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Chapter 42
by
kleinehexe
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Spuren von Geld
Caroline wartete, bis sie außer Sichtweite der Absperrungen war, bevor sie ihren Schritt beschleunigte. Erst an der nächsten Straßenecke wagte sie es, stehen zu bleiben. Ihr Herz schlug noch immer schneller als sonst und für einen Moment musste sie sich zwingen, ruhig zu atmen.
„Vielleicht war es Einbildung gewesen“, redete sie sich ein. Vielleicht hatte die Kommissarin sie gar nicht wirklich erkannt und dieser Blick war nur die übliche Skepsis gegenüber Journalisten gewesen. Oder einfach kriminalistische Neugier? Trotzdem ließ sie das Gefühl nicht los, dass die Kommissarin eine Ahnung in sich trug.
Unwillkürlich sah sie über ihre Schulter zurück, obwohl sie wusste, dass es albern war. Der Platz lag inzwischen weit genug hinter ihr. Menschen standen noch immer an den Absperrungen und Polizisten liefen geschäftig hin und her. Nichts deutete darauf hin, dass sich irgendjemand speziell für sie interessierte. Und trotzdem nagte dieses Gefühl an ihr.
Langsam machte sie sich wieder auf den Weg zurück zur Redaktion. Diesmal jedoch ohne Eile. Die Hitze schien noch schwerer in den Straßen zu liegen als zuvor, und ihre Gedanken liefen in Kreisen. Karin Fiedler. Der Name hatte sich in ihrem Kopf festgesetzt. Wenn die Kommissarin sich tatsächlich an sie erinnerte, könnte das vielleicht unangenehm werden. Nicht unbedingt heute oder morgen, aber irgendwann.
Caroline schob ihre Gedanken beiseite. Stattdessen versuchte sie, sich wieder auf das zu konzentrieren, was sie eigentlich hierhergeführt hatte: die Story. Ein bewaffneter Raubüberfall am helllichten Tag und mitten im Zentrum dieser Stadt. Das war nicht irgendein 0-8-15 Ereignis. Und sie war die Einzige aus der Redaktion gewesen, die vor Ort war. Nur sie hatte die Fakten und niemand würde ihr diesmal hineinreden können.
Während sie weiterging, griff sie fast automatisch nach ihrem Handy und öffnete die Bilder, die sie am Postplatz gemacht hatte. Mit geübtem Blick scrollte sie durch die Aufnahmen. Absperrbänder, neugierige Gesichter hinter den Polizeilinien, die schweren Fahrzeuge des SEK, die gerade abgerückt waren. Alles Material, das später die Geschichte abrunden konnte.
Sie blieb kurz stehen, wischte ein Bild größer und betrachtete es genauer. Zwei Beamte vor dem Eingang der Sparkasse, hinter ihnen das dunkle Glas der Türen. Nichts Spektakuläres eigentlich und doch genau diese Art von Szene, die den Lesern später zeigen würde, dass dort tatsächlich etwas passiert war.
Gedankenverloren steckte sie das Handy wieder ein und setzte ihren Weg fort. Der Artikel formte sich bereits langsam in ihrem Kopf. Ein paar nüchterne Fakten zum Ablauf, ein Zitat der Kripo, vielleicht noch eine kurze Einordnung zur Sicherheitslage in der Stadt. Alles Routine eigentlich, aber diesmal nicht nur ein Bericht von irgendwas. Nichts von dem sonst so belanglosen Unsinn, den sie einfach sauber herunterschrieb und am nächsten Tag irgendwo auf Seite drei oder vier wiederfand.
Als sie wenig später die Tür zum Großraumbüro in der Redaktion aufstieß, schlug ihr eine kühle Wand aus der Klimaanlage entgegen. Für einen Moment blieb sie einfach stehen und ließ die angenehme Frische auf sich wirken. Nach der drückenden Hitze draußen fühlte es sich beinahe an, als würde sie eine andere Welt betreten.
Mit einem leisen Seufzen ließ sie sich auf ihren Stuhl fallen und schob die Handtasche neben sich auf den Boden. Der Bildschirm ihres Rechners erwachte zum Leben, doch bevor sie überhaupt ein Dokument öffnete, lehnte sie sich erst einmal zurück. Der Artikel über den Überfall würde schnell geschrieben sein. Den Faden dafür hatte sie eh schon im Kopf. Zusammen mit einigen Bildern hatte der Bericht das Potenzial, es auf die Titelseite zu schaffen. Hoffentlich, denn wenn nicht der, wer dann?
Aber ihre Gedanken waren längst schon wieder woanders. Unwillkürlich musste sie zurück an den Club denken. An die Bar und an das Geld, das dort so locker über den Tresen wanderte. Nur zu gern hätte sie herausgefunden, wie es zu den Differenzen in den Kassenberichten kam. Woher das Geld stammte, das dort ganz offensichtlich gewaschen wurde.
Sie drehte gedankenverloren den Bleistift zwischen ihren Fingern. Möglichkeiten gab es viele. Glücksspiel, ****, Prostitution oder irgendwelche anderen dubiosen Geschäfte im Hintergrund. Vielleicht auch ganz banal Schwarzgeld aus Branchen, in denen Bargeld sowieso die Regel war. Doch egal, woher es kam, auch dieser Club war nur ein Teil des Systems. Ein Ort, an dem Geld einfach auftauchte, um sich dann in den Büchern in ganz legales offizielles Guthaben zu verwandeln.
Caroline spürte, wie dieses vertraute Kribbeln in ihr aufstieg. Das war der Punkt, an dem eine Geschichte interessant wurde. Irgendwo dahinter musste es Menschen geben, die dafür sorgten, dass alles funktionierte. Langsam beugte sie sich vor, öffnete ein neues Dokument und begann mit ihrer Arbeit. Aber während ihre Finger wie von allein über die Tastatur glitten, wusste sie längst, dass ihre eigentliche Geschichte ganz woanders lag.
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by kleinehexe
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