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Chapter 9

Was erleben die Nonnen auf dem Rummel?

Maria Bruna greift ein

Maria Bruna ließ ihren Blick über das bunte Treiben und die vergnügte Menge streifen. Sie war eine recht tolerante und weltoffene Ordensschwester, die sich bewusst war, dass Menschen Freiheiten brauchten, um sich wohlzufühlen. Deshalb drückte sie gerne auch ein Auge zu, wenn sich jemand nicht strikt an Regeln hielt. Und ein bisschen Spaß und Frivolität war außerhalb der Klostermauern auch in Ordnung.

Was sie aber überhaupt nicht ertragen konnte, war, wenn jemand gedemütigt wurde. Und das, was sie in diesem Sinne in einer der Seitengassen entdeckte, trieb ihren Blutdruck nach oben. Entschlossen scherte sie aus der Reihe der hinter der Novizenmeisterin her trabenden Schwestern aus und marschierte mit langen Schritten auf die Wurfbude zu.

Eine Traube fideler Menschen, hauptsächlich junger Männer, wie die Nonne nicht überrascht feststellte, umlagerte einen Jahrmarktstand, an dem man für wenige Cent einige Schwämme erwerben konnte. Der Zweck bestand darin, diese Schwämme in bereitgestellte Wassereimer zu tauchen, bis sie triefend nass waren, und sie danach auf ein Ziel an der Rückwand der Bude zu werfen.

Eben war ein athletischer Bursche an der Reihe. Er hatte seine Ärmel bis zu den Ellbogen hochgekrempelt, damit sie nicht nass wurden. In jeder Hand hielt er einen tropfenden Schwamm. Mit einer schnellen Kopfbewegung schüttelte er seine verwuschelten schwarzen Haare aus der Stirn. Dann holte er weit aus.

Maria Bruna fiel ihm in den Arm.

„Einen Augenblick, junger Mann. Ich finde nicht gut, was sie vorhaben.“

Verdattert schaute der verhinderte Werfer die Frau in Ordenstracht an, die seinen Wurfarm festhielt und offenbar nicht verstand, was der Sinn dieser Attraktion war.

Das Ziel, das er aufs Korn genommen hatte, war eine Frau, deren oberes Körperdrittel in einem Loch steckte, das in die hölzerne Bretterwand gesägt worden war. Als Hilfestellung für die zahlenden Kunden war ringsum eine riesige Zielscheibe gemalt, deren Schwarzes gewissermaßen der Kopf der Frau war – wobei sie selbst nicht schwarz war. Nur ihre Haare waren schwarz und hingen in Strähnen herab, was darauf hindeutete, dass sie schon einige Zeit an diesem Fleck verbracht hatte und während dieser Zeit nicht wenige Jahrmarktbesucher ihre Zielsicherheit mit den Schwämmen bewiesen hatten.

Außer ihrem Kopf ragten noch ihre Schultern aus der Wand sowie die vordere Partie ihres Oberkörpers. Letzteres war für die vornehmlich männlichen Zuschauer besonders reizvoll, da die Kleidung der durchaus hübschen jungen Frau – wenn man von ihrer vollkommen ruinierten Frisur absah – aus einer Bluse mit weitem, sehr weitem Ausschnitt bestand. Und sonst, soweit man sehen konnte, nichts.

Selbstverständlich konnte man nicht sehen, ob sie einen Rock, eine Hose, Strümpfe, Schuhe oder sonst etwas in dieser Hinsicht trug. Denn sie steckte ja in der Wand. Und da die Wand undurchsichtig war, konnte man in keiner Weise wissen, wie sie unterhalb ihres Bauchnabels aussah.

Anhand ihres sehr weiten Ausschnitts erkannte man unschwer, dass sie in Hinsicht weiblicher Attribute vom lieben Gott sehr großzügig bedacht worden war. Und der durchweichte Baumwollstoff ihrer Bluse, der eng an ihrer Haut klebte, ließ keinen Zweifel daran aufkommen, dass sie in Hinsicht Unterwäsche heute eventuell etwas nachlässig unterwegs war. Zumindest zeichnete sich unter dem dünnen, beinahe durchsichtigen Stoff kein weiteres Kleidungsstück ab.

Was sich hingegen abzeichnete, waren zwei deutliche Hinweise darauf, dass die Arme trotz der warmen Außentemperatur doch ein wenig fror. Zwei außergewöhnlich deutliche, überraschend große Hinweise, worauf die zahlreichen umstehenden jungen Männer nicht müde wurden, sich gegenseitig hinzuweisen.

Noch immer schaute der Kerl mit den beiden tropfenden Schwämmen verdutzt auf die schwarzgekleidete Nonne, die nicht den Eindruck erweckte, ihn allzu bald wieder loszulassen. Er fühlte sich um seinen Erfolg betrogen. Hatte er doch mit seinen Freunden gewettet, dass er mindestens eines der schweren, nassen Wurfgeschosse in das ausladende Dekolletee der Zielperson platzieren könnte, damit dessen Gewicht den nur durch ein dünnes Bändchen gehaltenen Saum der Bluse nach unten ziehen würde.

Maria Bruna funkelte ihn aus dunklen Augen an und schüttelte entschieden den Kopf.

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