Want to support CHYOA?
Disable your Ad Blocker! Thanks :)

Chapter 32

What's next?

Hamzas Aura der Macht

Heike folgte der Einladung, die Aussicht aus den umlaufenden Panoramafenstern zu genießen. Unter ihr breitete sich die umliegende Provinz aus. Die Deutsche war immer noch verwundert, wie grün das Land im Vergleich zu ihrer Vorstellung war. Für sie verband sich der Orient mit klischeehaften Bildern von riesigen Sanddünen und trockenen Wadis. Hier aber war das Klima aufgrund der geografischen Besonderheiten und der Höhe von über 2000 Metern über dem Meeresspiegel nicht so wüstenheiß, wie man annehmen würde. Im Allgemeinen herrschten milde Temperaturen zwischen zwölf und dreiundzwanzig Grad.

Sie wusste aus dem Internet, dass die Provinz für die Herstellung von Honig sowie für die landwirtschaftliche Produktion von Gemüse, Getreide, Obst und Datteln sowie besonders für ihre Granatäpfel bekannt war. Die lebendige Vegetation mit eigenen Augen zu sehen, war aber nochmal etwas ganz anderes.

Weit unter ihr krochen Autos und Lastwagen wie Insekten über graue Asphaltpisten. Die Menschen sahen so winzig aus, dass sie sie kaum ausmachen konnte. Wie hoch über dem Erdboden waren sie?

„Eintausend Fuß, über dreihundert Meter“, beantwortete Hamza ihre unausgesprochene Frage, als ob er ihre Gedanken gelesen hätte, „ich hatte darauf bestanden, dass mein Büro exakt auf dieser magischen Höhe liegt. Es ist das oberste begehbare Stockwerk, darüber befinden sich nur noch Technikräume. Das Gebäude wurde extra als Hauptquartier für unser Projekt errichtet. Es ist das Höchste in der ganzen Stadt, in der ganzen Provinz sogar.“

Stolz schwang in seiner Erklärung mit. Es ist doch immer das Gleiche mit den Jungs, dachte die Zuhörerin, sie müssen einfach damit prahlen, den Größten zu haben.

Er war nah hinter sie getreten. Heike stützte sich mit beiden Händen an der Glasscheibe vor ihr ab. Durch das bodentiefe Fenster in den Abgrund zu schauen, ohne Geländer oder sonst eine erkennbare Sicherung, löste leichten Schwindel in ihr aus. Doch ging die wahre Gefahr in diesem Turm nicht von der Tiefe aus, wie sie nach und nach erkannte.

Sie war sich der Nähe des mächtigen, attraktiven Mannes überaus bewusst. Auch ohne ihn sehen zu können, spürte sie seine unmittelbare Präsenz. Sein Atem strich sanft über ihre von dem leichten Sommerkleid unbedeckten Schultern. Sie konnte die Wärme, die er ausstrahlte, durch das dünne Gewebe fühlen. Sein herber, männlicher Duft, eine würzig-orientalisch-schwere Komposition umwehte sie und drang in ihre Nüstern. Am stärksten empfand sie aber eine nicht-stoffliche Aura, die von ihm ausging und begann, Besitz von ihr zu ergreifen.

Sie atmete tief ein, kniff die Augen zu dünnen Schlitzen zusammen und lehnte sich nach vorne. Sie war betört und wie gelähmt. Was immer hier und jetzt geschehen sollte, sie würde es geschehen lassen.

Seine kräftige Hand legte sich an ihre Wange und drehte ihren Kopf sachte ein wenig nach links.

„Dort“, sagte er und wies in die angegebene Richtung, „entsteht die Stadt, an der Ihr Mann mitarbeitet. Sie können von hier die Baukräne sehen. Es ist das gewaltigste Bauprojekt im ganzen Land. Wir investieren viele Milliarden, um für die Menschen und die Natur eine bessere Zukunft zu schaffen. Sie können stolz auf Klaus sein, dass er einen wichtigen Teil an dieser Vision mitgestaltet.“

Heike war schlagartig ernüchtert, als habe man ihr einen Eimer eiskaltes Wasser über den Kopf gekippt.

„Ah, ja. Ziemlich weit weg“, konstatierte sie trocken, ohne auf seine Lobrede einzugehen.

„Genau, wir stampfen die Stadt quasi aus dem jungfräulichen Boden.“

Als habe sich ein Schleusentor geöffnet, referierte er über geplante Einwohnerzahlen, enorme Kosten, Quadratkilometer bebaute Fläche, Megatonnen bewegtes Erdreich, Wohnungen für unzählige Menschen, Einkaufsmöglichkeiten und Arbeitsplätze und als Höhepunkt grüne Energie und Klimaneutralität.

Es war offensichtlich, dass er für das Projekt brannte. Heikes Hitze hingegen hatte sich verflüchtigt.

„Oh, es tut mir leid, ich langweile Sie“, schloss er seine Erzählungen ab.

„Aber überhaupt nicht, das war alles sehr – interessant.“

Es gelang ihr nicht vollständig, glaubwürdig zu klingen. Mist, Mist, Mist, dachte sie, hoffentlich habe ich nicht wieder alles kaputt gemacht. Das Schlimmste wäre für sie, wenn sie den Big Boss verärgert hatte und der seinen Ärger an Klaus auslassen würde.

Hamza schien glücklicherweise nicht brüskiert zu sein oder er zeigte es zumindest nicht. Ganz Gentleman bot er ihr seinen Arm an, um sie zu einer mit edlem Leder bezogenen Sitzgruppe zu geleiten.

„Möchten Sie etwas ****?“

Ohne ihre Antwort abzuwarten, schritt er an die holzvertäfelte Wand, berührte eine Stelle, die sich in keiner Weise von der umgebenden Fläche unterschied. Wie von Geisterhand bewegt schwang eine drei Meter breite Sektion der Wandverkleidung zur Seite und gab eine reichhaltig ausgestattete Bar frei.

Integrierte Ambiance-Beleuchtung flammte auf und brachte Kristall und eine großzügige Auswahl an Flaschen mit vielfarbigem, vornehmlich alkoholischem Inhalt zum Leuchten. Der Scheich wandte sich seinem Gast zu.

„Champagner? Weißwein? Vielleicht einen Martini? Nein, Sie wollen bestimmt ein Bier, so wie alle Deutschen.“

Eine glühende Klinge bohrte sich in Heikes Magengrube. Die unerwünschte Erinnerung daran, wie und womit sie das Bier bezahlen musste, das sie für Klaus bestellt hatte, kam mit Macht zurück. Ihre Kehle war wie zugeschnürt. Sie fasste sich an den Hals und rang nach Luft.

Hamza reagierte alarmiert.

„Was haben Sie? Ist Ihnen nicht gut? Soll ich einen Arzt rufen?“

„Nein, nein. Danke. Nur ein kleiner Schwächeanfall. Alles wieder gut.“

Sie bemühte sich, ruhig und tief durchzuatmen. Allmählich beruhigte sich ihr Puls wieder.

„Wenn Sie erlauben, Eure Hoheit, dann würde ich jetzt gerne in unsere Unterkunft zurückkehren.“

What's next?

More fun
Want to support CHYOA?
Disable your Ad Blocker! Thanks :)