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Chapter 40

What's next?

Joker: Eine unerwartete, aber nicht unerfreuliche Begegnung

Juliens Frage kam für Heike insofern überraschend, weil sie bisher gar nicht darüber nachgedacht hatte, wie und wo sie dem Feuerwerk zuschauen wollte. Es wäre wohl normal und sozusagen das Richtige, das Ereignis gemeinsam mit ihrem Ehemann zu erleben. Doch wo blieb Klaus überhaupt?

Sie hatte ihn gebeten, ihr einen weiteren Cocktail zu besorgen. Die improvisierte Bar war in einem der großen Besprechungsräume aufgebaut und dorthin hatte sich Klaus auf den Weg gemacht. Wie lange könnte das dauern? Heike hatte nicht auf die Zeit geachtet. Doch sie wollte keine Entscheidung treffen, ohne zuerst mit ihm gesprochen zu haben. Deshalb unterhielt sie sich noch ein wenig mit Julien über Belanglosigkeiten. Als ihr Gatte dann immer noch nicht auftauchte, entschuldigte sie sich bei dem charmanten Franzosen.

„Ich will mal nachsehen, wo Klaus so lange bleibt.“

„Selbstverständlich. Soll ich mitkommen?“

„Nein, danke. Ich werde ihn schon finden.“

Der Wasseringenieur verstand den Wink, nickte ihr lächelnd zu und sah ihr nach, als sie in Richtung Flur verschwand. Schade, dachte er bei sich, es wäre interessant gewesen, mit der schönen Deutschen nachts hinaus ins Gelände zu fahren. Aber was nicht war, konnte ja noch werden …

Heike schob sich an den Grüppchen von plaudernden, trinkenden Männern vorbei. Dabei warf ihr mehr als einer explizite Blicke hinterher. Je höher der Alkoholspiegel, desto aufdringlicher. Sie ignorierte alle und strebte unbeirrt in Richtung des Getränkeausschanks.

Dabei bemerkte sie, dass sie noch ein anderes Bedürfnis hatte, nicht dringend, aber wenn sie schon mal auf dem Weg war … sie sah sich um und entdeckt am Ende des Korridors die Symbole für „Männlein“ und „Weiblein“. Sie änderte ihren Kurs.

Wenige Schritte bevor sie ihr Ziel erreichte, öffnete sich die Tür des Herren WCs von innen und ein hagerer, langer Lulatsch mit kurzen Haaren von der Farbe nassen Strohs kam heraus. Sie konnte ein freches Grinsen nicht unterdrücken, als sie sich sofort an ihre erste Begegnung mit ihm erinnerte.

„Oh, hallo Till! Schön dich zu sehen. Gefällt dir die Party?“

„Äh …“, er sah sie konzentriert an und schwieg, als suche er in seinem Gedächtnis nach ihrem Namen, aber wahrscheinlicher war, dass er einfach nur überlegte, was er antworten sollte, „ich nehme an. Mit Partys und so kann ich nicht wirklich was anfangen.“

„Ach so? Und was machst du dann hier?“

„Ehm. Ich arbeite.“

„Ach, Till. Lass dir doch nicht alles aus der Nase ziehen. Was genau arbeitest du, wenn alle anderen im ganzen Bürogebäude ihren Spaß haben? Und denke bitte daran, dass ich keinen blassen Schimmer von diesem Computer-Gedöns habe. Kannst du es mit Worten erklären, die eine Normalsterbliche versteht?“

„Denke schon.“

Sie sah ihn erwartungsvoll an. Zeit verging. Bis ihr der Geduldsfaden riss.

„Und, was?“, keifte sie genervt.

Till schreckte zusammen, als habe sie ihn geschlagen. Sein Alpen-Akzent klang noch stärker an, als er nervös ausführte:

„Ich habe mehrere Webcams aufgebaut, das sind kleine Kameras, die ihre Aufnahmen übers Internet streamen können, um das Feuerwerk heute Nacht aus verschiedenen Perspektiven aufzunehmen. Alle Aufnahmen werden hier zentral auf einem Server gespeichert. Daraus soll anschließend ein Film geschnitten werden.“

„Wow, spannend! Und so was kannst du?“

„Ist ja nicht kompliziert. Musste dafür nur leider herkommen, weil ich die Kameras nicht per Fernsteuerung aufstellen konnte. Und wenn ich schon da bin, logge ich mich direkt am Server ein. Hätte ich sonst vom Apartment aus remote gemacht.“

Heike verstand wieder nur einen Bruchteil, aber es gefiel ihr einfach, wie der arme Nerd dabei ins Schwitzen kam, ihr alles erklären zu müssen. Er sah aus, als würde er am liebsten unsichtbar werden und sei kurz davor, dass ihm mehrere Sicherungen durchbrannten.

„Äh, ich muss dann auch …“

Er schob sich mit dem Rücken an der Wand an der süffisant lächelnden Blondine vorbei und wandte sich einer Tür auf der gegenüber liegenden Seite des Korridors zu, auf der ein Schild „Server Room – No Entry“ prangte. Er hielt seinen Mitarbeiterausweis an den Türöffner, es summte und der Eingang sprang auf. Rasch drückte er sich hindurch.

Aber Heike war schneller. Sie schlüpfte hinter ihm durch den Türspalt, eher er ihn wieder schließen konnte.

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