What's next?
KitKat 3
Wir folgten Miras geschmeidigen Schritten weg vom warmen Licht der Lounge, vorbei an den wummernden Haupttanzflächen und hinein in den hinteren, labyrinthartigen Teil des Clubs. Hier wichen die Holzdielen altem Berliner Industrie-Mauerwerk. Das Licht wechselte zu einem tiefen, fast blutigen Rot, das die Schatten an den feuchten Backsteinwänden lang und zähflüssig wirken ließ. Der Bass war hier unten kein schriller Lärm mehr, sondern ein dumpfes, rhythmisches Beben, das tief in den Knochen saß.
Mira navigierte uns mit traumwandlerischer Sicherheit durch einen schmalen Gang, an dessen Seiten vereinzelte Paare in schwerem Leder und Lack auf niedrigen Podesten ineinander verschlungen lagen, bis sie vor einem massiven Gewölberaum stehen blieb.
Hier unten war der BDSM-Bereich des Clubs. Der Raum roch intensiv nach Lederfett, Desinfektionsmittel und geschlagenem Fleisch. An den Ziegelpfeilern waren schwere Eisenringe und Ketten verankert; im schummrigen Scheinwerferlicht standen gynäkologische Stühle, und an der Stirnseite erhob sich ein massives Andreaskreuz aus dunklem, fast schwarzem Hartholz. An den vier Enden hingen breite, mit Filz unterlegte Lederfesseln und eiserne Karabiner herab. An einer Hängeleiste an der Wand reihten sich schwere Lederpaddles, Gerten und geflochtene Peitschen – Equipment des Clubs, frei zur Nutzung.
„Hier haben wir Platz“, sagte Mira, drehte sich um und lehnte sich mit dem Rücken gegen den Torbogen. Ihre Stiefel standen fest auf dem Betonboden, die Schnallen blitzten dunkel auf.
Loona trat neben sie, musterte das massive Holzkreuz mit prüfendem Blick und nickte zufrieden. Dann wandte sie sich mir zu. Ihre Stimme schnitt kalt und klar durch das dumpfe Wummern der Wände:
„An das Kreuz, John. Gesicht zum Holz. Und rühr dich nicht.“
Mein Körper gehorchte ohne jedes Zögern, getrieben von jener tiefen, fast automatischen Unterwerfung, die jeden Fluchtreflex erstickte. Mit weichen Knien trat ich an das dunkle Hartholz heran und presste meine Brust flach gegen die kühle Maserung.
Loona trat sofort hinter mich, packte den Saum meines schwarzen Mesh-Shirts mit beiden Händen und riss den elastischen Stoff mit einem Ruck über meinen Kopf. Die feuchte Kellerluft traf meine nackte Haut wie eine Ohrfeige. Meine Brustwarzen zogen sich zusammen, dunkel gezeichnet von den Klemmen der letzten Tage. Auf meinen Schulterblättern lagen noch die blassrosa Schatten der Gerte aus Nadjas Salon, und an meiner Flanke trat das Nabla- und Venussymbol (∇ + ♀) unter dem tiefroten Licht messerscharf hervor.
„Hände nach oben, Beine spreizen“, befahl Loona.
Ich streckte die Arme entlang der oberen Holzbalken aus und stellte die Füße weit auseinander. Das metallische Klicken der Karabiner hallte durch das Gewölbe, als Loona methodisch vorging: Zuerst legte sie die dicken Ledermanschetten um meine Handgelenke, zog die Schnallen erbarmungslos fest und hängte die Ringe in die Ketten ein. Dann bückte sie sich und arretierte meine Fesseln an den unteren Balken.
Ein Ruck ging durch meinen Körper, als die Ketten auf Spannung gezogen wurden. Ich war vollkommen gespreizt, fixiert an vier Punkten, unfähig, auch nur einen Zentimeter zurückzuweichen oder das Becken wegzudrehen. Die stählerne Micro-Hülse drückte durch die Haltung noch unbarmherziger gegen mein Schambein; die feste Frontplatte stieß hart gegen meine Eichel. Jeder Fluchtweg war abgeschnitten.
Mira stieß sich vom Torbogen ab und trat langsam an die Werkzeugwand. Ihre Augen musterten die Aufhängung, glitten über breite Paddles und Holzstäbe hinweg und blieben schließlich an einer schweren, mehrriemigen Lederpeitsche hängen. Die geflochtenen Riemen liefen in dicken Knoten aus. Sie nahm die Waffe von der Wand, ließ das schwere Leder durch ihre Finger gleiten und wog den Griff in der Handfläche. Ein tiefes, dunkles Funkeln trat in ihre Augen.
