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Chapter 5
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Die Küche
Die Hausgemeinschaft traf sich in der Küche zum Abendessen. Julius hatte als Familienoberhaupt bereits am Kopfende des Tisches Platz genommen. Rechts neben ihm saß eine deutlich jüngere, schmächtigere Ausgabe des Bauern, offensichtlich sein Sohn. Doch fehlte ihm die Ehrfurcht gebietende Aura des Patriarchen.
Außer Leni waren zwei weitere Frauen anwesend, die ihr ähnlich sahen und demnach ihre älteren Schwestern sein mussten. Neben dem Jungbauern saß die mittlere der Frauen, die ungefähr in seinem Alter war. Die Älteste, vermutlich Ende dreißig, stand am Herd und rührte in einem großen Kochtopf, aus dem der kräftige Duft eines ländlichen Gemüseeintopfs stieg, der Eva das Wasser im Mund zusammenlaufen ließ.
Julius stellte alle vor, zuerst Adrian, den Stammhalter. Dann Grete, seine älteste Tochter, die seit dem **** der Bäuerin den Haushalt führte. Zuletzt Adrians Nebensitzerin.
„Und das ist Lisi, meine Schwiegertochter.“
Eva stutzte. Sie hätte dem Augenschein nach nicht erwartet, dass Lisi eingeheiratet war. Damit man ihre Gedanken nicht erraten könnte, bemühte sie sich, einen neutralen Gesichtsausdruck aufzusetzen, um niemanden zu beleidigen. Dann stellte sie sich den Versammelten selbst vor und setzte sich.
Grete brachte den dampfenden Topf auf den Tisch und Leni reichte jedem einen rustikalen Holzlöffel. Julius griff als erster zu und dann teilten sich alle gemeinsam das Mahl, indem sie einfach aus dem in der Mitte stehenden Kochgefäß löffelten. Obwohl einfach zubereitet schmeckte es würzig und sättigend. Eva griff herzhaft zu und fühlte sich zunehmend warm und geborgen.
Als alles aufgegessen war, stemmte sich der Alte mit seinen kräftigen Armen hoch und beugte sich über den Tisch.
„Ich habe etwas mit den anderen Familienoberhäuptern zu besprechen“, brummte er in seinem tiefen Bass, „Gute Nacht.“ Dann verließ er das Haus.
Eva fragte sich, wie die Menschen in der Einsamkeit dieses abgeschiedenen Bergdorfs ihre Abende verbrachten. Aber sie war zu erschöpft, um es gleich am ersten Tag herauszufinden. Sie entschuldigte sich, wünschte ihrerseits allen eine gute Nacht und stieg in die kleine Schlafkammer hinauf.
Eine Email-Schüssel diente als Waschgelegenheit, Wasser war aber keines im Zimmer. Also schnappte sich Eva den danebenstehenden Krug und kehrte in die Küche zurück. Hier traf sie nur noch Leni an, die sauber machte.
„Ich wollte mich waschen, aber der Krug ist leer,“ erklärte sie.
Das Mädchen schaute in den Eimer neben dem Herd und meinte bedauernd: „Hier ist auch kaum noch welches. Ich hole gleich frisches Wasser vom Brunnen, wenn ich fertig bin.“
„Nein, bemühe dich nicht, das kann ich auch selbst machen. Soll ich den Eimer auch gleich auffüllen, wenn ich rausgehe?“
Sie war froh, etwas zur Hausarbeit beitragen zu können, um den anderen nicht zur Last zu fallen. Mit je einem Gefäß in jeder Hand trat sie ins Freie. Der Himmel war wolkenverhangen und sternenlos. Nur ein schwacher Schimmer deutete an, wo der Mond verborgen war. Pechschwarze Schatten überzogen den Dorfplatz. Auf den Giebeln der Häuser machte sie Umrisse aus, die von großen schwarzen Vögeln stammten. Eva überfiel ein unheimliches Gefühl dabei, von so vielen Augen beobachtet zu werden. Sie fragte sich, warum sich die Raben in so großer Zahl sammelten, als würden sie den Ort überwachen.
Die Dunkelheit umgab sie wie ein schwarzer Mantel und Eva tastete sich vorsichtig vorwärts, dem Geräusch des plätschernden Wassers folgend. Der eisige Wind biss schmerzhaft in ihre Haut, dort wo sie ungeschützt war, und Eva bedauerte, dass sie ihren warmen Schal nicht umgelegt hatte.
Während sie den Eimer füllte, spürte sie plötzlich, wie sich ein eisiger Schauer über ihren Rücken ausbreitete und ihr Herzschlag beschleunigte. Das unheimliche Gefühl, beobachtet zu werden, ließ sie nervös umherblicken. Aus der undurchdringlichen Schwärze zwischen den Häusern schien sich eine finstere, unheimliche Gestalt zu erheben, die bedrohlich auf sie zu schwebte.
Die langen Schatten, die von den umliegenden Bäumen und Gebäuden geworfen wurden, verstärkten das unheimliche Gefühl. Ihre Hände begannen unkontrolliert zu zittern und sie war unfähig, den Eimer loszulassen, der zu Boden zu fallen drohte. Erst als sie erkannte, dass es kein Geist, sondern Julius war, der auf sie zukam, atmete sie erleichtert auf und spürte, wie sich ihr Körper langsam entspannte.
„Oh, Sie sind es. Ich habe sie gar nicht herankommen gehört.“
„Bist du alleine?“, fragte er mit einem strengen, tadelnden Unterton in seiner Stimme, während er Eva mit finsterem Blick fixierte. „Ich habe dir bereits zuvor gesagt, dass es nicht sicher ist, hier unbegleitet herumzulaufen.“
„Ich weiß, entschuldigen Sie“, erwiderte Eva nervös. Ihr Herz raste, als sie seine durchdringenden Augen fast körperlich auf ihrer Haut spürte. „Ich wollte nur Wasser holen, um Ihrer Enkelin zu helfen.“
Er brummte wortlos und starrte sie weiter an, unbeeindruckt von ihrer Erklärung. Evas Puls pochte in ihren Schläfen, während sie sich fragte, was er als nächstes sagen oder tun würde. Sie fuhr fort, sich zu rechtfertigen.
„Hier mitten im Dorf kann mir doch nichts Schlimmes passieren, auch wenn es dunkel ist, oder?“, fragte Eva zaghaft.
„Nur wenig ist so, wie es auf den ersten Blick erscheint. Oftmals sind die Orte, an denen man sich am sichersten fühlt, diejenigen, an denen die größte Gefahr droht.“
Eva konnte ein Unbehagen in ihrer Magengegend spüren. Er machte keine Anstalten, diese kryptische Bemerkung zu erklären, also wandte sie sich wieder ihrem Geschäft zu und trug die beiden gefüllten Gefäße unter seinen wachsamen Augen zurück. Sie hatte weniger den Eindruck, dass er sie beschützen wollte, sondern dass er viel mehr darauf Acht gab, dass sie ohne Umwege wirklich wieder ins Haus ging.
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Eva
Ein Projekt im Genre „Dark Fantasy“
Eva, eine junge Frau aus einer Kleinstadt in der Nähe von Wien sucht einen Ort , um ihre belastende Vergangenheit zu überwinden, um Ruhe und Frieden zu finden. Sie weiß nicht, dass das winzige, isolierte Alpendorf unter dem Einfluss böser, übernatürlicher Mächte steht und sie Herausforderungen ausgesetzt werden wird, an denen sie wachsen oder zerbrechen kann.
Updated on Apr 14, 2025
by Daemony
Created on Mar 26, 2023
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