Geht das hier auch in die Hose?
Es könnte besser laufen
Nachdem er ja nicht gut in 'Monikas' Kleider passte, nahm Steffen eine andere Gestalt an, die eher dem Körperbau von Felix' Traumfrau entsprach - weich und üppig, allerdings mit glattem blonden Haar. Auch sie hätte man nicht mit 'Monika' verwechseln können, aber immerhin würde sie nicht allzu viel Aufsehen erregen. Jessie warf noch einen prüfenden Blick auf das ganze Bild, das er jetzt abgab und nickte dann. "Kann man so lassen. Der Rock ist etwas eng, aber das kann man auch für Absicht halten."
Steffen drehte sich noch einmal in alle Richtungen. "Und das hier wirkt auch sicher natürlich?" Seine Stimme war erstaunlich hell und mädchenhaft in dieser Gestalt - wer auch immer das für seine Traumfrau hielt, hatte einen eigenartigen Geschmack.
"E-Es sieht gut aus", sagte zur allseitigen Überraschung Diana. "Sehr s-sexy." Sie kicherte leicht albern.
"Dann mal keine weiteren Verzögerungen", übernahm Tom wieder die Führung. "Syren, Areion, Thalestris - mit mir. Eidolon und Shorty kommen nach, sobald sie Syren singen hören."
Sie machten sich auf den Weg durch den Gang und kamen nach wenigen Minuten vorne an der Rezeption heraus. Die beiden Wachen von vorhin standen immer noch hier, sowohl der Bewaffnete am Eingang als auch sein Kollege hinter der Glaswand. Beide warfen ihnen fragende Blicke zu. "Sie werden nicht eskortiert?" wollte der Mann am Eingang wissen.
Tom schüttelte den Kopf. "Ihr Kollege hat wohl etwas mit der Zentrale zu besprechen und gesagt, wir sollen direkt an die Rezeption kommen. Unsere Anwälte haben wohl erfolgreich Einspruch gegen die Haft eingelegt."
"Dann bleiben sie bitte stehen", gab der Bewaffnete zurück und sah zu seinem Kollegen hinter der Glaswand. "Kannst du das bestätigen?"
"Moment..." Der andere Uniformierte sah auf seinen Rechner. "Ah, tatsächlich. Die sollen wieder freigelassen werden. Alle fünf-" Er stutzte und sah zu der Gruppe. "Aber da fehlt eine Person...?"
Jessie lachte. "Monika ist noch auf Toilette", sagte sie. "Kommt aber gleich nach."
Die Wache hinter der Glasscheibe schien beruhigt. "Dann kommen sie bitte einer nach dem anderen zu mir und holen sie sich ihre Ausweise ab. Ich brauche außerdem ihre Unterschrift, dass sie ihren gesamten Besitz zurückerhalten haben."
"Geht klar", sagte Tom und trat auf ihn zu, während sich die anderen hinter ihm anstellten. Er musste auf einem kleinen Bildschirm seine Signatur abgeben, danach griff der Wachmann neben sich und zog einen Ausweis hervor, verglich kurz das Bild mit Tom und reichte ihn dann zurück. Die gleiche Prozedur vollzog sich danach mit Diana, Alex und zuletzt Jessie, und nachdem diese ihren Ausweis wieder in den Händen hielt...
"Darf ich noch eine Sache sagen?" fragte sie die Wachen mit freundlichem Lächeln."
Der Uniformierte sah auf. "Ja?"
Jessie atmete tief ein und öffnete den Mund.
"Denk an mich, denk an mich zärtlich, wie an einen Traum", begann sie zu singen.
Der Blick des Wachmanns vor ihr vernebelte sich, kaum dass sie die ersten Töne gesungen hatte. Sein Kollege hinten im Raum sah verwirrt auf. "Äh, was soll das werden?" Er trat einen Schritt auf sie zu, aber da drehte Jessie sich zu ihm um:
"Erinn're dich - keine Macht trennt uns außer Zeit und Raum"
Auch die zweite Wache erstarrte mit offenem Mund. Tom trat auf sie zu und nahm ihr das Gewehr von der Schulter. Jessie wandte sich wieder dem Mann hinter der Glasscheibe zu:
"Gib ihn mir, Monikas Ausweis hier, alleine das will ich von dir"
Das war mit Sicherheit nicht der Originaltext des Liedes, dachte sich Alex innerlich grinsend - Jessie improvisierte offensichtlich - aber es schien wohl zu klappen: Der Wachmann griff wie in Trance neben sich und schob den letzten Personalausweis unter der Scheibe durch.
In diesem Moment kamen Steffen in seiner weiblichen Gestalt zusammen mit Malia in den Raum. Malia öffnete den Mund, wohl um etwas zu sagen, schloss ihn dann aber wieder, als sie verstand, was hier vorging. Ihr Gesichtsausdruck zeigte Anerkennung - offenbar war Jessie in ihrer Meinung gerade ein gutes Stück gestiegen.
"Lass das Gestern weiterleben, schließ es ein in dir!" sang Jessie, während sie den Ausweis einsteckte und sich zu den anderen umdrehte.
In diesem Moment öffnete sich die Tür hinter der Glasscheibe, und eine dritte uniformierte Person kam hinein. "Was ist denn das für ein Gesang-"
Sofort drehte sich Jessie wieder um und sah sie an: "Natürlich war von allem Anfang klar-"
"Was?" Die Wache sah sie verwirrt an, definitiv ohne zu verstehen, was hier geschah - allerdings: sie schien nicht in die gleiche Trance zu geraten wie ihre Kollegen. Jessies Gesichtsausdruck zeigte Überraschung - und dann merkten auch die anderen, wo das Problem lag:
Die dritte Wache war eine Frau. Und Jessies Gesang wirkte nur bei Männern.
Und in diesem Moment hatte diese Frau Malia in ihrer paradiesischen Nacktheit gesehen, und das Gewehr in Toms Händen. Ihre Augen weiteten sich. "Scheiße!"
"Kein Glück kann leuchten ewiglich", sang Jessie weiter, während sie sich langsam zum Ausgang der Rezeption zurückzog - ihr blieb ja nichts anderes übrig, wollte sie nicht die Kontrolle über die beiden anderen Wachen verlieren, und solange sie diese hatte, konnte sie auch etwas damit anfangen. Der Mann hinter der Scheibe wandte sich zu seiner Kollegin um, als bemerkte er sie gerade erst jetzt und streckte die Hände nach ihr aus.
"Aber wenn du dich allein fühlst - immer denk an mich!"
Unter Jessies Beherrschung versuchte er, die weibliche Wache zu fassen, aber die duckte sich unter seinem Griff weg und sprang direkt an den Tisch an der Glasscheibe, wo wie auf irgendeinen Knopf hieb. Im selben Moment begann ein Alarmton durch den Raum zu gellen, laut genug, um den Gesang zu übertönen.
"Los, raus hier!" brüllte Steffen, und alle begannen zu laufen. Die Wache am Ausgang schüttelte gerade noch ihre Benebelung ab, als Tom ihn den Kolben des Gewehres in den Bauch hieb und die Waffe danach so weit wie möglich von sich weg in den Raum warf, ehe er die Tür für die anderen öffnete. Sie rannten hinaus, angeführt von Steffen, und als letzte kam Malia an, die sowohl die kürzesten Beine hatte als auch noch dazu barfuß lief. Tom packte sie kurzerhand an der Hüfte, warf sie sich über die Schultern und trug sie wie ein Feuerwehrmann hinaus.
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