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Getane Arbeit
Noch bevor die Sonne über den Hügeln aufstieg, standen Darian und Corvin wieder mit den Sensen auf dem Feld. Die Arbeit war ihnen inzwischen vertraut geworden, auch wenn sie ihnen nichts von ihrer Schwere genommen hatte. Mit jedem Schwung der Sense, jeder gebundenen Garbe und jedem beladenen Wagen spürten sie die Anstrengung in Armen und Schultern.
Dennoch ging ihnen die Arbeit nun flüssiger von der Hand.
Sie hatten sich an den Rhythmus des Feldes gewöhnt.
Konrad war am frühen Morgen mit seinem kleinen Wagen zum Markt im Nachbardorf gefahren, um einige Waren zu verkaufen und dringend benötigte Vorräte einzukaufen.
So arbeiteten Darian und Corvin zunächst allein.
Erst gegen Mittag sahen sie den alten Bauern über den Feldweg zurückkehren.
„Ich hoffe, ihr habt mir nicht die ganze Arbeit weggenommen“, rief er ihnen lachend entgegen.
Corvin stemmte die Hände in die Hüften.
„Nur fast.“
Konrad lachte herzlich, stellte seinen Wagen am Hof ab und griff selbst wieder zur Sense.
Gemeinsam machten sich die drei an das letzte verbliebene Feld.
Als die Sonne langsam tiefer sank, fiel schließlich auch die letzte Garbe.
Für einen Moment sagte niemand etwas.
Die drei Männer blickten schweigend über das abgeerntete Feld.
Wo noch vor wenigen Tagen goldenes Korn im Wind gewogt hatte, lagen nun sauber aufgereihte Garben, bereit zum Einlagern.
Konrad atmete tief durch.
„Geschafft.“
Ein einziges Wort.
Doch in ihm lag ehrliche Erleichterung.
Gemeinsam kehrten sie zum Hof zurück.
Im Haus wartete bereits das Abendessen.
Der Duft eines kräftigen Gemüseeintopfs erfüllte den Raum, dazu hatte Tilda frisches Brot gebacken.
Als Darian sie begrüßte, lächelte sie zwar höflich, doch das unbeschwerte Funkeln der vergangenen Abende war verschwunden.
Während des Essens sprach sie kaum.
Immer wieder schien sie in Gedanken zu versinken.
Wenn Darian oder Corvin sie ansahen, senkte sie den Blick oder wandte sich einer anderen Aufgabe zu.
Selbst Corvin, dem sonst kaum etwas entging, verzichtete auf seine üblichen Scherze.
Konrad bemerkte die stille Stimmung ebenfalls, sagte jedoch nichts dazu.
Vielleicht kannte er den Grund.
Vielleicht wollte er ihn nicht vor seinen Gästen ansprechen.
Nach dem Essen stellte der Bauer seinen Krug beiseite.
„Ich möchte euch beiden danken.“
Seine Stimme war ruhig, aber aufrichtig.
„Ohne eure Hilfe hätte ich die Ernte niemals rechtzeitig eingebracht.“
Er sah erst Corvin, dann Darian an.
„Ihr habt härter gearbeitet, als ich es von zwei reisenden Soldaten erwartet hätte.“
Corvin lächelte.
„Wir mussten schließlich beweisen, dass wir unser Essen verdienen.“
Konrad nickte anerkennend.
„Das habt ihr.“
Er griff nach einem kleinen Lederbeutel und legte ihn auf den Tisch.
„Hier ist euer Lohn.“
Darian wollte zunächst widersprechen.
„Das ist zu viel.“
„Nein.“
Konrad schob den Beutel entschlossen zu ihnen.
„Ihr habt ihn euch verdient.“
Für einen Augenblick herrschte Schweigen.
Dann erhob Konrad seinen Krug.
„Auf gute Helfer.“
Die anderen stießen mit ihm an.
Später, als der Abend sich dem Ende neigte, erhoben sich Darian und Corvin.
„Wir brechen morgen früh auf“, sagte Darian.
„Die Hauptstadt wartet.“
Konrad nickte langsam.
„Dann wünsche ich euch sichere Straßen.“
Tilda stand neben der Tür.
Sie verabschiedete sich leise von beiden und wünschte ihnen ebenfalls eine gute Reise.
Mehr sagte sie nicht.
Doch als Darian an ihr vorbeiging, meinte er für einen flüchtigen Augenblick Traurigkeit in ihrem Blick zu erkennen.
Vielleicht fiel ihr der Abschied schwer.
Vielleicht dachte sie auch an etwas ganz anderes.
Er konnte es nicht wissen.
Gemeinsam gingen Darian und Corvin hinüber zum Heuschober.
Sie legten ihre wenigen Habseligkeiten bereit, damit sie am Morgen keine Zeit verlieren würden.
Corvin streckte sich im Stroh aus und verschränkte die Hände hinter dem Kopf.
„Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal traurig sein würde, einen Acker zu verlassen.“
Darian lächelte.
„Man gewöhnt sich schneller an einen Ort, als man glaubt.“
Der Wind strich leise durch die Scheune.
Draußen lag der Hof friedlich im Mondlicht.
Für eine letzte Nacht würden sie noch unter Konrads Dach schlafen.
Mit dem nächsten Sonnenaufgang aber würden sie ihren Weg nach Süden fortsetzen – der Hauptstadt entgegen und einer Zukunft, die ihnen noch vollkommen verborgen war.
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