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Chapter 60 by Bitbuster Bitbuster

Versuchstier

Experimente

Am nächsten Morgen wurde Patrick von Geschirrgeklapper und Kaffeeduft geweckt.

Noch etwas verschlafen murmelte er ein „Guten Morgen“.

„Ah, guten Morgen, Langschläfer“.
„Wie spät ist es?“ fragte er.
„Schon fast 05:30“ bekam er als Antwort.
„Ich stehe sonst nie vor 06:00 auf“.
„Frühstückst Du nicht?“
„Nö, ...selten.“
„Ich habe schon Brötchen und mir einen Kaffee repliziert. Was möchtest Du?“
„N' Tee“
„Oh, der Herr ist grummelig, weil er so früh geweckt wurde.“ meinte Svea schnippisch.

Noch etwas schlaftrunken wälzte Patrick sich aus dem Bett und steuerte den Sanitärbereich an.
„Tee 5“ war das letzte, was sie hörte, bevor er durch die Tür verschwand.
Sie replizierte ihm seinen Tee und auch noch etwas Milabeerenkonfitüre.

Wenige Minuten später kam Patrick angezogen wieder in den Wohnraum zurück, auf das Rasieren hatte er heute verzichtet.

„Stehst Du immer so früh auf?“
„Ja, schon, ich muss doch vor dem Schichtwechsel noch die Übergabe machen“.

„Achja“ murmelte er und schaute zum Schreibtisch, den sie zum Frühstückstisch umfunktioniert hatte. Sie setzten sich und während er seinen Tee trank, bestrich sie eine Brötchenhälfte mit der Konfitüre.

„Was'n das?“ fragte er und deutete auf die Konfitüre.
„Das ist aus Milabeeren, von Bajor“.
„Hm“ brummelte er.

Sie seufzte und bestrich auch die zweite Hälfte vom Brötchen, um es ihm dann rüberzureichen.
Etwas lustlos kaute er auf dem Brötchen herum.

„Was ist denn los?“ fragte sie etwas besorgt.
„Nichts, ist einfach noch zu früh“ brummelte er wieder.
„Ich feiere am Wochenende meinen Geburtstag. Brauchst Du eine Einladung oder kommst Du auch so vorbei?“

Stimmt, Sophia hatte das schon gesagt“ schoss es ihm durch den Kopf und auch die Idee mit dem Geschenk fiel ihm wieder ein.

„Wann und wo?“
„Sa. 18:00 auf dem Holodeck, gibt auch was zu Essen.“
„Hm“ dabei nickte er mit dem Kopf.
„Komm, so anstrengend war es doch gestern nicht“ meinte sie nun ebenfalls etwas mürrisch.

Hast Du eine Ahnung“ dachte er, sagen konnte er es nicht, ohne sich zu verraten.

„Nein, schon gut. Ich brauche heute einfach ein paar Minuten länger, um richtig wach zu werden“.
„Ah – ja“ sagte sie bewusst sehr gedehnt, aber er ging darauf nicht weiter ein.

Nachdem sie ihr Frühstück beendet hatte, räumte sie kurz das Geschirr zusammen und verabschiedete sich. Patrick nutzte die Zeit und legte sich noch einmal kurz ins Bett.

Kurz vor 07:00 meldete sich der Wecker und er ging ins Labor. Sein erster Weg führte ihn in Sophias Büro, die wie üblich den Schichtwechsel von der Gamma- zur Alfaschicht mitmachte.

„Guten Morrrrgen, mein Katerrrr“ schnurrte sie ihm entgegen.
„Guten Morgen“ erwiderte er den Gruß.
„Und? Gut gefickt?“ fragte sie mit einem Grinsen.
„Sophia!“
„Ja, ja, schon gut. Hatte der Herr einen interessanten Abend?“
„Ja, hatte er. Kannst Du wirklich riechen, wenn eine Frau … also ich meine, wenn sie…Du weißt schon“
„Hatte ich Dir schon einmal gesagt und ja, kann ich noch immer.“

Nachdenklich nickte er mit dem Kopf.

