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Chapter 28

What's next?

Luisa übernimmt

Charlie saß in der Sitzecke, die er "sein Büro" nannte - ein vor Blicken abgeschirmter Bereich im hinteren Teil einer Animierbar, die ein Strohmann für ihn führte -, als Abdul mit der Kleinen kam. Der bullige Rausschmeißer hatte eine seiner tellergroßen Pranken auf die Schulter der jungen Frau gelegt, die im Vergleich mit ihm wie eine Elfe wirkte. Der dunkelhäutige Schläger bleckte sein lückenhaftes Gebiss, eine Geste, die sowohl ein Lächeln als auch eine Drohgebärde sein konnte.

Von der Bühne her, auf der eine leicht bis gar nicht bekleidete Tänzerin sich um eine Stange räkelte, wummerte Musik. Vermischt mit dem Johlen des überwiegend männlichen Publikums ergab sich ein Geräuschpegel, der eine normale Unterhaltung unmöglich machte. So verzichtete der Zuhälter auf Worte und schickte seinen Handlanger mit einer knappen Handbewegung fort. Sina blieb verloren stehen, bis er ihr bedeutete, sich neben ihn zu setzen. Ein Wink von ihm zu einer Bedienung genügte und nach einem Augenblick standen zwei farbenfrohe Cocktails vor ihnen. Mit Schirmchen.

Er neigte sich ganz nah zu ihrem Ohr, um nicht schreien zu müssen.

"Na, wie hat dir deine erste Fotosession gefallen?"

Sie erbleichte ein wenig und sah ihn befangen an. Ihre Antwort las er eher von ihren Lippen, als dass er sie hörte: "Gut."

Der Boss nickte zufrieden. Simon war eben ein Profi und wusste, wie er seine Modelle anleiten musste. Wenn er auch noch rechtzeitig die Bilder schickte, wäre er mal wieder sein Geld wert gewesen.

Charlie drückte seinem Gast eines der Gläser in die Hand. Sie führte den Strohhalm an die Lippen, nahm vorsichtig den ersten Schluck und verzog den Mund.

"Trink! Je mehr, umso besser schmeckt es", befahl er, damit sie das Getränk nicht absetzte. Gehorsam nuckelte sie weiter an dem süßen Alkoholgemisch.

Ein Blick in seinen Mail-Eingang trieb seine Mundwinkel nach oben. Die Gebote lagen bereits im oberen Drittel der normalen Bandbreite. Aber da ging noch mehr, entschied er. Die Auktion würde er noch ein paar Stunden weiter laufen lassen. Oh, ja! Das war beinahe so gut wie Sex.

Aber nur beinahe. Er warf seinem neuesten Fohlen einen Seitenblick zu. Die Vorstellung, sie richtig und ausgiebig einzureiten, nachdem der erste Kunde sie angestochen hatte, ließ seinen Schwanz sprunghaft anschwellen, als habe sich ein Ventil in seinen Lenden geöffnet. Wobei er noch nicht entschieden hatte, ob er sich diesen Ritt selbst vorbehalten wollte oder einem seiner Männer als Bonus zukommen lassen würde. Sie entsprach zwar nicht seinem üblichen Beuteschema, aber auch er konnte sich dem Reiz des Neuen nicht ganz entziehen.

Während er sie noch abschätzend musterte, hatte sie ihren Cocktail schon fast geleert. Großzügig schob er ihr auch das zweite Glas zu. Ihre Augen hatten einen feuchten Schimmer angenommen und ihre Nase leuchtete rötlich. Kein Wunder bei der Geschwindigkeit, in der sie das harte Getränk auf nüchternen Magen durch den Trinkhalm sog. Spontan schoss er ein paar Schnappschüsse. Diese Bilder würde er zunächst aber noch ****, da sie nicht zum Image der Unschuld vom Lande passten, mit dem er sie vermarkten wollte. Wenn das nicht mehr funktionierte, könnte er später die Kundengruppe in den Fokus nehmen, die auf den Typ betrunkenes Küken standen.

Zunächst aber musste er sie für ihren ersten Auftritt herrichten und am besten auch ausschlafen lassen. Im Gegensatz zu ihm war sie es nicht gewohnt, sich die Nacht um die Ohren zu schlagen. Er schickte eine Chat-Nachricht an Luisa und Minuten später stand die Lady vor seinem Tisch, die hier im Laden Backstage alles organisierte. Ihr Make-Up war so dick aufgetragen, dass man unmöglich ihr Alter schätzen konnte. Sie beugte sich weit nach vorne, um mit ihrem Chef sprechen zu können. Dass sie ihm dabei großzügige Blicke in ihren üppigen Ausschnitt gewährte, war bestimmt kein Zufall.

"Das ist Sina", mit einer Kopfbewegung deutete er zu seiner Nebensitzerin, "sie wird morgen als Hauptgewinn ihr erstes Mal erleben. Kümmere dich bis dahin um sie."

Luisa musterte die Neue und legte die Stirn in Falten. Charlie verstand, was sie dachte.

"Keine Sorge, sie ist schon zwanzig, auch wenn man es ihr nicht ansieht. Genau deshalb ist sie auch ein teurer Schatz, der besondere Fürsorge verdient. Hast du verstanden?"

Die Hausdame grinste und nickte. Dann winkte sie Sina aufzustehen. Die tat sich damit reichlich schwer und kam nur schwankend auf die Beine. Bei der Helferin untergehakt schaffte sie es danach aber immerhin, auf eigenen Füßen die Bar in Richtung Hinterzimmer zu verlassen.

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