Werden die Leute im Ministerium ein bisschen Frieden halten?
Leider nicht sehr lange
Bisher lief alles recht glatt, fand Alex, und während Diana auch die anderen zwei Wachen entwaffnete und ihre Gewehre demolierte, griff auch er sich nun eine der Sprühdosen und machte sich auf den Weg zu den Fenstern, um es entsprechend ihrem Plan zu verzieren. Der Raum dahinter war aktuell nicht besetzt, dementsprechend verstörte er damit auch nicht noch weitere Angestellte im Ministerium.
Aber inzwischen hatte wohl doch die Wachzentrale im Gebäude mitbekommen, was hier passierte, denn Diana sah zu ihm. "Acht Soldaten sind eben ins Foyer gekommen!" rief sie.
"Autsch!" Acht waren ein bisschen viel auf einmal. Im Prinzip wirkten Jessies Kräfte auch auf größere Gruppen von Leuten, aber, so hatte sie es erklärt, sie musste jedem Einzelnen in der Gruppe einen kleinen Moment lang persönlich ihreAufmerksamkeit widmen, um ihn unter ihre Kontrolle zu bringen. Zwar brauchte sie dafür keinen Blickkontakt, aber sie musste wissen, dass jemand Bestimmtes sie hören konnte, um ihre Beherrschung auf ihn auszuweiten, und wenn es mehrere Leute auf einmal waren, dann konnte das dauern - mindestens eine halbe Sekunde pro Person. Bis sie bei acht Leuten alle ausgeschaltet hatte, vergingen also mindestens vier Sekunden, und in vier Sekunden konnte man mit einem Gewehr schon einiges an Schaden anrichten.
"Ein bisschen Frieden, ein bisschen Träumen, und dass die Menschen nicht so oft weinen..." Jessie war weiterhin voll in ihrer Performance, aber auch sie hatte die Neuankömmlinge gesehen und bereitete sich mental bereits darauf vor, sie friedlich zu stimmen, das war ihr anzusehen. Aber sie würde sicher Unterstützung brauchen. Alex stellte die Farbdose ab und machte sich auf den Rückweg-
-und da öffnete sich der Eingang auch schon wieder und die acht Neuankömmlinge legten an. "Sofort aufhören!" brüllte der erste. "Sie sind ver-" Er erstarrte im selben Moment, und als seine Kameraden erkannten, was geschah, eröffneten sie das Feuer.
Aber da stand auch schon Diana vor ihnen, zwar noch in einer halbwegs normalen menschlichen Größe, aber bereits breit genug, um die Schusslinie auf Jessie vollständig zu blockieren. Ein Hagel von Kugeln jagte in ihren Oberkörper hinein, und mit angespanntem Gesicht taumelte sie einige Schritte zurück. Das Dauerfeuer ging nur zwei Sekunden lang, bis Jessie die Gruppe in ihrem Bann hatte, aber bis dahin war sie bereits blutüberströmt und sackte auf ein Knie.
"Titania!" Alex war bei ihr und stützte sie. "Geht es?"
"Tut mehr weh, als ich dachte", gab sie keuchend zurück und öffnete die Feldflasche. "Ich hoffe, das hier reicht aus." Sie nahm einen tiefen Zug von Ashas Milch, und mit einem tiefen Grollen fuhr eine weitere Welle Erregung durch ihren Körper, und sie wuchs binnen weniger Sekunden auf zwei Meter zwanzig an. Ein leises Klimpern ertönte, als die Kugeln aus ihrem Körper herausgedrückt wurden und zu Boden fielen, während ihre Wunden sich schlossen, und Alex konnte sehen, dass jedes der Geschosse reichlich deformiert war - ihre Muskeln mussten die Zähigkeit einer kugelsicheren Weste oder so etwas haben!
"Ich weiß, meine Lieder, die ändern nicht viel, bin nur Zarathustra und sag was ich fühl..." Jessie war inzwischen bei der zweiten Strophe ihres Lieds angekommen. Sie winkte den Soldaten zu, und die marschierten nun auf sie zu, während sie ihre Gewehre fallenließen. Sie bauten sich vor ihr auf, mit dem Gesicht zum Gebäude und bildeten quasi eine lebende Mauer vor ihr, wobei Jessie zwischen ihnen hindurch lugen und dabei den Eingang im Blick halten konnte.
Vorne war Malia weiterhin mit den Spraydosen zugange, inzwischen am dritten Fenster. "Kommt ihr klar?"
Diana nickte ihr zu. "Geht schon wieder", rief sie ihr zu. "Wenn noch mehr kommen, haben die auf jeden Fall das-"
In diesem Moment knallte ein weiterer Schuss durch die Nacht, und eine Kugel traf sie an der Schläfe und wirbelte sie herum, so dass sie zu Boden stürzte.
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