„Du bist bestimmt auch bei Sveas Geburtstagsfeier, oder?“
„Klar, ICH habe auch schon ein Geschenk“
„Schon gut, ich werde auch noch was replizieren“

Mit einem Wink deutete sie an, dass er zur Tür schauen sollte.

Koshiko betrat gerade die Laborräume und Patrick verabschiedete sich schnell und ging sich ebenfalls umziehen.

Wie so oft passierte nichts, was irgendwo hätte vermerkt werden müssen und kurz vor der Mittagspause ging Sophia zu den Beiden.

„Ich habe gerade von Steven eine Info bekommen, Du möchtest nach der Pause zur KS gehen.“
„Zur KS?“ fragte er nach.
„Ja, da wird Steven auf Dich warten.“

Interessiert schaute Koshiko zwischen Sophia und Patrick hin und her.

„Es geht um Material zur Zeitlinie“ erklärte Sophia und Koshiko nickte.

Beim gemeinsamen Essen versuchte Sophia noch einmal ganz einfach zu erklären, warum er, oder genauer sein Körper, so wichtig war.

„Also: Alles im Universum schwingt, alles hat seine eigene Wellenlänge. In der Quantenmechanik gehört es zum Allgemeinwissen, dass die Materie in Wirklichkeit nichts anderes als Schwingung ist. Wenn wir Dinge in immer kleinere Einheiten aufspalten, kommen wir in eine Welt, in der alles nur noch aus Teilchen und Wellen besteht. Auf Atomgröße erkennt man, dass alles aus nichts anderem besteht als aus Elektronen, die sich um einen Atomkern herum bewegen. Je nach Anzahl und Form der Elektronen besitzt das Atom eine charakteristische Schwingung. Auch die Elektronen, die negativ geladenen Teilchen, bestehen nicht aus fester Materie, sondern sind etwas Wellenartiges, was ständig um einen Atomkern herum schwingt. Alles vibriert und bewegt sich. Ein ständiges auf und ab. Aus der Amplitude und der Frequenz zur Zeit t lässt sich ein Punkt auf der Kurve bestimmen…“

„Schon gut, schon gut. Also um zu errechnen, wie weit man zurückreisen muss, braucht man die Zeit von heute bis zur Zeit zu der man möchte und um die richtige Zeitlinie zu finden braucht man diesen Faktor aus Amplitude und Frequenz?“

„Ganz so einfach nicht, aber im Grunde ja, so in etwa.“

Nach dem Essen kehrten Sophia und Koshiko zurück ins Labor und Patrick ging zur Krankenstation.
Dort wurde er bereits von Steven, dem WO des Schiffes, sowie Melinda, der LMO und einer Krankenschwester erwartet.

„Es wird laut und warm bis heiß, aber mehr passiert nicht“ erklärte ihm Steven.

„Und damit Du immer auch medizinisch überwacht wirst, machen wir es hier auf der KS, anstatt in einem der Labore.“ ergänzte Melinda.

Klar, damit ich mir nicht ganz wie eine Laborratte vorkomme“ dachte sich Patrick.

Alle gingen gemeinsam in eines der Untersuchungszimmer, welches speziell für die Untersuchung vorbereitet worden war. Patrick bekam ein schweres Tuch über die Hüfte gelegt, welches bis zu den Oberschenkeln ging.

„Das ist so etwas wie die Bleischürze beim Röntgen damals“ erklärte die LMO und begann mit Steven zusammen kleine Elektroden an Patricks Körper zu kleben.

„Das benötigen wir zusätzlich zum Scan des Biobettes“ dozierte der WO in einer neutralen, fast mechanischen Art. Die Schwester steckte alle Enden in ein Bedienpult an einem großen Kasten und nach einigen Minuten war er mit gefühlten 100 Elektroden verkabelt.

Dann begann der wilde Ritt auf den verschiedensten Frequenzen, Amplituden und Schalldrücken. Zwischendurch war ihm richtig übel, was nur darauf hindeutete, dass man von der gesuchten „harmonischen“ Kombination weit entfernt war. Das Experiment dauerte einige Stunden und zum Ende lag er schweißgebadet und zitternd auf dem Biobett.

