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Chapter 9 by Daemony Daemony

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In der Sakristei

Mathias verbrachte eine sehr unruhige Nacht und den ganzen Tag über wurde er von dunklen Vorahnungen geplagt. Er brachte nichts Vernünftiges zustande und entwickelte sich zu einem wahren Nervenbündel. Endlich kam die Stunde der Vorabendmesse. Die Kirche war besser besucht als gewöhnlich, wodurch sich seine Nervosität nur noch steigerte. Er spulte die Liturgie mechanisch und ohne Herzblut herunter, was ihm mehr als einen verwunderten bis verärgerten Blick einbrachte. Hastig sprach er die Schlussformel.

"Es segne euch der allmächtige Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. Gehet hin in Frieden."

Und wie es Tradition war, antwortete die Gemeinde. "Friede sei mit euch. Amen."

Entgegen jeder Gepflogenheit wartete er aber nicht ab, bis die Gläubigen das Haus Gottes verlassen hatten, sondern er hastete schon in Richtung Sakristei, während die letzten Worte nicht ganz verklungen waren.

Eilig betrat er den kleinen Raum, der trotz seiner bescheidenen Größe normalerweise eine ehrfurchtsvolle Atmosphäre ausstrahlte. Er wurde von einem breiten Spitzbogenfenster erhellt. Der Boden bestand aus abgenutzten Steinfliesen, so alt wie das Gebäude selbst. Die Wände waren schlicht und farblos blass verputzt. Ein schwerer Eichenschrank mit geschnitzten Verzierungen füllte eine Wand vollständig aus; das Holz war so dunkel, dass es fast schwarz wirkte. In ihm wurden die Messgewänder, Altartücher und liturgischen Gefäße ordentlich aufbewahrt. An der Stirnwand hing ein schlichtes, altes Kruzifix, dessen bemalte Christusfigur von zahllosen Generationen ehrfürchtig betrachtet worden war.

Doch heute fiel Pater Mathias’ Blick sofort auf die Fremde, die in der Mitte des Zimmers wartete. Sie stand da wie eine Statue, unnatürlich ruhig und vollkommen still, mit einer Haltung, die zugleich Überheblichkeit und kaum unterdrückte Belustigung ausstrahlte. Ihre Kleidung war einfach, fast unauffällig – ein langer bordeauxroter Mantel, der bis zu ihren Knöcheln herab reichte und sie vollkommen umhüllte. Ihr Gesicht war teils im Schatten verborgen, und doch funkelten ihre Augen wie zwei kalte Sterne. Sie trug das Haar hochgesteckt, nur eine lose Strähne umspielte ihre Wange, als hätte der Wind sie berührt – ein Wind, der in diesem geschlossenen Raum nicht existieren konnte.

Der Priester blieb wie angewurzelt stehen, das Gefühl von Beklemmung wuchs mit jedem Atemzug. Es war, als hätte die Frau den Raum durch ihre bloße Anwesenheit verändert – die Luft war schwerer, die Schatten dunkler, und die vertrauten Gegenstände schienen plötzlich fremd und unnahbar. Sie löste ihre Augen von dem Kruzifix, das sie aufmerksam betrachtet hatte, drehte bedächtig den Kopf in seine Richtung, als hätte sie erst jetzt bemerkt, dass sie nicht mehr allein war.

"Pater Mathias", sagte sie mit tiefer Stimme, dunkel und samtig, "schön, dass du hier bist."

"Hatte ich denn eine Wahl?", fauchte er sarkastisch.

Sie ließ sich von seiner rüden Erwiderung nicht aus der Ruhe bringen, schritt langsam auf ihn zu und antwortete so leise, dass er das Wort eher von ihren Lippen lesen musste, als dass er es hörte.

"Nein."

Aus der Bewegung heraus öffnete sie ihren Mantel und zeigte ihrem Gegenüber, dass sie nichts darunter trug. Mit einer rollenden Bewegung ihrer Schultern streifte sie ihn nach hinten ab. Pater Mathias wollte seinen Blick abwenden, konnte aber nicht anders, als sie fasziniert zu betrachten. Denn im selben Maß, wie sich ihre Nacktheit offenbarte, verwandelte sich ihr Äußeres. Aus dem schlanken, dunkelhaarigen Vamp wurde ein blondes Mädchen mit Babyspeck an den richtigen Stellen. Gleichzeitig wandelte sich ihre Miene von einem zweideutigen Grinsen zu einem scheuen Lächeln.

Mathias blinzelte verwirrt. Er kannte die Person, die so plötzlich vor ihm stand. Zumindest erkannte er ihr Gesicht und die ein wenig pummelige Gestalt. Selbstverständlich hatte er sie noch nie unbekleidet gesehen. Und doch, sie war es. Er starrte sie an und brachte nicht mehr als ein Stammeln heraus.

"Äh ... Eh ... Erika?"

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