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Chapter 9

Was erleben die Nonnen auf dem Rummel?

Maria Andrea geht ins Spiegelkabinett

Maria Andrea entdeckte den Wegweiser zum Spiegellabyrinth. Begeistert klatschte sie in die Hände. Schon als Kind hatte sie es geliebt, in Labyrinthen zu spielen. Es gab ihr das Gefühl, sich in ein Märchenreich zu begeben und sich dort zu verlieren.

Natürlich konnte sich niemand, der bei klarem Verstand war, in einem Labyrinth wirklich verirren. Die Regeln, wie man den Ausgang finden konnte, waren ganz einfach. Auch wenn man keinen Faden der Ariadne bei sich trug. Nur die rechte Hand an die Wand legen und immer weitergehen.

Über dem Eingang zu einem leuchtend blau gestrichenen Holzbau war in großen Lettern „Das Kabinett des Doktor Trapp“ angeschrieben. Davor stand der kleinwüchsige Mann im farbenfrohen dreiteiligen Anzug und dem hohen Zylinderhut auf dem Kopf auf einem Podest, damit er über die Passanten hinweg schauen konnte.

Wie war er so schnell vom Eingangsportal hierhergekommen? Ach, das spielte eigentlich gar keine Rolle. Vermutlich kannte er eine Abkürzung. Oder er hatte einen Doppelgänger und machte sich einen Spaß daraus, die Gäste zu verwirren, indem er scheinbar zur gleichen Zeit an verschiedenen Orten auftauchen konnte.

Kaum hatte er Maria Andrea in der Menge entdeckt, lachte er lauthals und winkte sie einladend zu sich.

„Welche Freude und welche Ehre! Kommen Sie, kommen Sie herein! Das Spiegelkabinett des Doktor Trapp erwartet Sie. Freier Eintritt exklusiv für Sie!“

Er verbeugte sich so tief, dass ihm beinahe der Hut vom Kopf fiel und er hastig danach greifen musste, um ihn zu sichern. Lächelnd spazierte die Nonne an ihm vorbei, voller Vorfreude auf das spaßige Abenteuer.

Kaum hatte sie die Tür durchschritten, die hinter ihr mit einem leisen Klick ins Schloss fiel, fühlte sie sich, als habe sie eine andere Welt betreten.

Sorge, sich zu verirren, hatte sie keine. Schließlich wusste sie, wie solche Einrichtungen aufgebaut waren: Im Gegensatz zu einfachen Irrgärten versucht ein Spiegellabyrinth die Besucher dadurch in die Irre zu führen, dass es Wege zu geben scheint, die gar nicht existieren. Hingegen ist der Grundriss dieser Anlagen vergleichsweise einfach, ihre Grundfläche eher gering. Großflächige Spiegel täuschen durch geschickte Anordnung unendliche Korridore vor und stellen gleichzeitig Sperren dar, die ein einfaches Durchschreiten verhindern. Die Spiegel stehen meist in einem regelmäßigen Winkel zueinander, wodurch sich die Spiegelungen multiplizieren und verwirrende Illusionen erzeugen. Säulen, angedeutete Gewölbedecken und Lampen, die kaleidoskopartig vervielfacht erscheinen, verstärken den falschen Eindruck, dass man sich in einem riesigen labyrinthischen Gebäude befände.

Maria Andrea widerstand der kindischen Versuchung, einfach drauflos zu laufen, um sich der Illusion des Labyrinths zu ergeben. Nein, sie war jetzt eine Nonne, eine Repräsentantin des Klosters und musste eine gewisse Würde wahren.

Entschlossen, sich an die Regeln zu halten und das Labyrinth mit Ruhe und klarem Verstand zu durchschreiten, streckte sie die rechte Hand aus.

Ups, sie griff ins Leere. Aha, dann war dort ein Durchgang, den sie mit bloßen Augen nicht erkannte. Sie grinste spitzbübisch. Vielleicht wäre diese Jahrmarktsattraktion doch ausgeklügelter und geschickter aufgebaut, als sie gedacht hatte. Eine interessante Herausforderung. Entschlossen wandte sie sich nach rechts und machte den ersten Schritt.

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