„Das hier passt besser“, sagte Mira ruhig, während sie an das Kreuz herantrat. Das weiche Leder ihrer Stiefel knarrte leise bei jedem Schritt. Sie baute sich schräg hinter mir auf. „Wenn er schon wie ein anatomisches Präparat aufgespannt ist, sollten wir auch sicherstellen, dass er jeden einzelnen Muskelstrang spürt.“
Loona verschränkte die Arme vor der Brust, lehnte sich gegen einen Ziegelpfeiler und nickte mit einem kühlen, anerkennenden Lächeln. „Zehn Schläge, Mira. Führe ihn so, wie du ihn am Montag an der Charité haben willst. Er zählt laut mit.“
Mira trat noch einen halben Schritt näher, hob die Peitsche und ließ die geflochtenen Lederriemen ganz langsam über meinen nackten Rücken gleiten – von den Schulterblättern hinab über die Wirbelsäule, vorbei an dem Nabla-Tattoo an meiner Flanke, bis hinunter zu den Gesäßbacken. Die Berührung war quälend sanft, ein eiskaltes Versprechen dessen, was folgen würde.
„Für die Lügen im Hörsaal, John“, flüsterte sie leise an meinem Ohr vorbei.
Dann trat sie einen Schritt zurück und holte schwungvoll aus.
Das Leder durchschnitt die Luft mit einem sirrenden Pfeifen, bevor die Riemen mit einem peitschenden, harten Knall quer über meinen oberen Rücken krachten.
Der Schmerz explodierte wie flüssiges Feuer auf meiner Haut. Die vielen Spitzen rissen die alten, verblassten Striemen augenblicklich wieder auf; ein schneidendes Brennen fraß sich tief in das Gewebe. Mein ganzer Körper bäumte sich mit aller Kraft nach vorn auf, doch die Lederfesseln schnitten erbarmungslos in meine Handgelenke und Fußknöchel, hielten mich unbeweglich an das Holz genagelt. Ein erstickter Schrei riss mir die Kehle auf.
„Zählen!“, erinnerte Loona mit schneidender Härte vom Pfeiler herüber.
„Eins… Mira!“, keuchte ich, die Stirn schweißnass gegen das Holz gepresst.
Mira ließ mir keine Atempause. Sie drehte aus der Hüfte ein und setzte den zweiten Schlag tiefer an, über die Rippenbögen und die Lenden. Das Klatschen hallte wie ein Schuss durch das Kellergewölbe.
„Zwei… Mira!“
Der dritte und vierte Schlag folgten in unerbittlicher, rhythmischer Präzision. Schlag drei traf das Kreuz, Schlag vier riss über mein linkes Gesäß und die Oberschenkelansätze. Die Wucht der mehrfachen Riemen verteilte den Schmerz über riesige Flächen; mein Fleisch pulsierte in lodernden Flammen, während die feuchte Kellerluft das Brennen nur noch weiter anheizte. Zwei Männer im Lederharnisch blieben am Eingang des Raumes stehen, angezogen von den harten Schlägen, und sahen stumm zu.
„Fünf… Mira!“, stieß ich hervor, während der Speichel mir heiß auf die Lippen trat.
Mira atmete gleichmäßig, fast sportlich durch die Nase. Ihre Wangen waren leicht gerötet, ihre dunklen Augen blitzten vor ungezügelter Macht. Sie wechselte die Schlaghand, trat etwas seitlich versetzt heran und holte für die letzten Hiebe noch weiter aus.
Schlag sechs, sieben und acht zerschnitten die Luft in rascher Folge. Die Riemen schlugen gnadenlos auf die bereits brennende Haut ein, zeichneten tiefe, dunkelrote Striemen quer über Rücken und Gesäß. Mit jedem Treffer ruckten die Ketten an den Eisenringen, schepperten dumpf gegen das Holz. Ich wand mich in den Fesseln, keuchte die Zahlen hervor – „Sechs… sieben… acht…!“ –, während mein Verstand vor der schieren Übermacht kapitulierte. Vor der Frau, mit der ich sonst über Fachliteratur sprach, hing ich nun wie ein geschlachtetes Tier am Kreuz, wehrlos ihren Schlägen ausgeliefert.
„Neun!“, presste ich hervor, als die Riemen mit voller Wucht auf mein rechtes Gesäß krachten.
Mira hielt für einen Herzschlag inne. Sie trat ganz nah heran, sodass das Glattleder ihrer kniehohen Stiefel die Innenseite meiner weit gespreizten Oberschenkel berührte. Ihre freie Hand legte sich auf meine schweißnasse Schulter, ihre Finger bohrten sich fest in den Muskel.
