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Chapter 22 by castashadowme castashadowme

Raufen sich Chrissi und Julia zusammen?

Julia genießt ihren freien Tag und trifft sich mit Chrissi.

Julia saß in einem Taxi auf dem Weg zum Alten Botanischen Garten. Sie stellte fest, dass die Wohnung von Massimo und Prügeljörg im Stadtteil Grone lag, und so fuhr das Taxi über die Kassler Landstraße in die Innenstadt. Oft war sie mit ihren Eltern diesen Weg gefahren, und es erfüllte sie mit einer seltsamen Stimmung, als sie daran zurückdachte. Ja, ihr Leben hatte sich geändert. Früher hatte sie sich versteckt, auf dem Rücksitz gesessen und gehofft und gewartet, aus dem Fenster geschaut und sich gefragt, was das alles bedeutete, was die Welt ihr sagen wollte, worauf sie eigentlich hoffen sollte. Sie hatte sich wie ein Zuschauer in ihrem eigenen Leben gefühlt, entfremdet, weit entfernt, irgendwie deplatziert und einkerkert. Sie hatte sich und ihre Eltern in diesem engen, kleinen Leben gesehen, all die Erwartungen, all die Voraussetzungen, Verpflichtungen, dieses Glashaus an Vorstellungen und unbegründeten Hoffnungen. Sie hatte kaum atmen können. Sie hatte kaum sehen, fühlen, träumen können, und so hatte schon damals tief in ihrem Inneren gespürt, dass sie dieses irgendwann einmal Glashaus einreißen würde müssen.

Sie war schon immer zu lebensdurstig, neugierig, intensiv gewesen, hatte den Drang nach Abenteurn, Entdeckungsreisen, Offenbarungen verspürt, und die Begeisterung für Literatur war lediglich ein Teil davon gewesen, die Sehnsucht in das Innenleben eines anderen Menschen zu dringen, die Kuriosität Gedanken eines Fremden zu lesen, Kontakt mittels der Sprache herzustellen. Sex, dachte sie plötzlich und selbstzufrieden, fügte sich nahtlos in diese Bemühungen ein, war nur die Fortsetzung der Literatur, der Poesie, mit anderen Mitteln, Kontaktaufnahme, Hunger nach dem Neuen, Fremden, dem Verschlossenen, der Auslieferung an das Nackte, Unverhüllte, und ja: Freie und bindend Ungebundene.

Sie fuhren am Göttinger Friedhof vorbei. Sie seufzte. Sie hatte ihr altes Leben nun tatsächlich beerdigt. Es war nicht mehr viel übrig geblieben. Vieles hatte sich verändert. Anderes würde sich noch ändern. Aber was, fragte sie sich, würde bleiben, was würde sich nicht verändern, was würde ihre lebensverändernden Entscheidungen überdauern? Chrissi? Doch die Eltern? Die Literatur?

Sie wollte eine Zigarette rauchen, aber ein riesengroßes 'Rauchen Verboten'-Zeichen prangte vor ihr auf der Rückseite des Fahrersitzes. Sie schaute zum Fahrer, der sie gierig durch den Rückspiegel angaffte und fragte unschuldig. "Darf man hier rauchen?"

Der Typ grinste. "Ein Mädel wie du darf hier alles!"

Julia zuppelte eine Zigarette aus ihrer Tasche und steckte sie sich in den Mund. Der Fahrer hielt ein Feuerzeug nach hinten und zündete ihr die Zigarette an. "Gesundheit ist überwertet," lachte er.

Genüsslich zog sie den Qualm ein und lächelte. "Absolut", sagte sie und blies den Rauch provokant zur Seite.

Der Taxifahrer grinste über beide Ohren. "Kann ich dir sonst noch eine Freude machen?"

Julia schüttelte den Kopf. "Sorry, ich bin verabredet. Vielleicht ein anderes Mal."

Er knurrte und konzentrierte sich wieder auf die Straße, klopfte enttäuscht aufs Lenkrad. "Sehr schade, wirklich sehr schade."

