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Chapter 39
by
kleinehexe
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Mahnende Worte
Ein letztes Mal atmete sie tief durch und setzte sich, motiviert bis in die Haarspitzen, in Bewegung. Sie war wild entschlossen, jetzt bei ihrem Chef Punkte zu sammeln. Die Kolumne, mit der er sie beauftragt hatte, war schließlich die Gelegenheit für sie, sich zu beweisen.
Vor der Milchglasscheibe seines Büros blieb sie stehen und strich sich noch eine widerspenstige Haarsträhne aus dem Gesicht. In froher Erwartung klopfte sie an die Tür und war glücklich, sofort von seinem fast schon barschen „Herein!“ begrüßt zu werden.
Als sie die Bürotür öffnete und das Zimmer betrat, sah ihr Chef kurz von seinen Unterlagen auf und nickte ihr kurz zu. „Setzen Sie sich, Frau Feldmann“, war seine erste und vorerst einzige Reaktion auf ihr Erscheinen, während er sich wieder dem Bildschirm auf seinem Schreibtisch widmete.
Sie setzte sich, ihre Hände lagen auf dem Notizblock, den sie reflexartig bereitgehalten hatte, während sein konzentrierter Blick nicht vom Bildschirm wich. Schweigend wartete sie auf eine Reaktion von ihm und versuchte unauffällig, seine Stimmung in seiner Mimik zu lesen. Las er gerade ihren Artikel und hatte sie da gerade ein Zucken in seinen Mundwinkeln oder gar ein wohlwollendes Lächeln gesehen? Zerrissen zwischen Neugier und Anspannung harrte sie in der Stille, welche wie eine unsichtbare Grenze zwischen ihnen lag.
Endlich lehnte er sich immer noch schweigend zurück und verschränkte die Arme vor der Brust, während er sie ansah. „Ich habe Ihren Text gelesen“, sagte er ruhig. Zu ruhig für sie. Ein Moment verging, dann nickte er wohlwollend. „Ich sage das nicht oft: Das ist gut. Sehr gut sogar.“
Sie konnte spüren, wie sich ihre Anspannung einen Spalt breit löste. Lob von ihm war selten, fast schon kostbar. Noch während sie den Mund öffnete, um etwas zu sagen, hob er nur kurz die Hand.
„Genau so hatte ich es mir vorgestellt. Der Einstieg ist stark, man merkt sofort, dass die Informationen fundiert sind, aber ohne ins Frivole abzugleiten oder Partei zu ergreifen. Von dem Bericht über das Gebäude haben Sie gut die Brücke geschlagen zum eigentlichen Thema und die Fortsetzung offen gelassen. Genauso sollte die Kolumne sein. Das zieht den Leser direkt hinein und macht Lust auf mehr.“
Während er sprach, erwischte sie sich dabei, dass sie ihn zum ersten Mal wirklich genauer betrachtete. Nicht als ihren Chefredakteur hinter einem Schreibtisch, sondern als Mann. Die grauen Strähnen ließen ihn zwar älter wirken, als er vermutlich war, doch sie standen ihm und machten ihn noch interessanter. Sein Hemd saß locker, die Ärmel lässig hochgekrempelt. Natürlich hätte er auch ihr Vater sein können und mit Sicherheit lag er nicht in ihrem normalen Beuteschema. Dennoch haftete ihm etwas Unaufdringlich-Anziehendes an. Vielleicht war es diese Mischung aus Autorität und ehrlicher Aufmerksamkeit, die sie gerade traf.
„Und genau dieses „mehr“ ist aber auch der springende Punkt!“
Schlagartig riss sie sich bei seiner Frage aus ihren Gedanken und versuchte, ihre Konzentration wieder zu bündeln.
„Na, Sie sagten ja zu mir, ich sollte darin das ganze Spektrum vom Milieu betrachten. Da gibt es ja so einiges“, antwortet sie und überlegt, worauf er eigentlich hinauswollte.
Er lehnte sich aus dem Stuhl nach vorn und musterte sie genauer, nicht prüfend, sondern nachdenklich. „Caroline, die Frage ist doch: Wie stellen Sie sich das weiter vor?“ Sein Blick, der fast schon etwas fürsorgliches hatte, blieb an ihr hängen.
„Ein Wochenende hinter der Theke ist ja das eine. Aber wie weit wollen Sie da noch reingehen? Das ist kein Spielplatz. Wenn jemand merkt, wer Sie wirklich sind und dass Sie dort recherchieren, könnte das unangenehm werden.“
Wenn er auch beim formellen Sie geblieben war, überrumpelte sie sein Wechsel von Frau Feldmann zu Caroline. Auch der leise Unterton von Sorge, welcher in seinen Worten mitschwang und den sie so von ihm nicht kannte, überraschte sie. Caroline schluckte und ihr Herz klopfte schneller. Auch die Erlebnisse von Sonntagnacht schossen ihr wieder durch den Kopf.
„Ich… ich will, dass die Geschichte real ist und dass die Leser spüren, wie die Dinge sind, von denen ich berichte. Aber Sie brauchen sich keine Sorgen zu machen. Ich habe da auch eine Grenze für mich gezogen, wie weit ich bereit bin zu gehen. Und es gibt ja noch andere Dinge bei dem Thema, welche außerhalb des Clubs liegen.“ Lächelnd versuchte sie, ihre Unsicherheit zu überspielen. Alles, was sie sich vorher für das Gespräch zurechtgelegt hatte, war von seinen Worten über den Haufen geworfen worden.
„So, was denn da?“ bohrte er nach.
„Na, ich hab mich da schon mal umgesehen im Netz. Unter anderem habe ich eine Agentur für Camgirls angeschrieben und auch zwei Dominastudios. Das Spektrum ist halt wirklich sehr breit.“
Sein Zucken, als sie die Dominas erwähnte, entging ihr nicht und urplötzlich hatte sie das Gefühl, die Oberhand in ihrem Gespräch gewonnen zu haben. Nachdenklich sah er sie an. Es kam ihr vor, als würde er die Dinge abwägen, während er schwieg.
„Also gut. Aber Sie haben die Grenze zwischen Recherche und persönlichem Risiko im Blick. Die darf nicht verschwimmen!“
„Natürlich“, bestätigte sie seinen Rat. Sie wusste, dass er recht hatte. Doch gleichzeitig brannte in ihr diese Mischung aus Neugier und Trotz. Aber sie wusste auch, dass sie einen Weg finden musste, ihre Kolumne voranzubringen, ohne sich selbst dabei zu verlieren.
„Prima, dann sind wir uns ja einig. Nur ein Problem haben wir dann noch.“
„Noch ein Problem?“, fragte sie vorsichtig nach und war gespannt, mit was er jetzt noch um die Ecke kommen würde.
„Leider werden wir Ihren Namen nicht unter den Artikel schreiben können. Damit werden Sie wohl oder übel leben müssen“, gab er ihr wohlwollend lächelnd zurück. Wortlos stand er auf und sie wusste instinktiv, dass die Besprechung jetzt und hier beendet war. Nur kurz nickte sie ihm beim Aufstehen zu und machte sich auf, zu gehen. Erst als sie die Tür hinter sich schloss, atmete sie tief durch.
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Von den Abenteuern einer ehrgeizigen Reporterin - Wie weit ist sie bereit zu gehen?
Von den Abenteuern einer ehrgeizigen Reporterin - Wie weit ist sie bereit zu gehen? Storyupdate 15.02.2026 -> jetzt Public
Updated on Apr 15, 2026
by Papas_Liebling
Created on Aug 3, 2023
by kleinehexe
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