Want to support CHYOA?
Disable your Ad Blocker! Thanks :)

Chapter 29 by Papas_Liebling Papas_Liebling

What's next?

Ganz oben

Die Rooftop Bar lag im obersten Stockwerk des Hotels. Gedämpfte Musik hüllte sie so weich ein wie die Sessel, in denen man fast zu versinken drohte. Hinter den raumhohen Scheiben ringsum erstreckte sich Washington D.C. im silbernen Vormittagslicht.

Von hier oben wirkte die Stadt atemberaubend.

Zwischen den historischen Monumenten, die von den fast 300 Jahren Geschichte der USA erzählten, ragten schlanke Türme aus Glas und Stahl. Dazwischen zogen surrende Drohnen wie übergroße Käfer ihre Bahnen. Auf dem Potomac glitten autonome Fähren schnurgerade über dunkles Wasser. Tief unten bewegten sich die grünen Wipfel der Bäume im Wind.

Doch unter dieser wunderschönen, perfekt wirkenden Oberfläche war alles falsch.

Marie konnte es nicht sehen. Aber sie spürte es.

Irgendwie erinnerte sie die Stadt an Jenkins: nach außen hin elegant und makellos — darunter eiskalt und misogyn.

Steve führte sie zu einem Tisch direkt am Fenster. Unterwegs fing er den Blick des Kellners ein und hob zwei Finger.

Er blieb stehen, bis sie sich setzte, rückte ihr den Stuhl zurecht. Ganz Gentleman.

Die zwei Gläser kamen fast sofort. In jedem exakt ein Fingerbreit Bernstein. Als Marie ihres entgegennahm, fing sie den intensiven Duft nach Vanille und Karamell auf mit einer Note von Eichenholz und Zimt.

"Whiskey?"

"Bourbon."

Eigentlich war es zu früh für ****. Eigentlich.

Und andererseits schon zu spät.

Sie nahm einen viel zu großen Schluck. Der Bourbon brannte brutal in ihrer Kehle. Genau das, was sie jetzt brauchte.

Wärme breitete sich in ihrem Magen aus. Langsam. Gefährlich angenehm.

Steve beobachtete sie dabei.

Nicht aufdringlich. Nicht kontrollierend. Einfach nur aufmerksam.

Er achtete auf sie. Schien sich wirklich für sie zu interessieren.

Und plötzlich war ihr das unangenehmer, als wenn er ein ebenso gefühlloses, dominantes Schwein wie Jenkins gewesen wäre.

Sie nahm noch einen Schluck Whiskey. Zu hastig und musste husten.

Ein kurzes, echt amüsiertes Schmunzeln blitzte über sein Gesicht.

Verdammt. Das stand ihm gut.

Marie drehte langsam das Glas zwischen ihren Fingern. Der **** begann bereits, die scharfen Kanten ihrer Gedanken weicher zu machen. Er ließ ihre Ängste nicht verschwinden. Nur… verschwimmen.

"Du weißt, was unten... im Büro passiert ist?" Ihre Stimme kaum mehr als ein betretenes Flüstern.

Er zwinkerte nur einmal. Natürlich wusste er es. Das war schließlich Teil seines Jobs.

"Ich dachte, ich wüsste, was ich zu tun habe. Gleichzeitig wusste ich mit Sicherheit, dass es ein Fehler ist." Ein bitteres Lächeln erschien auf ihren Lippen. "Und ich tat es trotzdem."

Steve sagte noch immer nichts.

Sie sah aus dem Fenster. Minuten vergingen. Draußen surrte aufgeregt ein Schwarm Polizeidrohnen vorbei, ihre blinkenden blauen Lichter verliehen dem Bild etwas Surreales.

"Du hättest dich nicht gegen ihn wehren können."

Steves Worte kamen ruhig und sachlich. Keine Entschuldigung, kein Trotz. Nur eine Tatsache.

Mit einer Schuldzuweisung oder Beleidigung hätte sie besser umgehen können. Darauf hätte sie wenigstens wütend reagieren können oder sich verteidigen. So aber blieb ihr nur, es zu akzeptieren.

Noch war sie nicht bereit dazu.

"Du ahnst nicht, wozu ich alles in der Lage bin."

Steve schüttelte langsam den Kopf. Seine Augen blickten seltsam traurig.

"Du verstehst es immer noch nicht. Meine Anwesenheit ist dein einziger Schutz. Wenn ich nicht da wäre, könnte nichts diesen Kellner davon abhalten, dich hinter der Theke von dir einen blasen zu lassen oder dich gleich auf dem Tisch hier zu ficken. Niemand würde ihn aufhalten, niemand würde ihn dafür verurteilen."

Unwillkürlich schaute Marie in Richtung Tresen. Der junge Mann, der sie bedient hatte, war groß, auf eine männliche Weise schön, mit perfekt gestylten Haaren und adrett gekleidet. In einer Bar in Europa hätte sie womöglich mit ihm geflirtet. Vielleicht sogar mehr.

Aber sie wollte – oder konnte – ihn sich nicht als **** vorstellen.

Steve musste ihre Gedanken an ihrem Gesicht abgelesen haben.

"Du glaubst das nicht? Ich werde es dir beweisen."

Das war kein Spiel. Keine Ironie.

Marie wusste, sie sollte ihn zurechtweisen und ihm sagen, dass sie das nicht wollte. Gleichzeitig spürte sie, wie ihre Abwehr durch den Whiskey und das abflauende Adrenalin durchlässig wurde. Und darunter begann etwas anderes sich zu regen.

Steve winkte den Kellner heran.

What's next?

Comments

      Want to support CHYOA?
      Disable your Ad Blocker! Thanks :)