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Chapter 41
by
kleinehexe
What's next?
Warum denn ausgerechnet sie?
Ihr Weg zum Postplatz zog sich mehr, als sie erwartet hatte. Auch wenn die Sonne jetzt am Vormittag noch nicht besonders hoch stand, war es schon wieder unerträglich warm. Sie war eingetaucht in das Gewühl der Altstadt und kämpfte sich zwischen anderen Passanten hindurch. Anders als in den klimatisierten Räumen der Redaktion stand hier die Luft. Schon nach der ersten Kreuzung spürte sie, wie ihr der Schweiß zwischen den Schulterblättern hinunterlief. Es war viel zu warm, um mit solch eiligem Schritt durch die Straße zu hetzen.
Als sie den Postplatz endlich erreichte, war sie erstaunt über den spontanen Auflauf an Menschen. Unzählige Zaungäste stauten sich an den provisorisch errichteten Absperrungen der Polizei. Nachdem sie sich endlich durch die Schar der Gaffer gewühlt hatte, stoppt sie kurz das Absperrband der Polizei. Routiniert machte sie einige Bilder vom Schauplatz mit ihrem Smartphone in der Voraussicht, diese später noch zu verwenden.
Was auch immer hier passiert war, es musste fern des ruhigen Alltags der Kleinstadt sein. Sie konnte noch sehen, wie die Beamten des SEK gerade abrückten. Mit ihrem martialischen Auftreten in ihren Monturen und den Waffen wirkten sie wie Fremdkörper zwischen historischem Altbau und Straßenpflaster. Auch sie hielt sie im Bild fest und frohlockte innerlich bereits über die Story, die sich vor ihr auftat. Vielleicht könnte sie es damit sogar mal wieder auf die Titelseite schaffen.
Zum Glück reichten ein Lächeln und ein kurzes Winken mit ihrem Presseausweis, um die erste Absperrung für sie zu öffnen. Heraus aus dem Gedränge der Meute wurde es entspannter. Luftiger. Aber auch ernsthafter. Zielsicher ging sie langsam, aber bestimmt auf die Sparkassenfiliale zu, deren Eingang zwei weitere Beamte blockierten. Sie wusste aus früheren Berichten, dass dort für sie vorerst einmal Schluss wäre. Andererseits hatte sie aber auch gelernt, dass etwas Geduld sich meistens auszahlte und mit einem, wenn auch nur kurzem Statement belohnt wurde.
Sie zeigte einem der beiden kurz ihren Ausweis und versuchte, ihn in ein zwangloses Gespräch zu verwickeln. Schon nach wenigen Sätzen war ihr aber klar, dass dieser Eisblock sich von ihrem Charme nicht beeindrucken und erweichen ließ. Wie einstudiert watschte er ihre scheinbar zufälligen, oberflächlichen Fragen höflich, aber direkt ab. Auch wenn sie einerseits freudig feststellte, dass keiner ihrer Kollegen aus der Redaktion aufgetaucht war, blieb ihr trotzdem nichts anderes übrig, als zu warten. Irgendwann würde es schon jemanden geben, der mit ihr reden würde. Erwartungsvoll starrte sie in den Eingang der Filiale. Was auch immer hier passiert war, es würde ihre Story werden und keiner war da, ihr die Beute streitig zu machen.
Ihr Puls fuhr sofort hoch, als sie sah, wie sich endlich zwischen den ein- und ausgehenden Uniformierten auch zwei Personen in Zivil dem Ausgang näherten. Waren die von der Kripo? Bei dem Auflauf hier mussten die doch zwangsläufig vor Ort sein. Der Mann und die Frau traten miteinander diskutierend aus dem Dunkel des Eingangs ans Tageslicht.
„Oh Shit!“, schoss es ihr sofort durch den Kopf, als sie sie erkannte. Sie spürte, wie sich ihr Magen zusammenzog.
„Nein“, dachte sie. „Bitte nicht. Warum denn ausgerechnet sie?“
Nur wenige Tage war es her, dass ihr die Kommissarin im Club Fragen gestellt hatte. Karin Fiedler. Sie erinnerte sich noch genau daran, wie sie schon an diesem Abend gefragt hatte, ob und woher sie sich kennen. Auch wenn sie sich im Laufe der Zeit schon einige Male über den Weg gelaufen waren, hatte sie an dem Abend Glück gehabt. Vielleicht hatte es an ihrem Outfit gelegen, am spärlichen Licht oder einfach nur an dem Ort, an dem sie sie nicht vermutet hätte.
Die Beamtin runzelte leicht die Stirn, als sich ihre Blicke trafen und musterte sie einen Augenblick länger, als es eigentlich nötig gewesen wäre. Caroline **** sich, ihrem Blick standzuhalten und nicht auszuweichen. Wegsehen in diesem Moment wäre ein Eingeständnis gewesen. Stattdessen trat sie einen Schritt näher und hob ihren Presseausweis.
„Tageszeitung“, sagte sie ruhig, auch wenn ihr Herz deutlich schneller schlug. „Könnten Sie mir bitte sagen, was hier passiert ist?“
Nur für den Bruchteil einer Sekunde meinte sie, ein Zögern zu sehen. Es war ein kaum merkliches Innehalten. Trotzdem nickte die Kommissarin knapp, wobei in ihrem Blick noch immer sichtbare Fragen lagen. Carolina konnte es ihr regelrecht ansehen, wie es hinter der Stirn arbeitete. Sie griff zu ihrem Notizblock und notierte sich eilig die Fakten zu dem bewaffneten Raubüberfall, bei dem zum Glück niemand verletzt worden war. Freundlich und professionell beantwortete die Kommissarin ihre Fragen zu den flüchtigen Tätern, wobei sie aus ermittlungstaktischen Gründen das meiste offenließ. Dennoch spürte sie, wie ihr fragender Blick die permanent an ihr hing.
„Sagen Sie, waren Sie nicht …“, fragte sie plötzlich dazwischen, aber führte den Satz nicht fort. Auch wenn nichts Bedrohliches in ihren Worten lag, keine Anschuldigung, mehr nur eine Vermutung oder Ahnung, wurde es Caroline mulmig.
„Ruhig“ dachte sie sich, „Sie, weiß nichts!“
Mit ebenfalls fragendem Blick schüttelte Caroline lächelnd leicht den Kopf und versuchte, sich aus der Situation zu schauspielern. „Ich berichte nur für die lokale Tageszeitung? Vielen Dank.“
Die Kommissarin sah sie einen Moment lang an, als würde sie innerlich etwas abgleichen. Caroline konnte ihren fragenden, stechenden Blick spüren, mit dem sie immer bohrte und sie checkte, während sie sich wegdrehte.
Um einen ruhigen und sicheren Gang bemüht, lief sie langsam auf die Absperrungen zu, welche immer noch von den zahlreichen Beamten gesichert wurden. Sie wollte einfach nur noch weg hier. Weg von der Kommissarin, deren Blick sie immer noch in ihrem Rücken zu spüren glaubte.
Sie traute sich nicht, sich umzusehen und zu versichern. Nein, sie wusste, dass ihr Blick ihr folgte.
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Updated on Apr 15, 2026
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Created on Aug 3, 2023
by kleinehexe
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