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Chapter 16 by Daemony Daemony

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Eva wartet

Die schrägen Wände der Kammer schienen sich noch enger zusammenzuziehen, so als ob Eva in einer Falle säße, die ihr immer mehr ihrer Freiheit nahm, bis sie schließlich gänzlich erdrückt würde. Die groben, rissigen Holzbalken über ihr ächzten bedrohlich. Eva zog unwillkürlich die Schultern ein und duckte sich nach vorne, während sie sich auf die Bettkante setzte. Die kratzigen, grauen Wolldecken unter ihr gaben ihr ein Stück Realitätssinn zurück, versprachen aber keinen Trost oder Bequemlichkeit.

Evas Hände ballten sich in ihrem Schoß zu Fäusten. Ihre Fingernägel gruben sich in ihre Handflächen. Sie spürte aber den **** nicht. Ihre Gedanken kreisten nur um Julius. Sie meinte seine schweren Schritte auf dem Flur zu hören, wie er unaufhaltsam näher kam.

"Da wartest du. Um dich kümmere ich mich später", hatte er gesagt. Und es war kein Wunsch gewesen. Wie hatte er das gemeint, dass er sich kümmern würde? Was hatte er vor?

Die Antwort schoss ihr unerbeten, aber mit Macht ins Bewusstsein. Das Abbild ihres Onkels schob sich vor ihr inneres Auge und überlagerte sich mit dem des Dorfältesten. Es lief ihr kalt wie schmelzender Schnee den Rücken hinunter. Sie drückte die geballten Fäuste gegen ihre geschlossenen Augenlider, doch sie konnte die Vorstellung nicht bannen.

Die Schatten in den Ecken wurden tiefer. Eine einsame, halb niedergebrannte Kerze stand auf dem winzigen Tischchen. Eva wagte nicht, sie anzuzünden. Das Licht könnte ihn anlocken. Es wäre besser, in der Dunkelheit zu verharren, still und klein, möglichst unsichtbar zu werden. Vielleicht würde er sie übersehen, sie vergessen.

Angestrengt lauschte sie auf jedes noch so winzige Geräusch. Ein Knarren der Dielen, dass Quietschen einer sich öffnenden Tür. Wann würde er kommen? Würde es heute Nacht noch geschehen? Würde er sie ... anfassen? Würde er ...

Wenn ich schreie, käme niemand zu Hilfe. Wenn ich wegrenne, gäbe es keine Zuflucht.

Ihr Atem beschleunigte sich. Trotzdem blieb sie ruhig sitzen, mucksmäuschen still. Unhörbar und unsichtbar zu sein, sich vor ihrem Onkel zu verstecken, war immer ihre einzige Verteidigung gewesen. Vielleicht würde es auch jetzt helfen.

Ein Rascheln hinter der Wand ließ sie zusammenfahren. Der Geräusch scharfer Krallen auf hartem Holz. Eine Maus - oder etwas anderes, größeres. Das Rauschen gefiederter Schwingen über ihr. Raben.

Unwillkürlich schaute sie nach oben zu dem grauen Viereck des winzigen Fensters. Mattes Mondlicht schimmerte hindurch. Wolken ballten sich dunkel und unheilsschwanger über dem Dorf, das sich in das enge Bergtal duckte. Und wartete. Auf was auch immer kommen würde.

Und Eva wartete mit ihm.

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