Sie fuhren über die Leine und erreichten bald den Hauptbahnhof, um den herum stets viel Verkehr herrschte. Sie erinnerte sich plötzlich an die Taxifahrt, damals, letzten Sommer, als sie vor lauter Überforderung und nach ihrem ersten Freier vor dem Berliner Taxifahrer, während sie am Hauptbahnhof vorbeigefahren waren, angefangen hatte zu heulen. Diese Zeiten waren lange vorbei. Ihr Leben hatte sich von Grund auf geändert. Sie schämte sich nicht für das, was sie war. Sie schaute auf das Taximeter, als sie sich dem Stadtwall näherten. Es zeigte bereits beinahe 20 Euro an. Sie schämte sich nicht nur nicht mehr, sie bejahte sich.

Sie blies den Rauch aus und sagte unbeteiligt. "Wenn du mir die Fahrtkosten erlässt, blase ich dir einen?"

Der Taxifahrer glupschte. "Watt?"

Julia zuckte mit den Achseln. "Dann eben nicht."

Er schüttelte schnell mit dem Kopf. "Nee, das meine ich nicht, hab ich mich verhört, oder hast du mir gerade angeboten, dass du mir einen bläst?"

Julia nickte. "Ja, hast richtig gehört, aber nur wenn du das Ding da," sie zeigte auf das Taximeter, "auf Null setzt und ausschaltet."

Er schnaufte. "Geil! Biste 'ne Professionelle, oder war?"

Sie runzelte die Stirn. "Is das ein Problem?"

Eifrig schüttelte er den Kopf. "Nee, natürlich nicht. Älteste Gewerbe der Welt, wie man ja so sagt. Außerdem hab ich mir schon sowas gedacht, so wie du aussiehst und so, aber man weiß heute ja nie. Studentinnen laufen ja auch manchmal herum wie Nutten. Man will ja niemandem zu nahe treten, nicht?"

Julia grinste. "Ja, es wird immer schwerer als Nutte herauszustechen. Hast schon recht, aber wenn im Einsatz bin, glaub mir, sehe ich krasser aus, um Missverständnisse zu vermeiden!"

Der Taxifahrer klopfte wild und belustigt aufs Lenkrad. "Geile Sache, geile Sache!"

Sie schnaufte. "Also, was ist? Lust auf Naturalienausgleich?"

Er nickte gierig. "Und ob, dein Nuttenmäulchen sieht sehr appetitlich aus."

Sie erreichten den Nikolausberger Weg und bogen bald in die Wilhelm-Weber-Straße ein. Julia zeigte auf dem Parkplatz vor dem Eingang des Botanischen Gartens. "Dort drüben."

Das Taxi fuhr an den Straßenrand und Julia kletterte auf den Beifahrersitz. Der Taxifahrer schaltete das Taximeter aus und begann seinen bereits ausgepackten Schwanz zu wichsen. Julia beugte sich unversehens in seinen Schoß und nahm die fette Eichel in ihren Mund, begann zu saugen und zu lutschen. Je mehr Schwänze sie lutschte, desto gleicher wurde der Geschmack irgendwie. Details kümmerten sie wenig. Sie mochte die Hitze, die Härte, das ungeduldige Pochen und Beben. Wie erwartet kam der Taxifahrer sofort. Er stöhnte, stammelte wieder "geil, geil, geil" und warf den Kopf in den Nacken. Julia nahm sich ein Taschentuch und säuberte sich den Mund. Er schaute sie an. "Hast wohl alles geschluckt, du Luder?!"

Julia grinste und nickte. Der Taxifahrer seufzte. "Mannomann, ein geiles versautes Ding bist du! Wo erreicht man dich denn, wenn man mal'ne richtige Nummer drehen will?"

Sie schaute ihn an. "Maschmühlenweg, aber nicht heute. Und dann kostet es dich aber was. Regeln sind Regeln."

Er grinste. "Klaro, bin ja nicht von gestern. 'ne Braut wie du fickt'n Typ wie mich nicht für lau."

Julia klopfte ihm auf den Oberschenkel. "Mach dich nicht schlechter als du bist. Bist doch ganz gut in Form. Ich fick halt für Geld, ist also nicht persönlich gemeint."