„Wir behalten Dich über Nach hier“ ordnete die LMO an und mit Hilfe einer anderen Schwester wurde er von den ganzen Kabeln befreit.

„Ist denn etwas dabei herausgekommen?“ fragte Patrick matt.
„Das kann ich Dir nicht sagen, Steven wertet die ersten Daten schon aus, aber das wird eine Zeit in Anspruch nehmen.“

Schwach nickte er und ließ seinen Kopf auf das Kissen fallen.
Die Krankenschwester deckte ihn zu und gemeinsam mit der LMO ließen sie ihn erst einmal schlafen.

Zum Schichtwechsel beauftragte die LMO wie üblich Claire, als leitende Ärztin der Betaschicht, sich um Patrick zu kümmern.

Claire hatte es sich gerade im Dienstbüro gemütlich gemacht, als Svea die KS betrat.

„Wie geht es denn deinem Patienten?“ fragte sie.
„Soweit gut, er schläft. Ist aber nach so einer Versuchsreihe völlig normal. Mal sehen, ob er morgen überhaupt aufstehen kann.“
„Wieso das?“ fragte Svea nach.
„Na, mit dem Infraschall wird der ganze Körper und damit auch die Muskeln durchvibriert und das kann dann schon wie ein Muskelkater sein.“ erklärte Claire.
„Dann kann er morgen nicht arbeiten?“ fragte eine Stimme aus dem Hintergrund.

Svea trat einen Schritt zur Seite und drehte sich um, während Claire nun direkt zur Tür sehen konnte.

„Hallo Sophia, dein Kater, ich meine, Dein Kollege hat eventuell einen Kater, also einen Muskelkater“ meinte Svea und wurde etwas rot dabei. Sie hatte Sophia versprechen müssen, niemanden zu sagen, dass sie Patrick als „mein „Kater“ bezeichnete. Es war Sophia mal im Gespräch mit Svea über ihn herausgerutscht und auch wenn Svea es „irgendwie niedlich“ fand, war es Sophia wiederum unangenehm.

„Äh, ja, genau. Also Brianna soll Patrick morgen früh noch einmal komplett untersuchen und dann entscheiden, ob er sich besser noch ausruhen sollte, oder gleich wieder ins Labor kann“ erklärte Claire die weitere Vorgehensweise.

„Kann ich zu ihm?“ fragte Sophia.
„Klar, Raum drei, aber bitte leise, er wird wohl schlafen“

Sofort machte sich Sophia auf den Weg.

„Die ist aber sehr besorgt“ meinte Claire zu Svea.
„Naja, immerhin hat sie ihn wohl dazu gebracht, dem Experiment zuzustimmen und fühlt sich wohl verantwortlich, wenn ihm etwas dabei passiert.“
„Achso, ja, verstehe. Kaffee?“
„Gerne“ nickte Svea zustimmend.

Während sich die Beiden über eine Beinverletzung und den nächsten Filmabend unterhielten, betrat Sophia leise den Raum mit der Nummer drei.

Tiefes Schnarchen war von Patrick zu hören und Sophia ließ das Licht auf nur 25% einschalten. Das reichte ihr, da sie durch ihre Katzenaugen in der Dunkelheit besser als die Menschen sehen konnte. Leise schlich sie zu ihm ans Bett und schaute ihm ins Gesicht.

Mit einem Lächeln fuhr sie ihm zärtlich durch das Haar und sofort wurde das Schnarchen leiser.

Da sie nicht wusste, ob sie ihn nun aufgeweckt hatte, blieb sie regungslos stehen. Kaum hatte sie ihre Hand weggenommen, wurde das Schnarchen wieder lauter. Dieses Spiel wiederholte sie noch zweimal und sie merkte sich: „Wenn er schnarcht, einfach die Hand auf den Kopf und es herrscht Ruhe“.

Sie löschte das Licht und verließ lautlos den Raum.

Wieder im Dienstbüro berichtete sie kurz, dass alles in Ordnung ist und sie bei Steven vorbeischauen wollte, ob sie dort noch irgendwie helfen konnte.

Nachwirkungen

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