur eurem Wohl verpflichteter Gastgeber niemals zulassen. Also, was kann ich tun, damit ihr beiden Hübschen wieder fröhlich werdet?“

Die Novizen Meisterin wusste nicht, ob sie bei diesem Auftritt lachen oder **** sollte. Die Situation war so was von absurd, dass sie daran zu zweifeln begann, ob das hier alles real war oder einem grotesken Traum entsprang.

Das Mädchen hingegen nahm die Dinge so hin, wie sie waren, sah das Männchen, das kaum größer war, als sie selbst, hoffnungsvoll an und ergriff vertrauensselig seine Hand.

Maria Josepha gewann einen Teil ihrer Selbstsicherheit zurück und räusperte sich.

„Ähäm, es scheint, dass meine Mitschwestern und ich uns kurzzeitig aus den Augen verloren haben. Kein Grund zur Beunruhigung. Wir werden uns schon wieder zusammenfinden.“

„Ach, wenn es das ist, was euch beunruhigt, dann habe ich eine wundervolle Idee, wie ich euch wieder fröhlich machen kann. Wir haben auf dem Platz eine Lautsprecheranlage für Durchsagen. Behördliche Anordnung für den unwahrscheinlichen Eintritt eines Notfalls, ihr versteht. Nicht dass so etwas jemals vorkommen könnte“, ergänzte er augenzwinkernd, „jedenfalls ist es ein Leichtes für mich, eure Schwestern auf diese Weise wissen zu lassen, wann und wo sie sich einfinden sollen, damit ihr euch wieder findet. Sagt mir nur Zeit und Ort des Treffpunkts. Um alles andere werde ich mich gewissenhaft kümmern. Ihr könnt euch da voll und ganz auf mich verlassen.“

Er setzte sein gewinnendstes Lächeln auf und verstrahlte absolute Zuversicht.

Die Nonne, die ihn beinahe um das Doppelte überragte, kam sich mit einem Mal winzig und unbedeutend vor. Sie zwinkerte in rascher Folge. Aus einem unbekannten Grund fiel es ihr seltsam schwer, einen klaren Gedanken zu fassen. Daran war bestimmt die Hitze schuld. Das dunkle, schwere, hochgeschlossene Habit war bestimmt nicht dafür geschaffen, damit in der prallen Sonnenhitze zu stehen. Schweiß rann ihr an den Schläfen herab und den Rücken herunter. Erleichterung suchend hakte sie einen Finger in ihren engen Kragen und zog ihn ein wenig auf.

Herr Trapp bemerkte ihre Not. Dienstbeflissen zauberte er eine Getränkedose aus einer verborgenen Tasche seines Gewands. Sie glänzte verführerisch silbern und golden. Verheißungsvoll liefen Tropfen kondensierter Flüssigkeit an ihrer glatten Außenfläche herab und deuteten einen gekühlten Inhalt an. Die Ordensschwester schluckte unwillkürlich und fuhr sich mit der Zunge über die Lippen, die sich mit einem Mal trocken und spröde anfühlten.

„Ihr habt sicher Durst“, merkte Trapp an und hielt ihr die Dose hilfsbereit entgegen.

Dankbar nahm Maria Josepha das Geschenk an und öffnete es sofort. Mit vielversprechendem Zischen wehte eine kleine Dunstwolke heraus. Neugierig schnupperte sie daran.

„Was ist da drin?“

„Nur natürliche Zutaten, Obst, Kräuter. Zubereitet nach dem Geheimrezept meines Urgroßvaters, unter dem Siegel der Verschwiegenheit von Generation zu Generation weitergegeben.“

Trinkt sie?

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