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Chapter 40
by
kleinehexe
What's next?
Und jetzt?
Die Tür fiel leiser hinter ihr ins Schloss, als sie erwartet hatte. Für einen Moment blieb Caroline einfach stehen, den Notizblock noch in der Hand, als müsste sie sich vergewissern, dass das Gespräch tatsächlich vorbei war. Dann erst setzte sie sich langsam wieder in Bewegung, den Gang entlang zu ihrem Platz.
Ein Lächeln schlich sich unaufgefordert in ihr Gesicht, während sie sich triumphierend in dem fast leeren Großraumbüro umsah. "Sehr gut sogar" hatte er gesagt. Er! Seine Worte hallten noch in ihr nach, warm und schwer zugleich. Lob von ihm war nichts Alltägliches, und sie merkte innerlich, wie sehr sie es auch gebraucht hatte.
Sie ließ sich auf ihren Stuhl sinken und starrte einen Moment lang auf den Bildschirm, ohne ihn wirklich wahrzunehmen. In ihr breitete sich dieses seltene Gefühl aus, das sie sonst nur nach besonders gelungenen Texten kannte. Diese innere Zufriedenheit, dieses leise Frohlocken, das sagte, dass sie es richtig gemacht hatte. Aber dennoch nagte etwas in ihr daran. Es war diese Art, wie er sie sorgenvoll angesehen hatte.
Sie hatte diesen Blick von ihm noch nie gesehen. Nichts darin war wie sonst belehrend oder bestimmend gewesen. Es war einfach nur die reine Sorge um sie und dies irritiert sie. Bisher war sie davon ausgegangen, dass er das Milieu doch nur aus Akten und Berichten aus dem sicheren Abstand seines Schreibtisches kannte. Klar wusste sie, dass sich einiges bei der Thematik am Rande der Legalität bewegte. Aber warum diese Warnung? Sie war schließlich kein kleines Mädchen mehr, also warum dieses Bedürfnis, sie zu bremsen?
Sie drehte ****, aber routiniert den Bleistift zwischen den Fingern.
„Grenzen“, hatte er gesagt. „Die dürfen nicht verschwimmen.“
Caroline lehnte sich zurück und ließ den Blick durch die Redaktion schweifen. Das Tippen der wenigen anwesenden Kollegen, das leise Summen der Kaffeemaschine, das vertraute Chaos aus Papierstapeln und Bildschirmen. All dies wirkte plötzlich seltsam und weit weg. Als stünde sie bereits mit einem Fuß in einer anderen Welt, ohne genau zu wissen, wo diese begann.
Wie sollte sie jetzt weitermachen?
Langsam versickerte sein Lob in ihr und hinterließ eine gähnende Leere. Auch wenn es ihr im ersten Moment so gutgetan hatte, wurde ihr mehr und mehr klar, was es auch bedeutete. Sein Lob bedeutete Erwartungen und Erwartungen bedeuteten den Druck zu liefern.
Sie dachte an all die Seiten mit Berichten und Dokumentationen, die sie in den letzten Tagen im Netz gelesen hatte. An all die Namen, Adressen und Nummern, welche sie sich notiert hatte, von Agenturen für alles Mögliche bis hin zu Beratungsstellen. Aber all dies war am Ende nur blanke Theorie ohne Tiefe und verdammt weit weg. Auch war ihr momentan der Weg zurück in den Club verbaut, wobei sie wusste, dass sie dort auch nur an der Oberfläche gekratzt hatte. Innerlich gestand sie sich ein, dass sie eigentlich im falschen Teil des Clubs gearbeitet hatte. Sie hatte nur gesehen, was sowieso jeder sehen konnte, aber nicht wirklich das, was sie eigentlich wollte.
Nachdenklich kaute sie auf dem Ende ihres Bleistifts herum und starrte durchs Fenster. Sie fragte sich, ob sie bereits alles getan hatte, um weiter voranzukommen. Unwillkürlich wanderte ihre Hand zu dem Notizblock und schlug ihn auf. Sie blätterte in den Seiten und las die Stichworte und Notizen dazu, welche sie sich in den letzten Tagen gemacht hatte.
... Camgirls ... Domina-Studio ... Pornoproduktion ... Strip-Club ... Escort-Service ... Hobby-Huren ...
Alles Teile eines Spektrums, welches, wenn man sich damit erst einmal auseinandersetzte, immer größer wurde, aber jedes für sich dennoch in seinen Facetten weit voneinander entfernt war. Hoffnungsvoll öffnete sie ihren E-Mail-Account um nachzusehen, ob auf ihre zahlreichen Anfragen schon jemand geantwortet hatte und der Blick auf die Seite des Posteingangs war mehr als ernüchternd.
Zwangsläufig fragte sie sich, ob überhaupt jemand dazu bereit wäre, mit ihr über diese Themen zu sprechen, welche doch abseits des offiziellen Mainstreams gesellschaftlicher Moralvorstellungen lagen. Und wäre sie denn überhaupt in der Lage, falls es dann wirklich so weit wäre, überhaupt die richtigen Fragen zu stellen, ohne sich lächerlich zu machen oder sofort gegen eine Wand zu laufen?
Nachdenklich las sie die Worte in ihren Notizen und überlegte, was sie noch tun könnte. Immer mehr wurde ihr klar, dass sie nicht einfach nur warten konnte. Warten darauf, dass vielleicht doch irgendjemand aus dem Dunkel ans Licht tritt und aus reiner Nettigkeit auf sie zukommen würde. Wenn sie in dieser Kolumne wirklich vorwärtskommen wollte, würde sie selbst aktiv werden müssen.
„Grenzen dürfen nicht verschwimmen.“ schoss es ihr wieder durch den Kopf. Aber was waren eigentlich die Grenzen und wer definierte diese?
Unwillkürlich dachte sie an den Club. Dort hatte sie wenigstens, wenn auch nur kurz, schon einmal den Fuß in der Tür gehabt. Hinter der Theke war sie, wenn auch nur am Rand, ein kleiner Teil des Systems gewesen. Sie fragte sich, ob Felix sich vielleicht diese Woche noch melden würde und sie so wieder hineinkommen könnte. Oder sollte sie ihn vielleicht anrufen? Sofort kam ihr Ginas Warnung wieder in den Sinn, dass er versuchen würde, dies auszunutzen. Oder wäre es besser, gleich auf Frank, den Chef des anderen Clubs zugehen? Wie würde er wohl reagieren und ihr gar anbieten?
Das Klingeln ihres Telefons riss sie aus den Gedanken. Sie erkannte die Nummer des Sekretariats hier im Haus und ging ran.
...
„Ja, ich notiere.“
...
„... Sparkasse ... Postplatz ...“
...
„ ... größerer Polizeieinsatz ... ok ... bin unterwegs. Danke!“
Damit hatte sie nicht gerechnet. Wenn die Informationen auch nur spärlich waren, wusste sie, dass jetzt im Stadtzentrum endlich mal was los war. Eilig kramte sie ihre Sachen zusammen und stopfte sie in ihre Handtasche. Bis zum Postplatz waren es mit Sicherheit keine 5 Minuten zu Fuß und das durfte sie sich auf keinen Fall entgehen lassen.
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Updated on Apr 15, 2026
by Papas_Liebling
Created on Aug 3, 2023
by kleinehexe
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