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Chapter 10

What's next?

Maria Andrea will raus

Maria Andrea wanderte langsam und gemessen tiefer in das Labyrinth. Immer wieder griff ihre Hand, mit der sie Kontakt zur Wand rechts von ihr hielt, ins Leere und sie musste umgreifen. Dies war ja grundsätzlich kein Problem. Man musste sich nur strikt an die Regeln halten und konsequent vorgehen, um einen Irrgarten sicher zu durchqueren. Dann konnte nichts passieren.

Allerdings musste sie zugeben, dass sie doch zusehends ein wenig verwirrt war. Wenn sie versuchte, die Wege und Abzweigungen, die sie passiert hatte, im Kopf nachzuvollziehen, dann hätte sie das Gebäude längst verlassen haben müssen. So ausgedehnt hatte der blau gestrichene Holzbau von außen gar nicht ausgesehen. Doch war dies nur ein Beweis für das Geschick und die Kunstfertigkeit der Jahrmarktsleute, die sich diese Attraktion ausgedacht und errichtet hatten. Kein Grund zur Sorge also. Maria Andrea nahm sich vor, den Betreibern für ihr Werk zu gratulieren, wenn sie den Ausgang erreicht hatte. Was nicht mehr lange dauern konnte, nicht wahr?

Mit einem Mal kam ihr jemand entgegen. Es war ein junger Mann mit modischem Kurzhaarschnitt, in T-Shirt, Jeans und Sneakers. Er blieb eine Armlänge vor ihr stehen und lächelte. Allerdings erreichte das Lächeln nicht seine Augen, die stattdessen die Nonne von Kopf bis Fuß gründlich musterten. Diese aufdringliche Begutachtung schien ihr ein wenig unangemessen und zunehmend auch bedrohlich.

„Was wollen Sie von mir?“

Mehrere Herzschläge lang wartete sie vergeblich auf eine Antwort. Auch zeigte ihr Gegenüber keine Anzeichen, dass er sie überhaupt gehört hatte. Da dämmerte ihr, dass es sich um eine Spiegelung von irgendwo anders aus dem Kabinett handeln musste. Zaghaft streckte sie eine Hand aus und tatsächlich berührte sie kaltes Glas. Aber das Bild war so realistisch!

Und zudem schien der Bursche umgekehrt auch sie genau sehen zu können. Huh, das war nun doch ein kleines bisschen unheimlich. Ihr lief eine Gänsehaut über den Rücken und sie entschied, das Labyrinth auf dem schnellsten Weg zu verlassen.

Sie sah sich um. Ah, dort! Sie konnte den Ausgang schon sehen. Entschlossen lief sie los.

Ponk. Autsch!

Die Ordensschwester taumelte zurück und hielt sich die Stirn, die sie schmerzhaft angestoßen hatte. Ah, sie hätte es wissen und beachten müssen. Selbstverständlich würde es keinen geraden Weg zur Tür geben, sondern die Spiegel hatten ihr nur etwas vorgegaukelt.

„Du Dummchen“, schalt sie sich selbst, „beachte die Regel und gehe vorsichtig. Das ist das Sicherste.“

Mit den Fingerspitzen an der rechten Wand schob sie bedächtig Fuß vor Fuß. Die Wand machte einen Knick und Maria Andrea änderte die Richtung. Sie machte ein paar Trippelschritte. Wieder ein Knick, Richtungsänderung. Schritte, Knick, Richtungsänderung. Schritte, Knick, Richtungsänderung. Immer wieder.

Das war seltsam. Wo war der Durchgang? Sie konnte doch nicht eingeschlossen sein. Auf irgendeinem Pfad musste sie hierher gelangt sein.

Sie streckte nun beide Arme lang aus. Und tatsächlich konnte sie gerade so eben auf beiden Seiten die verspiegelten Wände mit den Fingerspitzen berühren.

Achtsam drehte sie sich um die eigene Achse. Nie verlor sie ringsum den Kontakt zum Glas. Aber das war nicht möglich! Panik ergriff sie bei der Vorstellung, eingeschlossen zu sein. Wahllos hämmerte sie mit den Fäusten auf einen der Spiegel ein.

„Ich will hier raus!“

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