Chapter 10
What's next?
Maria Bruna befreit die arme Frau
Eingeschüchtert von Maria Brunas strengem Auftreten ließ der junge Mann die zwei triefenden Schwämme langsam wieder in die Eimer gleiten und zog sich rückwärts zurück.
„Aber, aber, ehrwürdige Schwester, der Jahrmarkt ist ein Ort des Vergnügens, der Erholung und der Lebensfreude. Da sollte man gutgelaunten Besuchern nicht einen harmlosen Spaß verderben.“
Überrascht schaute Maria Bruna zur Seite, von wo die Stimme gekommen war. Und sah … nichts. Verwirrt senkte sie den Blick zu Boden und entdeckte einen zwergenhaften Mann in einem farbenfrohen, dreiteiligen Anzug. Was ihm an Körpergröße fehlte, machte er durch die Höhe seines Zylinderhuts wett. Verschmitzt zwinkerte er ihr von unten zu. Die Ordensschwester war aber viel zu aufgebracht, um sich von ihm beschwichtigen zu lassen.
„Sind Sie für diese demütigende Zurschaustellung einer unschuldigen jungen Frau verantwortlich?“
„Ja, das könnte man so sagen. Mein Name ist Trapp, zu euren Diensten. Meines Zeichens Besitzer und Leiter dieser bescheidenen Vergnügungsstätte.“
„Sehr gut, Herr Trapp. Dann bitte ich Sie mit Nachdruck darum, diese arme Person umgehend aus ihrer beschämenden Lage zu befreien.“
„Ach! Leider kann ich Ihrem Wunsch nicht in vollem Umfang Folge leisten, so gerne ich es auch täte. Bin ich doch vertraglich verpflichtet, alle Attraktionen während der Öffnungszeiten des Karnevals zugänglich und in Betrieb zu halten. Ihr seht, mir sind hier sozusagen die Hände gebunden.“
Maria Bruna knirschte mit den Zähnen. Verträge müssen eingehalten werden, das sah sie ein. Andernfalls würde die zivilisierte Welt ins Chaos stürzen.
„Kann man da wirklich nichts machen?“
„Zu meinem größten Bedauern, leider nein“, er schüttelte theatralisch den Kopf. Doch dann hellte sich seine Miene auf, „wobei … vielleicht … ach, nein … das wäre kaum angemessen.“
„Aber sagen Sie es doch bitte, wenn es eine Möglichkeit gibt!“
Trapp legte die Fingerspitzen seiner beiden Hände aneinander und blickte unschuldig drein.
„Selbstverständlich kann ich die nette Dame, die, wie man sieht, schon etliche nasse Schwämme abbekommen hat, von ihrer Aufgabe entbinden, ohne die Wurfbude schließen zu müssen, falls sich jemand fände, der ihren Platz einnimmt.“
„Ja, sehr gut! Dann tun Sie das bitte.“
„Nun, das ist leichter gesagt als getan. Zu meiner unsäglichen Schande muss ich gestehen, dass wir keine Zweitbesetzung für diese wichtige Rolle vorgesehen haben. Und woher sollen wir auf die Schnelle einen Ersatz finden, der an ihre Stelle tritt? Womöglich sogar freiwillig?“
„Herr Trapp, das ist überhaupt kein Problem. Natürlich werde ich mich zur Verfügung stellen, um das bemitleidenswerte Geschöpft aus seiner misslichen Lage zu befreien. Das gebietet mir mein Glaube und die Nächstenliebe.“
„Oh! Das würdet Ihr wahrhaftig tun? Welch großzügiges Angebot.“
Kaum drei Minuten später fragte sich Maria Bruna, wie es hatte geschehen können, dass sie mit Kopf und Oberkörper in einem Loch in der hölzernen Rückwand steckte. Es war so eng, dass ihre Arme fest gegen ihre Seiten gepresst wurden und sie sich kaum noch rühren konnte. Irgendwie wurde sie das Gefühl nicht los, dass sie in eine bewusst gestellte Falle getappt wäre.
What's next?
Das Nackte kommt auf leisen Sohlen
ENF-Unfug auf einem bösen Rummelplatz
Eine Fortsetzung der fantastischen Geschichte von dr_wankenstein
Updated on Mar 28, 2024
Created on Mar 1, 2024
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