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Chapter 9
What's next?
Goldilocks and the three Bears
Die Heimfahrt erlebte ich wie in Trance. Ständig schweiften meine Gedanken ab zu den verstörenden Bildern, die ich gesehen hatte. Es war schlimm, was Mia angetan worden war. Für mich war es aber noch schlimmer, dass sie sich mir nicht anvertraut hatte. Ich überlegte, welche Schlüsse ich daraus ziehen und wie ich damit umgehen könnte. Glaubte sie nicht, dass ich ihr helfen könnte? Oder wollte sie meine Hilfe gar nicht? War dies das Ende unserer großartigen Mutter-Tochter-Beziehung?
Und noch etwas anderes beanspruchte mein Denken mehr, als mir lieb war. Meine Tochter hatte mit gerade einmal achtzehn Jahren schon viermal so viele harte Schwänze gesehen, wie ich in meinem ganzen Leben. Ich wusste nicht, ob es Neid oder Frustration war, was ich bei dieser Erkenntnis fühlte. Jedenfalls musste ich mir eingestehen, dass mein Sexleben eine einzige riesige Katastrophe war. Und ich hatte keine Ahnung, wie ich das ändern sollte.
Die entscheidende Frage, wie ich auf das unverschämte Angebot von Annas Eltern reagieren sollte, trat daneben völlig in den Hintergrund.
Als ich schließlich zuhause ankam, war ich völlig durch den Wind. Es war schon spät und ich hoffte, dass Mia bereits ins Bett gegangen war, damit ich die Konfrontation mit dem Unausweichlichen noch etwas in die Zukunft schieben konnte. Tatsächlich war der Hausflur, nachdem ich unsere Wohnungstür leise aufgeschlossen hatte, stockdunkel und es erklangen von nirgends irgendwelche Geräusche. Erst als ich mein Ohr an die Tür zu Mias Zimmer legte, hörte ich leises, regelmäßiges Atmen. Erleichtert schlich ich auf Zehenspitzen ins Bad, um sie nicht zu wecken.
Dort wartete aber die nächste Herausforderung auf mich. Der Wäschekorb stand bewegungslos und unscheinbar in der Ecke. Mir aber schien es, als locke er mich, hineinzuschauen. Nein, ich wollte nicht kontrollieren, ob Mias Sachen befleckt waren. Was wäre ich für eine Mutter, wenn ich ihr auf diese Weise hinterher spionieren würde? Allerdings wusste ich ja schon, was ich vorfinden würde. Obwohl, war der Vorfall von heute das erste und einzige Mal, dass sie mir etwas nicht erzählt hatte? Gäbe es auf anderen Kleidungsstücken noch andere Spuren? Vielleicht sogar in ihrer Unterwäsche? Unter Aufbieten aller Willenskraft ließ ich den Korb links liegen und putzte meine Zähne.
Als ich meine eigenen verschwitzten Sachen zur Schmutzwäsche werfen wollte und dabei zwangsläufig in den Korb sah, lagen dort zuoberst Mias Shirt und darauf ihr Einhorn-Slip und ihr Hello-Kitty-BH. Ein vielstimmiger Hello-Titty-Chor dröhnte plötzlich in meinen Ohren. Ich stand wie versteinert vor den schmutzigen Klamotten meiner Kleinen. Mein Blick verschleierte sich, weil mir Tränen in die Augen stiegen. Glücklicherweise bewahrte mich das davor, die Wäsche genauer anzusehen. Ich riss mich zusammen und pfefferte mein weißes Träger-Shirt obendrauf, gefolgt vom Jeansrock und meiner schlichten schwarzen Baumwollunterhose.
Ich fühlte mich zerschlagen und todmüde. Dennoch fand ich keinen Schlaf und wälzte mich unruhig in meinem Bett hin und her. Immer wieder sah ich auf die Digitalanzeige des Weckers. Die Zeit verging unendlich zäh. Ich wusste, dass ich nicht vermeiden konnte, eine Entscheidung zu treffen. Keine der Optionen auszuwählen, wäre auch eine Entscheidung. Nämlich die, dass ich meine Tochter nicht schützen würde. Das Mobben würde weitergehen, vermutlich noch drastischer werden. Zudem hatte ich dann keine Handhabe dagegen, dass dieses unsägliche Video weiter verbreitet wurde.
