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Chapter 13
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Maria Emilia begegnet einem Geist
Maria Emilia konnte ihre Augen nicht von der Szene hinter dem Spiegel lösen. Sofern es sich bei der Frau, die sie dort sah, um Maria Thomas handelte – was sie noch immer nicht glauben wollte, weil ihre Mitschwester sich ganz bestimmt nicht nackt zwischen Männern aufhalten würde – dann wäre diese Glasfläche eine Tür in den Nebenraum. Und dann könnte sie, Maria Emilia, das Zimmer auch ganz einfach verlassen. Tatsächlich gäbe es dann nicht nur einen einzigen Ausgang, sondern sogar viele.
Allerdings wollte sie keinesfalls in eine Folterkammer gehen. Bei dem Gedanken daran lief es ihr kalt den Rücken hinunter. Still redete sie sich ein, dass es sich selbstverständlich um keinen echten Kerker handelte. Sicherlich war es nur eine Kulisse, die der Karneval hier in diesem Spukhaus errichtet hatte, um die Besucher zu erschrecken, und die gruseligen Kapuzenmänner waren nur Schauspieler. Trotzdem, nein, nein, das wollte sie sich nicht näher anschauen. Tatsächlich bereute sie es schon, Maria Thomas in dieses Haus begleitet zu haben. Sie wollte schnellstens wieder hinaus.
Nun, welche Alternativen hätte sie? Was zeigten die anderen Spiegel? Sie drehte sich um und betrachtete die türgroßen, blinden Öffnungen an der gegenüberliegenden Wand. In einer der matten Glasflächen meinte sie, eine menschenähnliche Gestalt zu erkennen.
Ach, das war sicher nur ihr eigenes Spiegelbild, beruhigte sie sich. Um sich dessen zu vergewissern, ging sie auf die Reflektion zu. Wie erwartet, schien das Abbild ihr entgegenzukommen.
„Uh!?“
Maria Emilia stockte mitten in der Bewegung, als seien ihre Füße mit einem Mal am Boden festgefroren. Sie zitterte wie Espenlaub und spürte die Gänsehaut überall an ihrem Körper. Entgeistert starrte sie die Gestalt an, die aus dem Rahmen getreten war und nun vor ihr stand.
Vermutlich war es ein Mensch, wobei Maria Emilia da nicht ganz sicher war, da Menschen normalerweise nicht durchscheinend waren und von innen blau leuchteten. Zumindest nahm sie das an. Man sollte ja nie eine Möglichkeit von vornherein ausschließen, nicht wahr?
Das Gesicht der Person verschwamm immer wieder und veränderte sein Aussehen, als betrachte man es durch eine bewegte Wasseroberfläche. Die langen, weißen Haare wehten in einem unfühlbaren Wind. Am Leib trug die Figur einen halblangen, altertümlichen Gehrock, Kniebundhosen und Schuhe mit großen, rechteckigen Schnallen.
„Hallo Emilia!“, die Angesprochene fühlte die Worte mehr, als dass sie sie hörte, „Willkommen in meinem Haus. Ich freue mich sehr, dass du mir Gesellschaft leisten möchtest.“
„Äh?“
Maria Emilias Mund klappte auf und zu, wie bei einem Fisch auf dem Trockenen, ohne dass ein vernünftiger Ton herauskam.
„Wir sollten uns besser kennenlernen“, schlug die Gestalt vor, „denn wir werden ab jetzt viel Zeit miteinander verbringen. Man könnte fast sagen: Die Ewigkeit.“
Der Geist – der mutmaßliche Geist, korrigierte sie sich – streckte einladend eine Hand aus und machte einen Schritt nach vorne. Die pummelige Nonne kreischte. Hastig versuchte sie, rückwärts zu rennen, was erwartungsgemäß gründlich schief ging. Sie stolperte über ihre eigenen Füße und landete, Pardauz, unsanft auf ihrem Hinterteil.
„Was … was wollen Sie von mir?“
„Ach, nichts Besonderes. Aber alles der Reihe nach. Es wäre unhöflich, eine Dame auf dem Boden sitzen zu lassen. Helft ihr auf!“
Den letzten Satz hatte er an niemand speziellen gerichtet einfach in den Raum gesprochen.
Die Sitzende bemerkte aus den Augenwinkeln schwache blaue Lichter und Bewegungen. Besorgt schaute sie sich um und schlug sich vor Schreck die Hände vor den Mund. Entsetzt starrte sie auf sechs oder acht körperlose Hände, die aus dem Nichts entstanden waren und auf sie zu schwebten.
„Nein! Lasst mich! Fasst mich nicht an!“
Ihre Stimme überschlug sich. Die Hände ließen sich nicht beeindrucken, umtanzten sie und kamen immer näher. Dann griffen sie zu. Maria Emilia meinte, ihr Herz müsse stehen bleiben.
Die kräftigen Gliedmaßen hoben die kleine Nonne mit Leichtigkeit an und stellten sie auf ihre Füße. Danach zogen sie sich zurück.
„Oh. Ähm, danke. Denke ich.“
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Eine Fortsetzung der fantastischen Geschichte von dr_wankenstein
Updated on Mar 28, 2024
Created on Mar 1, 2024
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