„Und der letzte, damit du weißt, wem du am Montag im Seminarraum antwortest“, raunte sie mit samtener Schärfe direkt an meiner Schläfe.
Sie trat zurück und zog den zehnten Schlag mit voller Wucht quer über meinen gesamten Rücken durch.
Der Knall war ohrenbetäubend. Der Schmerz brannte sich wie weißglühendes Eisen in mein Fleisch, raubte mir die Luft bis auf den letzten Funken. Mein Becken stieß krampfhaft nach vorn, wodurch die starre Micro-Hülse mit brutaler Härte gegen das Schambein rammte.
„Zehn… danke, Mira… danke!“, stieß ich mit vollkommen versagender Stimme hervor.
Mein gesamter Körper bebte in den Fesseln. Die Striemen glühten dunkelrot unter dem schummrigen Scheinwerferlicht, der Schweiß rann mir über die Schläfen, und mein Herz raste wie wild gegen die Holzplanken. Unter der physischen Zerstörung fiel die letzte bürgerliche Schranke in mir zusammen: Ich war nicht mehr der gleichrangige Student. Ich war vor ihren Augen gefesselt, gezüchtigt und gezeichnet worden.
Mira ließ die Peitsche sinken. Die Lederriemen berührten schleifend den Betonboden. Ein Lächeln tiefer, unerschütterlicher Genugtuung lag auf ihren Lippen, während sie mich von oben bis unten betrachtete. Sie trat an Loona heran und reichte ihr die Waffe.
„Ein bemerkenswert klares Reaktionsmuster“, urteilte Mira mit leiser Stimme, in der kein Zweifel mehr an ihrer Überlegenheit mitschwang. „Er wehrt sich nicht mehr. Er nimmt jeden Treffer an.“
„Weil er begriffen hat, dass Gegenwehr zwecklos ist“, sagte Loona zufrieden. Sie hängte die Peitsche zurück an die Haken und trat an das Kreuz. Mit wenigen geübten Griffen löste sie erst die Manschetten an meinen Handgelenken, dann die Riemen an meinen Knöcheln.
Meine Arme fielen kraftlos herab; die Knie gaben sofort nach. Ich rutschte am Holz nach unten und blieb auf allen vieren auf dem kalten Steinboden kauern, das Gesäß und der Rücken in lodernden Flammen, während die Micro-Hülse dumpf und schwer pulsierte.
Mira trat direkt vor mein Gesicht. Der herbe Geruch ihres Glattleders drang mir in die Nase, vermischte sich untrennbar mit dem Geruch von Schweiß und Schmerz.
„Knie aufrecht, John“, befahl Loona von oben. „Und bedanke dich bei deiner Kollegin so, wie es sich gehört.“
Ich zwang meine zitternden Schenkel in die Kniehaltung, richtete den brennenden Oberkörper auf und senkte den Kopf tief hinab. Meine Lippen berührten das kühle Glattleder über Miras Spann. Ich wanderte mit dem Mund langsam höher, küsste die metallene Schnalle an ihrer Fessel und verharrte dort in stummer, vollkommener Ergebenheit.
„Danke, Mira… danke für die Züchtigung“, wisperte ich heiser gegen das Leder.
Mira blickte ruhig auf mich herab. Sie hob langsam den Fuß, löste die Berührung und setzte die schmale Stiefelspitze sanft unter mein Kinn, um meinen Kopf nach oben zu drücken. Ihre dunklen Augen funkelten unergründlich im roten Licht.
„Sehr brav, Herr Kollege“, flüsterte sie mit einem Lächeln, das mir bis ins Mark fuhr. „Am Montag um acht im Hörsaal. Und wenn du dich auf den Holzstuhl setzt, wirst du bei jeder Sekunde spüren, wer ab jetzt die Diagnose stellt.“
Miras Stiefelspitze verharrte noch für einige qualvolle Herzschläge unter meinem Kinn. Sie genoss den Moment, las die totale Kapitulation in meinen geweiteten Pupillen ab und zog ihren Fuß schließlich mit einem leisen, schleifenden Knarren des Glattleders zurück.
„Steh auf, John“, befahl Loona kühl.
Ich stemmte mich vom kalten Betonboden hoch. Meine Knie zitterten wie Espenlaub, und jede noch so kleine Bewegung schickte sengende Hitzewellen über meinen Rücken und mein Gesäß. Die Striemen der Peitsche pulsierten im Takt meines rasenden Herzschlags, während die stählerne Micro-Hülse bei jedem Strecken des Beckens unnachgiebig gegen das geschundene Schambein drückte.
