Noch eine Stunde?
Kein Unterricht (ein Tag im Friseursalon)
Am nächsten Tag hatte Janina keine Fahrstunde, nur Arbeit im Salon. Sie stand früh auf, band sich die Haare hoch und zog eine einfache schwarze Arbeitshose und ein enges, dunkles Top an, das unter der Schürze später verschwinden würde. Die blonden Strähnchen ließ sie sichtbar. Auf dem Weg zur Bushaltestelle checkte sie ihr Handy. Ihr Freund hatte nachts noch geschrieben:
Alles klar bei dir? Du warst kurz angebunden gestern.
Sie tippte zurück, während sie wartete: Nur müde. Theorie war okay. Heute Salon, dann frei.
Er antwortete erst später, als sie schon hinter der Theke stand und einer Kundin die Farbe auswusch: Gut. Pass auf dich auf. Wir telefonieren heute Abend.
Janina steckte das Handy weg und konzentrierte sich auf die Arbeit. Die Kundin redete die ganze Zeit über ihren Freund und darüber, dass sie „endlich abnehmen“ wolle. Janina hörte zu, nickte an den richtigen Stellen und sagte wenig. Auseinandersetzungen oder lange Gespräche mit Kundinnen mochte sie nicht, besonders wenn es um Figur ging. Sie selbst hatte in den letzten Wochen weitertrainiert. Die Hose saß heute enger am Po als noch vor einem Monat, und das gefiel ihr.
Gegen Mittag machte sie Pause und setzte sich mit Mia hinter den Salon. Mia rauchte, Janina trank einen Kaffee.
„Du siehst gut aus heute“, sagte Mia und musterte sie. „Die Strähnchen stehen dir. Und die Hose… du trainierst echt, oder?“
Janina zuckte mit den Schultern. „Ein bisschen. Will nicht wieder zunehmen.“
Mia grinste. „Die Jungs in der Fahrschule glotzen bestimmt. Hast du schon mal was gesagt, wenn einer zu lange hinschaut?“
„Nein.“ Janina schaute auf ihren Kaffee. „Bringt doch nichts. Ist mir egal.“
„Dir ist das nicht egal“, sagte Mia und lachte leise. „Du wirst nur rot und sagst nichts. Typisch.“
Janina antwortete nicht. Sie mochte Mia, aber solche Gespräche machten sie unruhig. Sie wechselte das Thema auf eine Kundin von gestern und hörte zu, bis die Pause vorbei war.
Am späten Nachmittag, als sie den Salon verließ, stand ein grauer Fahrschulwagen auf der anderen Straßenseite. Sie erkannte ihn erst, als sie schon an der Haltestelle war. Krüger saß am Steuer und telefonierte. Er schaute in ihre Richtung, als sie den Bus kommen sah. Janina tat so, als würde sie ihn nicht bemerken, und stieg ein. Durch das Fenster sah sie, wie er das Handy sinken ließ und ihr nachschaute, bis der Bus abfuhr.
Zu Hause zog sie sich um und schrieb ihrem Freund, dass die Arbeit okay gewesen war. Den Wagen erwähnte sie nicht. Es konnte Zufall sein, redete sie sich ein. Fahrschulwagen standen überall. Trotzdem checkte sie später noch einmal, ob er ihr auf dem Nachhauseweg gefolgt war. Nichts. Sie atmete aus, legte das Handy weg und ging duschen.
Unter der Dusche dachte sie an Maiers nervösen Blick von neulich und an Krügers kurze Frage nach der Nachtfahrt. Beides wollte sie nicht länger im Kopf haben. Sie hatte genug damit zu tun, die Stunden zu schaffen und nicht noch mehr Geld zu verlieren. Alles andere konnte warten.
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