Er grinste breit. Julia stieg aus und sah Chrissi bereits vor dem Eingang warten. Das Taxi fuhr hinter ihr brummend los, während sie in Richtung Eingang stöckelte. Chrissi trug einen Hosenanzug, sehr elegant, in Cremefarben, dazu eine weiße Wollmütze, und verspielte, halbhohe Damenschuhe. Sie sah aus wie eine Geschäftsfrau. Julia fühlte sich im Vergleich billig aussehend und trotzdem sehr gut dabei. Chrissi wollte einer Welt angehören, die für sie, Julia, nicht in Frage kam.

Chrissi rümpfte die Nase, als Julia an sie herantrat. Sie musterte sie von oben bis unten und schimpfte. "Hast du da gerade etwa dem usseligen Taxifahrer einen geblasen?"

Julia schaute sie ruhig an. "Ja, und?!"

Chrissi atmete tief ein. "Meine Fresse, Jules. Du machst es einem wirklich nicht leicht!" Sie schüttelte den Kopf. "Echt jetzt," starrte sie Julia an, "du verabredest dich mit mir und bläst dann dem Taxifahrer einen, hier, vor allen Leuten?!"

Julia seufzte. "Soll ich gehen? Willst du dich streiten? Willst du mir einfach nur sagen, was für eine beschissene Freundin ich bin? Ich meine, wenn ich noch eine," sie zeichnete Anführungsstriche in die Luft, "'Freundin' für dich bin?!"

Chrissi schmollte. "Ja, du bist noch," sie zeichnete ebenfalls Anführungsstriche in die Luft, "'eine Freundin'. Aber so eine Scheiße! Du hast'se nicht mehr alle, wirklich nicht! Ich weiß wirklich nicht mehr, wer du bist!"

"Natürlich weißt du das," sagte Julia und stemmte beide Arme in die Hüfte. "Du bist die einzige, die mich je wirklich kannte, wir beide, und Kanthner, letztes Schuljahr, weißt du noch?"

Chrissi schaute betreten weg. "Das ist eine lange Zeit her."

"Nicht für mich," posaunte Julia.

Chrissi schnaufte. "Okay, lass uns spazieren gehen. Ist das okay? Ich meine, bekommst du das hin? Einfach so ein Ticket zu kaufen, ohne direkt mit deinem Körper zu bezahlen?"

Sie zeigte auf das Tickethäuschen hinter sich. Julia nickte. "Ja, das bekomme ich hin." Nach einem Seitenblick fügte sie hinzu. "Vielleicht."

Chrissi schritt verärgert und abwinkend zu dem Tickethäuschen und kaufte zwei Eintrittskarten. Sie hielt eines der beiden Tickets Julia vor die Nase. "So machen das zivilisierte Menschen. Sie zahlen mit Geld."

Julia schnappte sich das Ticket und stöckelte, ohne zu antworten, durch den Eingang. Chrissi schritt hinter ihr her. Nach ein paar Metern stoppte Julia vor einem leeren, verdorrten Blumenrondell. "Ich dachte, du willst dich vertragen?"

Chrissi nickte. "Ja, dachte ich auch." Sie zeigte hinter sich zu dem Parkplatz vor dem Eingang. "Aber das hat mich kalt erwischt. Sorry. Plötzlich krabbelt meine Freundin, für alle zu sehen, auf den Beifahrersitz und ihr Kopf verschwindet. Was sollen denn die Leute denken?!"

Julia nickte. "Willst du dich oder willst du dich nicht vertragen?"

Chrissi ging stumm auf sie zu, hakte sich bei ihr ein. Sie gingen ein paar Schritte, ohne zu reden, dann seufzte sie. "Ja, Jules, das will ich. Es, ich meine, es fällt mir nur schwer, mit dem ganzen Mist klarzukommen. Wo warst du eigentlich gestern? Ich habe den ganzen Tag auf eine Antwort gewartet. Ich dachte schon, du sprichst nicht mehr mit mir!"

Julia schaute sie nachdenklich an. "Ich war auf'm Parkplatzstrich und hatte mein Privatphone nicht dabei. Ich hab die Nachricht erst eben gesehen."