Loona hob mein durchscheinendes Mesh-Shirt vom Boden auf, schüttelte es kurz aus und zog es mir mit geübter Rücksichtslosigkeit wieder über den Kopf. Der elastische Stoff legte sich wie flüssiges Feuer über die frisch aufgeworfenen Striemen. Ich biss mir auf die Unterlippe, um den erstickten Laut hinter den Zähnen zu halten. Das schwarze Gewebe spannte hauteng; die dunkelroten Male auf meiner Haut schimmerten durch die feinen Waben hindurch – ein offenes, für jedermann sichtbares Zeugnis dessen, was mir im Gewölbe widerfahren war.
„Die Kette bleibt bei mir“, sagte Loona an Mira gewandt, während sie den Karabiner wieder in den Samtchoker an meiner Kehle einrasten ließ. „Aber du gehst an meiner Seite.“
„Sehr gerne“, erwiderte Mira gelassen. Ein feines, triumphales Lächeln lag auf ihren Lippen, während sie sich beiläufig eine dunkle Locke aus der Stirn strich.
Wir verließen den BDSM-Bereich und stiegen die Stufen zurück in das warme, pulsierende Herz des Clubs hinauf. Der Kontrast war überwältigend. Die Bässe der Mainhall schlugen wieder wie körperliche Fausthiebe auf uns ein, doch das dumpfe Wummern der Musik vermischte sich in meinem Kopf mit dem unablässigen Stechen auf meiner Haut.
Die Blicke der Menge waren nun noch unerbittlicher. Wo ich zuvor lediglich wie ein hübsch staffierter Begleiter gewirkt hatte, sah man mir die Züchtigung jetzt auf zehn Meter Entfernung an: mein vorsichtiger, leicht steifer Gang, das feucht glänzende Fleisch unter dem Mesh, das scharf hervortretende Tattoo (∇ + ♀) an der Flanke und der stumme, gesenkte Blick genau zwischen die Fersen von Loona und Mira. Wir passierten eine Gruppe von Frauen an einem der erhöhten Podeste, die anerkennend pfiffen und Mira ein wissendes Grinsen zuwarfen. Mira nickte ihnen nur kühl und selbstverständlich zu – als hätte sie nie etwas anderes getan, als gebrochene Männer an Ketten durch Berliner Nächte zu führen.
Im Loungebereich steuerten die beiden Frauen eine freie Nische an.
„Knie dich neben den Tisch, John“, wies Loona mich an. „Hände hinter den Rücken. Rühr dich nicht.“
Ich sank auf die Knie, den Oberkörper kerzengerade aufgerichtet, um die Berührung mit der harten Lederpolsterung der Sitzbank zu vermeiden. Das Gesäß brannte wie offene Glut. Ich war das lebende Mobiliar, stumm und funktional.
Loona und Mira ließen sich auf den Polstern nieder. Zwischen ihnen herrschte keine Distanz mehr; die gemeinsame Züchtigung hatte die Barrieren zwischen der kühlen Mitbewohnerin und der brillanten Medizinstudentin restlos eingerissen.
„Er hat eine erstaunlich hohe Reizschwelle“, analysierte Mira, während sie ihr neues Glas in Empfang nahm und die Beine übereinanderschlug. Die Spitze ihres Stiefels ruhte ganz selbstverständlich an meinem Knie, übte leichten, kontinuierlichen Druck aus. „Die meisten hätten nach dem dritten Schlag kapituliert. Aber er schluckt es runter. Er braucht diese Härte förmlich, um seinen Kopf freizubekommen.“
„Genau das ist sein Problem“, erwiderte Loona und nahm einen Schluck. „Er zerdenkt alles. Wenn man ihn sich selbst überlässt, stagniert er. Man muss seinen Körper fordern, damit sein Verstand gehorcht.“
„Eine faszinierende Therapieform“, schmunzelte Mira, und ihre dunklen Augen funkelten gefährlich. „Und eine, die an der Charité dringend fortgesetzt werden sollte. Ich habe keine Lust mehr auf halbe Sachen im Präpariersaal.“
Kurz vor vier Uhr morgens tauchte Nadja wieder auf. Ihr kastanienbraunes Haar war leicht zerzaust, die Lippen dunkel verschmiert und ihre rehbraunen Augen glänzten matt im Halbdunkel. Ihr Wickelrock saß schief, und der schwere Vanilleduft war von fremdem Schweiß und Leder überdeckt.