Letzten Endes ergab ich mich ins Unvermeidliche. Ich knipste die Nachttischlampe an und setzte mich auf. Die Uhr zeigte kurz vor drei. Ich angelte mein Handy heran, um Florian von Stein meine Antwort zu geben. Da fiel mir auf, dass ich die Visitenkarte in die Tasche meines Rocks gesteckt hatte. Ah! Ich stürzte aus dem Bett und sauste ins Bad, um die Karte aus der Wäsche zu retten. In der Hast knallte ich die Badezimmertür zu. Der Krach hallte durch unsere Wohnung und war vermutlich auch im ganzen Haus zu hören gewesen. Leise fluchend erstarrte ich und lauschte, ob sich etwas regte. Erleichterung überflutete mich, als die Stille durch nichts mehr gestört wurde. Die Visitenkarte wie einen Schatz in den Händen haltend machte ich mich daran, zurück in mein Zimmer zu schleichen.
Ich erschrak fast zu Tode, als eine Gestalt im Flur auf mich wartete. Ich realisierte sofort, dass es Mia war, die durch den Lärm aufgewacht war. Trotzdem erleichterte mich diese Erkenntnis nicht, denn es bedeutete, dass ich die unangenehme Auseinandersetzung damit, was ich ihr sagen sollte, nicht wie erhofft bis zum nächsten Tag hinausschieben konnte.
Sie gähnte ausgiebig und hob dabei eine Hand vor ihren Mund, wodurch das Oberteil ihres Bibi-und-Tina-Schlafanzugs soweit verrutschte, dass ich den Ansatz ihrer kleinen, weißen Brüste sehen konnte. Ich hatte sie am Abend zuvor schon ausgiebig, vollkommen unverhüllt und in Überlebensgröße betrachtet. Und dennoch war diese unabsichtliche Andeutung ihrer Nacktheit viel bemerkenswerter. Unwillkürlich fragte ich mich, wer sie möglicherweise noch so gesehen hatte. Ob sich Mia der Wirkung dieser koketten Zurschaustellung bewusst war. Ob es möglicherweise Jungs - oder Mädchen - gab, denen sie sich absichtlich in dieser Weise präsentierte.
"Was ist denn los?" Ihre schlaftrunkene Frage holte mich dankbarerweise in die Realität zurück.
"Ach, nichts. Ich bin nur im Halbschlaf aufs Klo und dabei ist mir die Tür ausgerutscht und zugeschlagen. Entschuldige, ich wollte dich nicht wecken."
"Schon gut, ich geh wieder ins Bett."
Sie ließ ihren Kopf nach vorne sinken, wodurch ihre langen blonden Haare in ihr Gesicht fielen und es fast verdeckten, drehte sich um und schlurfte auf nackten Sohlen zurück in ihr Schlafzimmer. Auch ich verschwand eiligst, aber penibel darauf achtend, kein weiteres unnötiges Geräusch zu verursachen.
Im funzelnden Licht der Lampe las ich die Karte: Florian von Stein, Senior Legal Consultant, sowie seine Telefonnummer. Ich tippte eine SMS und las sie noch einmal aufmerksam durch: "Guten Abend, Herr von Stein. Ich bin einverstanden und unterschreibe. Marion Huber" Dann drückte ich auf Senden. Ein Piepsen bestätigte, dass die Nachricht weg war. Erleichtert atmete ich aus.
Ich hoffte, nun endlich einschlafen zu können, nachdem mein Entschluss gefallen war. Morgen würde ich weitersehen. Jetzt brauchte ich erstmal Ruhe. Ich löschte das Licht und drehte mich auf die Seite.
Zu meiner großen Überraschung ertönte zwei Minuten später ein Tsching-Geräusch und schreckte mich wieder auf. Entgeistert starrte ich auf das erleuchtete Display meines Handys. Ich hatte eine Einladung zu einem Gruppenchat bekommen. Da stand: "Melde dich mit dem Nickname Goldilocks an." Zweifellos konnte diese Nachricht nur von einer Person stammen. Mir dämmerte, dass ich ihm mit meiner SMS auch meine Nummer verraten hatte. Nun war es zu spät, um noch etwas daran ändern zu können. Ergeben öffnete ich die App und als die Abfrage des Namens erschien, tippte ich "GOLDILOCKS" ein. Der Chat wurde angezeigt und ich sah, dass bereits "Papa Bear" und "Mama Bear" angemeldet waren. Noch während ich versuchte, mir einen Reim darauf zu machen, tauchte ein weiterer Benutzername auf: "Baby Bear".
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Die Mobberin meiner Tochter
Was tut eine Mutter, damit ihr Tochter nicht mehr gemobbt wird?
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