Chrissi runzelte die Stirn und löste ihren Arm. "Auf'm Parkplatzstrich?!"

Sie atmete tief ein und aus. "Du machst es einem wirklich nicht leicht, Jules. Parkplatzstrich? Echt jetzt? Und das sagst du so nebenher?"

Julia kramte aus ihrer Handtasche eine Zigarette und zündete sie sich an. "Wieso nicht? Und wieso mache ich es dir schwer?" Sie inhalierte den Rauch und schaute Chrissi an. "Ich sag doch immer die Wahrheit, geradeheraus."

Chrissi schluckte. "Ja, das tust du." Sie schaute die rauchende Julia nachdenklich an und winkte ab. "Gib mir auch eine?"

Julia verstand nicht richtig. "Du meinst, eine Zigarette?"

Chrissi nickte. "Ja, eine Zigarette, wärst du so nett?"

Julia gab ihr eine Zigarette und zündete sie ihr an. "Ich dachte, du rauchst nur in Discos und auf Partys."

Chrissi zuckte mit den Achseln. "Wenn ich dich so ansehe, dann sind wir doch auf einer Party, oder?"

Julia grinste. "Und ob!"

Sie gingen in Richtung Arboretum, rauchten schweigend. Die Absätze knirschten im Kies. Chrissi schaute sie an. "Das ist jetzt nicht nur eine Phase, oder so?"

Julia schüttelte den Kopf. "Nein, das ist es nicht. Es überrascht mich selbst, aber es ist, wie es ist. Ich bin jetzt eine Nutte und habe einen richtigen Zuhälter."

Chrissi schüttelte den Kopf. "Wie krass." Sie pausierte. "Das Leben ist so krass, Jules. Findest du nicht auch, dass es krass ist. Hättest du je gedacht, dass du das sagst, was du soeben gesagt hast."

Julia antwortete nachdenklich. "Nee, niemals. Aber ich habe immer gewusst, dass mein Leben so nicht weitergehen kann. Das habe ich dir immer gesagt. Erinnerst du dich nicht?"

Chrissi nickte. "Ja, ich erinnere mich. Ich hätte nur nicht gedacht, na ja, egal."

Sie erreichten eine Parkbank und setzten sich hin. Chrissi verlangte eine weitere Zigarette, starrte schweigend für einen Moment in die Ferne. Julia wartete. Sie wusste, dass Chrissi ihr etwas sagen wollte und eine kurze Bedenkzeit benötigte. Chrissi atmete tief ein und aus. "Jules?"

"Ja?"

Chrissi schaute sie an. "Ich muss über etwas reden, und du bist die einzige, mit der ich immer über alles reden konnte. Schon immer."

Julia lächelte sie an. Chrissi atmete durch. "Es fällt mir schwer, es zuzugeben. Ich habe eine Weile gedacht, das geht vorbei, das wird irgend so eine strange Episode bleiben, aber nun dauert es schon fast ein Jahr." Sie schüttelte den Kopf. "Okay, als hier kommt es," sie pausierte, atmete durch, "ich habe eine Affäre."

Julia runzelte die Stirn. "Das ist alles?! Du meinst, du betrügst Johannes? Johannes, der dich permanent mit Nutten betrügt?"

Chrissi nickte. "Ja, ich betrüge Johannes, aber nicht mit irgendwem." Sie pausierte, schaute Julia ernst an. "Ich betrüge ihn, und zwar nach Strich und Faden, richtig heftig."

Julia sagte nichts. Sie wartete nur. Sie wollte ihrer besten Freundin alle Zeit der Welt einräumen, die sie benötigte, um sich Luft zu verschaffen. Chrissi seufzte, ließ den Kopf hängen und murmelte. "Ich betrüge ihn nämlich mit Ulf."

"Ulf?! Du meinst, mit seinem Vater?"

Chrissi nickte. "Ja. Es war nicht geplant, aber jetzt nimmt es besorgniserregende Züge an." Sie starrte in Richtung Boden und schüttelte den Kopf. "Er ist wie eine Naturgewalt, Jules. Ich kann ihm nicht widerstehen. Ich versuche es immer wieder."

