Kann uns die Polizei helfen?
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Ein richtiges Sondereinsatzkommando rollte zwar nicht aus, aber immerhin stellte Kommissar Trautmann acht Beamte in voller Montur für die Durchsuchung der Klinik bereit. Während er ihnen Anweisungen für den Einsatz gab, blieben Moritz und ich alleine in seinem Büro zurück.
"Ob sie sie wohl finden?" murmelte ich.
"Ich hoffe doch", sagte Moritz. "Wir haben zwar ein paar Stunden Zeit hier verplempert, aber Ashley rechnet vielleicht nicht damit, dass jetzt plötzlich die Polizei vor der Tür steht."
Nachdenklich schüttelte ich den Kopf. "Wenn ich an ihrer Stelle wäre, würde ich mindestens Maja von dort wegbringen", gab ich zurück. "Ohne Maja gibt es keine Beweise dafür, dass wir die Wahrheit sagen."
Moritz legte mir eine Hand auf die Schulter. "Dass wir in der Klinik gefangen waren, kann man leicht beweisen", sagte er. "Da unten ist alles voll von DNS-Spuren von uns dreien. So ganz leicht wird Ashley ihren Kopf nicht aus der Schlinge ziehen können."
"Hoffen wir es mal." Ich legte meine Hand auf die von Moritz. "Ich finde es übrigens immer noch keine wirklich gute Idee, dass wir die Polizei mit reingezogen haben."
"Aber du warst doch selbst dafür", warf Moritz ein.
Ich schüttelte den Kopf. "Nicht wirklich, Schatz", gab ich zu, "aber du wolltest es, also war ich auch einverstanden. Jetzt, wo wir hier auf dem Revier sitzen, frage ich mich, ob das nicht doch ein Fehler war."
Moritz zog mich sanft an sich. "Wird schon klappen, mein Liebling."
Wir saßen so noch etwas beisammen, und einige Minuten später kam dann Kommissar Trautmann zurück. "Die Kollegen sind jetzt unterwegs", sagte er, "sobald wir ihre Tochter gefunden haben, bekommen sie dann Bescheid. Wollen sie hier noch warten, oder möchten sie erst mal nach Hause gehen?"
"Nach Hause gehen ist nicht so leicht", sagte Moritz, "wir wohnen nämlich nicht in der Gegend."
"Was ist mit Andy?" wollte ich wissen. "Ich hoffe, sie lassen ihn auch gehen!"
Der Polizist nickte. "Natürlich. Ihre Aussage hat ja den Anfangsverdacht gegen ihn widerlegt. Ich nehme mal an, seine Vernehmung dürfte inzwischen auch beendet sein. Lassen sie uns doch mal nachsehen."
Wir standen auf und folgten Kommissar Trautmann in den Vorraum des Reviers. Tatsächlich saß da bereits Andy auf einem der Stühle und sah von seinem Handy auf, als er uns kommen sah. "Na, da seid ihr ja!" sagte er. "Ist alles geklärt?"
"Na ja, Maja haben wir noch nicht wieder zurück", meinte ich. "Aber die Polizei ist gerade unterwegs zur Klinik. Vielleicht erwischen sie Ashley ja noch."
"Glaub ich nicht", gab Andy zurück. "Die wird über alle Berge sein, sobald sie gemerkt hat, dass wir weg sind. Warum habt ihr überhaupt die Polizei auf mich gehetzt?"
Moritz hob die Hand. "Ich hab darauf bestanden, dass wir nicht ohne Absicherung zu dem Treffen im Wald gehen, wo wir dachten, du wartest auf uns."
Mit einem Kopfschütteln winkte Andy ab. "Eigentlich müsstet ihr mich ja inzwischen besser kennen. Andererseits: auch mein liebes Schwesterchen war ja nicht besser, wenn sie bei der ganzen Sache mitgemacht hat. Dafür kommt sie uns jetzt abholen."
"Wie, abholen?" Ich sah ihn überrascht an. "Jenny kommt hierher?"
"Jupp." Andy grinste. "Hab sie gerade angeschrieben, und sie hat sich sofort auf den Weg gemacht. Sie braucht halt ein paar Stunden bis sie hier ist, aber wir müssen nach Hause nicht wieder ein Taxi nehmen."
Ich stupste Moritz an. "Dann kriegen wir vielleicht sogar noch Bescheid, was bei der Razzia in der Klinik rauskommt!"
Moritz nickte. "Das wäre dann endlich mal ne gute Nachricht."
Tatsächlich dauerte es etwa zwei Stunden, ehe Kommissar Trautmann uns noch einmal zu sich ins Büro bat, diesmal zu dritt. "Ich wollte ihnen kurz Rückmeldung zu ihrer Tochter geben", sagte er. "Leider habe ich keine guten Nachrichten."
"Ist ihr was passiert?" wollte ich wissen. "Oder haben sie sie nur nicht gefunden?"
"Keine Spur von einem Baby, tut mir leid", berichtete er. "Tatsächlich war das ganze Gebäude vollkommen verlassen. Es gab noch nicht mal Strom da drin."
Moritz schüttelte verständnislos den Kopf. "Als wir da waren, gab es auf jeden Fall Strom."
Ich nickte. "Und bestimmt haben sie auch Spuren von uns gefunden, und von unseren Entführern."
"Spuren gesichert haben wir bisher noch nicht", sagte der Polizist. "Das durften wir auch noch gar nicht. Wir waren wegen Gefahr im Verzug dort und haben das Gebäude nach einem Baby und möglichen Entführern durchsucht. Für eine volle Spurensicherung brauche ich erst mal einen richterlichen Durchsuchungsbefehl."
"Aber dort ist ein Verbrechen passiert!" wandte Moritz ein. "Wir wurden entführt und dort festgehalten!"
Kommissar Trautmann schüttelte den Kopf. "Da sie inzwischen ja wieder frei sind, gibt es keine Dringlichkeit, also muss ich auf den Durchsuchungsbefehl warten", erklärte er. "Verdunklungsgefahr besteht nicht mehr; die Kollegen haben den mutmaßlichen Tatort ja inzwischen abgesichert. Und der zuständige Richter hat meinen Antrag auch schon vorliegen, also werden wir wohl morgen weitermachen können."
Andy verdrehte die Augen. "Sie waren also da, sie haben nach einem Baby gesucht, aber sonst nach nichts?"
"Nicht ohne richterliche Anordnung", nickte der Polizist. "Polizeiarbeit muss sich an Recht und Gesetz halten."
"Ja, hat sich auch so angefühlt, als ihre Kollegen mich festgenommen haben", gab Andy zurück. "Die hätten auch mit mir reden können, ohne mich dabei umzuschmeißen."
Kommissar Trautmann hob die Schultern. "Bei ihnen hatten wir einen Haftbefehl", sagte er. "Da sehen sie den Unterschied, den ein richterlicher Beschluss macht."
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