„Da seid ihr ja“, sagte sie mit einem heiseren, zufriedenen Lachen und ließ sich erschöpft neben Loona fallen. Ihr Blick glitt sofort zu mir hinab, musterte die feuerroten Striemen unter meinem Shirt und die vollkommene Reglosigkeit meiner Haltung. „Oh… ich sehe, ihr hattet euren ganz eigenen Spaß. Wer hat ihn so hergerichtet?“
„Seine reizende Kollegin“, antwortete Loona mit einem dünnen, anerkennenden Lächeln in Miras Richtung. „Sie versteht ihr Handwerk.“
Nadja neigte den Kopf, warf Mira einen tiefen, anerkennenden Blick zu und hob ihr Glas. „Respekt. Der Kleine sieht aus, als wüsste er gar nicht mehr, welcher Tag heute ist.“
Die Clubnacht neigte sich dem Ende zu. Die Musik wurde flächiger, hypnotischer, während das Nebelfluid sich langsam über den leeren Gläsern auf den Tischen lichtete.
Mira stellte ihr Glas ab und griff nach ihrer kleinen Tasche. Sie holte ihr Smartphone hervor, entsperrte es und sah Loona direkt an.
„Wir sollten das nicht bei dieser einen Nacht belassen, Loona“, sagte sie ruhig, mit jener geschäftsmäßigen Entschlossenheit, die sie sonst bei Fallbesprechungen an den Tag legte. „Ich habe ihn die ganze Woche an der Uni. Wenn wir uns abstimmen, verliert er zu keinem Zeitpunkt die Orientierung.“
Ein aufblitzendes, fast triumphales Lächeln trat auf {reader:Loonas} Lippen. Das war genau der Schulterschluss, den sie gewollt hatte: Johns Welt lückenlos zu verschließen, sodass kein Rückzugsort mehr existierte.
„Ein exzellenter Vorschlag“, sagte Loona.
Sie nannte Mira ihre Nummer. Ich kniete reglos daneben, den Blick starr auf den Boden geheftet, und lauschte dem rhythmischen Tippen der Fingernägel auf den Displays. Mit jedem Tastendruck wurde das Netz um mich enger gezogen.
„Ich habe dir ein kurzes ‚Hi‘ geschickt“, sagte Mira, steckte ihr Telefon weg und sah Loona mit verbindlichem Blick an. „Nächste Woche Freitag? Nach den Testaten? Wir könnten uns vorab bei mir in Schöneberg auf einen Drink treffen. Dann zeige ich dir, wie er sich unter der Woche geschlagen hat.“
„Freitag passt mir hervorragend“, willigte Loona ein. Ihre grünen Augen funkelten dunkel. „Und bis dahin gehört er ganz dir im Seminarraum. Halt ihn kurz, Mira.“
„Verlass dich darauf“, raunte Mira.
Sie stand auf, strich ihr Leder-Top glatt und trat einen Schritt näher an mich heran. Sie blickte auf mich herab, hob ihren rechten Fuß und setzte die feste Kappe ihres Stiefels direkt auf meinen Oberschenkel – genau dorthin, wo die Haut vom Scheuern der Striemen brannte. Sie übte spürbaren Druck aus, sodass mein gesamter Körper sich versteifte.
„Schlaf dich aus am Wochenende, John“, flüsterte sie leise, sodass nur ich es hören konnte. „Du wirst am Montag jede Faser deiner Konzentration brauchen. Wir sehen uns um acht.“
Sie nahm den Fuß weg, nickte den beiden Frauen noch einmal mit kühler Eleganz zu und wandte sich ab. Das Knarren ihrer Stiefel verlor sich im Strom der verbliebenen Clubbesucher.
Als wir eine halbe Stunde später die feuchte, kalte Berliner Morgenluft auf der Köpenicker Straße betraten, schien der Nieselregen die brennende Haut auf meinem Rücken fast zischend abzukühlen. Das Taxi stand bereit. Loona zog den weiten Mantel über meine Schultern, schloss den Reißverschluss bis zum Samtchoker an meiner Kehle und sah mich ein letztes Mal an.
„Die Maske ist gefallen, John“, sagte sie leise, während sie mir die Hand auf den Nacken legte und den kalten Metallring darunter spürte. „Ab Montag gibt es kein Verstecken mehr an der Charité.“
Sie stieß mich sanft ins Taxi. Als die Tür ins Schloss fiel und der Wagen begann durch das grau dämmernde Berlin zu rollen. Hier war ich nun - gezeichnet, versiegelt und mit der unumstößlichen Gewissheit, dass mein Leben ab sofort zwei Herrinnen hatte.
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