Julia schluckte und beschloss, sofort reinen Tisch zu machen. "Du weißt, dass Ulf meinen Zuhälter kennt, oder?"

Chrissi nickte und winkte ab. "Ja, ja, ich weiß, und sei beruhigt! Ich weiß auch, dass er dich bereits gefickt hat."

"Und es stört dich nicht?"

Chrissi schüttelte den Kopf, zögerte, spielte nervös an ihrem langen blonden Haaren, zog an ihrer Zigarette. "Nee, hab ihn ja nicht anders kennengelernt. Ich meine, ein Kerl wie er, klar geht er zu Nutten." Sie winkte ab. "Wie soll eine Frau genug für ihn sein?!" Sie atmete schwer. "Er ist wahnsinnig dominant. Ich fühle mich mega unterlegen, einfach überfordert."

Tränen liefen Chrissi über die Wange. Julia nahm ein Taschentuch und tupfte die Wangen trocken. "Ganz ruhig, Chrissi, ich bin's. Du kannst mir alles sagen."

Chrissi schaute sie traurig an. "Ich war eine so dumme Zicke zu dir. Es tut mir so schrecklich leid. Ich habe ein mega schlechtes Gewissen. Ich habe doch nur so getan, als wäre ich mega eifersüchtig auf dich und Johannes, dabei, na ja, war ich eigentlich voll erleichtert und durfte es nur nicht zeigen." Sie starrte zu Boden. "Ich hätte gar nichts dagegen, wenn mich Johannes verlässt und ihr zusammenkommt. Ich bin so eine verlogene Kuh. Ich bin die beschissene Freundin. Ich schäme mich so sehr. Ich weiß nicht, wie das alles passieren konnte. Ich hatte mir das alles ganz anders vorgestellt. Ich ... "

Chrissi begann zu schluchzen, warf die halbangerauchte Zigarette weg und vergrub ihr Gesicht in ihre Hände. Julia streichelte Chrissi über den Rücken. "Schon gut. Ganz ruhig. Schwamm drüber, okay? Wie hat das denn alles angefangen?"

Chrissi nickte, schluchzte. "Es ist einfach alles außer Kontrolle gelaufen, die ganze Scheißsituation. Er ist einfach zu besitzergreifend. Er hat einfach die Kontrolle über mein Leben übernommen, und ich schaue einfach nur zu. Ich ... ich verfluche ihn, wenn er nicht da ist, aber wenn er vor mir steht, dann ..." Chrissi begann zu heulen. "... dann bin ich einfach nur glücklich, dann will ich ihn spüren, ihm alles geben, für ihn da sein. Ich verstehe das einfach nicht. Ich erkenne mich selbst nicht wieder. Dieser Blick, dieser Scheißblick von ihm, und diese Stimme, etwas in mir zwingt mich, niederknien, mich ihm hinzugeben."

Julia runzelte die Stirn und nahm sie in den Arm. "Sei nicht so streng zu dir. Du scheinst ja richtig verliebt in ihn zu sein."

Chrissi schaute sie mit tränenüberströmten Gesicht an. "Liebe? Wer spricht da von Liebe? Ich fühle mich wie'ne Gefangene. Was redest du da für einen Mist? Er ist doppelt so alt wie ich. Wie soll ich ihn denn lieben? Das ist alles so falsch, so mega falsch. Mein ganzes Leben entgleitet mir. Alles! Mein Job, meine Beziehung, meine Freundschaften, mein Ruf."

Julia beruhigte sie, streichelte sie. "Chrissi, jetzt mal langsam. Nichts gerät hier außer Kontrolle. Beende es einfach. Rede mit Johannes, suche einen Ausweg. Wie hat das denn alles angefangen?"

Chrissi schnaufte, zeigte auf Julias Zigarette. Julia verstand, gab ihr eine Zigarette und zündete sie ihr an. Chrissi inhalierte tief den beruhigenden Qualm. "Okay," sie schaute um sich. Niemand außer ihnen war weit und breit zu sehen. Sie seufzte. "Okay, ich erzähl dir, wie es anfing."

Chrissi erzählt von ihrem letzten Jahr.

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