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Chapter 4
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Lenis Kammer
In der Stube saß ein Mädchen am Fenster und nähte. Sie wirkte ein wenig jünger als Eva, vielleicht um die zwanzig.
„Leni“, wandte sich der Patriarch an sie, „wir haben einen Gast. Sie wird in deinem Zimmer schlafen. Zeig ihr, wo sie ihre Sachen unterbringen kann.“
„Ja, Großvater.“
Das Bauernmädchen trug ein schlichtes, langes Kleid aus robustem dunkelblauem Wollstoff, das bis zu ihren Knöcheln reichte. Darunter lugte ein einfacher Unterrock hervor, der zusätzlich wärmte und dem Oberkleid etwas Fülle verlieh. Eine Schürze aus grobem Leinenstoff schützte ihr Kleid vor Schmutz und Flecken. Ihre nussbraunen Haare hatte sie zu einem ordentlichen Zopf geflochten, der unter einem Kopftuch verborgen war. An ihren Füßen trug sie dicke Strümpfe und einfache unempfindliche Holzschuhe. Ihr Gesicht war gebräunt von Wind und Sonne und ihre Hände waren rau und rissig von der harten Arbeit auf dem Bauernhof.
Sie hatte ihre Augen gesenkt und eine demütige Haltung eingenommen. Aber Eva war sich sicher, dass sie von Leni aus den Augenwinkeln genauestens studiert wurde. Obwohl sie im Vergleich zu ihrem früheren Leben schmucklos und unscheinbar gekleidet war, nahm Eva an, dass sie auf die simple Bauernmaid wie eine hochgestellte Persönlichkeit wirken musste. Sie nahm sich vor, dieses falsche Bild geradezurücken und möglichst bald Freundschaft zu schließen. Zumal wenn sie sich von nun an ein Zimmer teilen sollten.

Leni führte den Gast über eine enge steile Stiege nach oben und einen dunklen Flur entlang. Durch eine niedrige Tür gelangten sie in eine winzige Kammer mit schrägen Wänden direkt unter dem Dach. Durch ein Fensterchen fiel schwaches Tageslicht herein. Links und rechts in Nischen in den Wänden war je ein schmales Bett mit einer Strohmatratze eingebaut. Darauf lagen Laken aus Leinen und mehrere Schichten warmer Decken, um sich in den kalten Nächten warm zu halten.
„Das ist meins“, erklärte Leni und wies nach rechts, „du kannst da schlafen. Unter dem Bett sind Laden, da kannst du deinen Rucksack und was du so bei dir hast reinschieben. Brauchst du sonst noch etwas?“
Das Mädchen wirkte weiterhin scheu und verlegen und sah Eva nicht ins Gesicht. Diese streckte ihre Hand aus und legte einen aufmunternden Ton in ihre Stimme.
„Hallo, ich bin Eva. Vielen Dank, Leni, dass ich hier bei dir unterkommen darf. Du brauchst keine Angst vor mir zu haben. Ich bin eine ganz normale junge Frau wie du.“
In diesem Augenblick meinte Eva ehrlich, was sie sagte, obwohl ihr bewusst war, dass Welten zwischen ihnen lagen. Allerdings wünschte sie sich, dass sie Lenis abgeschiedenes und unbedarftes Leben teilen könnte. Sie hoffte inniglich, ihre Dämonen hinter sich gelassen zu haben und hier in dieser einfachen Umgebung neu anfangen und ihren Frieden finden zu können.
Leni zögerte kurz, dann schlug sie zaghaft ein und schüttelte die ausgestreckte Hand. Zum ersten Mal sahen sich die beiden direkt an. Lenis Augen waren leuchtend blau, wie die ihres Großvaters, aber sie wirkten verschreckt, als wolle das Mädchen jederzeit fliehen. Eva konnte sich keinen Reim darauf machen, woher eine so tiefsitzende Angst ihr gegenüber kommen sollte. Aber vielleicht ergäbe sich ja eine Gelegenheit, darüber zu reden, wenn sie sich erst einmal näher kannten.
Vorerst begnügte sie sich mit diesem ersten kleinen Schritt aufeinander zu.
„Alles gut. Im Moment brauche ich nichts. Danke dir.“
Leni zog ihre Hand zurück und verschloss sich wieder.
„Wir essen in der Küche, wenn es dunkel wird“, beschied sie den Gast, wandte sich um und ließ Eva alleine. Die trat ans Fenster. Durch das enge Guckloch konnte sie einen bewaldeten Hang erkennen, aber sonst nichts von der Umgebung ausmachen.
Sie setzte sich aufs Bett. Ihr wurde bewusst, wie müde und zerschlagen sie sich nach dem anstrengenden Aufstieg fühlte. Ihre Beine waren bleischwer und schmerzten. Am liebsten wäre sie an Ort und Stelle auf die Matratze gesunken und eingeschlafen. Am Abendessen wollte sie aber unbedingt teilhaben. Nicht nur, weil sie hungrig war, sondern auch um den Rest von Julius‘ **** kennenzulernen. Nachdem man ihr Gastfreundschaft gewährte, wäre es unhöflich, sich ihnen nicht vorzustellen.
Bis dahin wollte sie sich nur ein bisschen ausruhen, zog die Schuhe aus und legte sich hin.
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Eva
Ein Projekt im Genre „Dark Fantasy“
Eva, eine junge Frau aus einer Kleinstadt in der Nähe von Wien sucht einen Ort , um ihre belastende Vergangenheit zu überwinden, um Ruhe und Frieden zu finden. Sie weiß nicht, dass das winzige, isolierte Alpendorf unter dem Einfluss böser, übernatürlicher Mächte steht und sie Herausforderungen ausgesetzt werden wird, an denen sie wachsen oder zerbrechen kann.
Updated on Apr 14, 2025
by Daemony
Created on Mar 26, 2023
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