Die Probleme hören nicht auf...
Gespräch mit der Polizei
Moritz und ich mussten uns nur einmal anschauen, um uns einig zu sein: Wir machten uns sofort auf den Weg nach unten, und tatsächlich hielt uns auf dem Weg aus der Klinik auch niemand auf. Offenbar hatte die Krankenschwester die Wahrheit gesagt, dass sie auf unserer Seite war. Vielleicht waren wir auch einfach schneller, als jemand reagieren konnte, oder der Polizeieinsatz lenkte die Aufmerksamkeit von uns ab - sogar der Wachmann unten in der Lobby hatte seinen Posten verlassen und sah interessiert zu, was da vor der Tür geschah.
Wir stürmten nach draußen und direkt auf die Polizisten zu, die Andy am Boden hielten. Weit kamen wir aber nicht, denn ihre beiden Kollegen traten uns in den Weg. "Zurückbleiben, bitte", sagte einer, "das hier ist ein Polizeieinsatz."
"Das da ist unser Freund", stieß ich hervor. "Wieso nehmen sie ihn fest?"
"Dazu dürfen wir ihnen nichts sagen", meinte der andere Polizist. "Gegen ihn liegt ein Haftbefehl vor."
Ich starrte den Polizisten an. "Wieso denn ein Haftbefehl?"
Der Polizist schüttelte den Kopf und wollte mir wohl etwas entgegnen, aber Moritz kam ihm zuvor. "Er soll was mit dem Verschwinden seiner Halbschwester und ihrem Freund zu tun haben, richtig?"
"Woher-"
"Wir SIND die Halbschwester und ihr Freund", sagte Moritz. "Können sie Andy also bitte gehen lassen?"
Ganz so einfach war es nun doch nicht, und wir mussten alle mit auf das örtliche Polizeirevier kommen, um noch einmal alles restlos aufzuklären. Wie sich herausstellte, hatte Jenny das getan, was wir vereinbart hatten und die Polizei gerufen, nachdem Moritz und ich uns nicht mehr bei ihr gemeldet hatten. Die Polizei hatte Moritz' Auto gefunden und tiefer im Wald auch Reifenspuren - und auch ein Betäubungsgeschoss, das uns verfehlt hatte und in einem Baum gelandet war. Das hatte ausgereicht, um eine Fahndung auszulösen, in deren Folge auch Andys Handy und seine EC-Karte überwacht wurden. Und nachdem er uns vorhin ein Taxi gerufen und danach mit seiner Karte bezahlt hatte, war die örtliche Polizei unmittelbar verständigt worden - und hatte Andy schließlich vor dem Kinderkrankenhaus entdeckt. All das rekapitulierte ein Kommissar Trautmann noch einmal vor uns, als Moritz und ich in seinem Büro saßen.
"Und jetzt würde mich mal interessieren", sagte er, "wer mit einem tierärztlichen Narkosegewehr auf Sie geschossen hat."
"Andys Mutter", sagte Moritz, "oder besser gesagt, einer ihrer Handlanger. Sie hat uns mit einer Nachricht von seinem Handy in den Wald gelockt, um Tina dort zu fangen. Dass sie mich auch mitgenommen haben, war wohl eher Zufall."
Ich nickte. "Das Wichtigste ist aber, dass sie immer noch unsere Tochter hat! Die hat sie nämlich schon vor ein paar Tagen entführt!"
Kommissar Trautmann sah auf. "Ihre Tochter wurde entführt?"
"Das haben wir schon ihren Kollegen im Auto gesagt", ereiferte ich mich, "aber die haben gar nicht zugehört und gemeint, ich sollte meine Aussage hier bei ihnen machen! Und dabei weiß ich inzwischen, wo sie ist!"
"Wenn das so ist..." Der Polizist drehte sich von seinem Computer weg und griff nach einem Notizblock. "Wie heißt denn ihre Tochter, und haben sie ein Bild von ihr?"
Moritz begann sofort, sein Handy nach einem Foto zu durchsuchen, um es Kommissar Trautmann zu zeigen. "Sie heißt Maja", sagte ich inzwischen.
Der Polizist sah auf. "Aber das ist ja noch ein Baby!"
"Eben!" sagte ich. "Und im Moment ist es in der Panacea-Klinik an der Weißen Elster. Oder besser gesagt, in einem der beiden Untergeschosse."
"Was, die Bauruine?" Kommissar Trautmann sah mich misstrauisch an. "Das Ding wird doch seit drei Jahren nicht fertig!"
Ich nickte. "Aber da halten sie sich versteckt. Andys Mutter und ihre beiden Handlanger."
Der Polizist notierte etwas auf dem Notizblock. "Also gut", sagte er, "bei einem entführten Kleinkind haben wir auf jeden Fall Gefahr im Verzug. Ich schicke sofort ein paar Kollegen hin."
"Schicken sie besser ein Einsatzkommando", sagte Moritz. "Die drei sind bewaffnet und zu allem fähig."
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