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Erster Tag zu hause

Chapter 59 by Geilspecht99 Geilspecht99

Die Aussicht auf einen Kaffee reichte schließlich aus, um auch Vicky aus dem Bett zu bringen. Beim Frühstück unterhielt sich James mit Siglinde über das Lehen, während Vicky noch damit zu tun hatte, munter zu werden. Nachher wollte James sich den Bauernhof und das Weingut ansehen, Vicky wiederum wollte sich mit Siglinde um das Schloss und den Papierkram kümmern.

Gleich nach dem Frühstück trat das Hauspersonal an und James stellte sich und seine Vögtin vor. Vicky ließ sich von Ludwik, der guten Seele des Schlösschens, das Gebäude zeigen, wobei sie auch die Personalunterkünfte nicht ausließ. Siglinde bereitete in der Zwischenzeit alle Korrespondenzen und Papiere vor, um die sich Vicky im Anschluss kümmerte. Bei der groben Durchsicht der Bücher trat zutage, dass sich das Gut früher primär durch die Abhaltung exklusiver Feste für betuchte Kundschaft rentiert hatte, denn die Erhaltung dieses Lustschlosses verschlang Unsummen. Jetzt nach dem Krieg war die Waldwirtschaft der einzige Bereich, der relevante Erträge lieferte. Die Einnahmen aus dem Weinverkäufen deckten gerade so die Grundkosten des Gutes ab, für Instandhaltung und Investitionen war kein Kapital vorhanden.

James besuchte den Bauernhof, lernte dabei auch die Altbauern Belomo und Sanja sowie die Jungbauern Xandrian und Yvonne mit ihren Zwillingen Xandria und Timor kennen. Belomo war ein Bär, von einem Mann, seine roten Haare verrieten ihn als Vater, des noch kräftigeren Xandrian, sowie von Tamira und Paolo. Der Hof war so groß, dass er problemlos alle Bewohner des Gutes ernähren konnte. Die Einkünfte der Landwirtschaft beschränkten sich auf den Verkauf von Holz, welches von einer Gruppe Holzfäller ganzjährig geschlagen wurden. Die Weingärten in den besten Hanglagen, die Ackerflächen, ein paar Weiden und der Schlosspark, waren die einzigen nicht bewaldeten Flächen des Gutes Glimmerwein, sodass Holz hier nie knapp wurde. James besichtigte mit den Bauern die Äcker und Felder, sah sich die Tiere an und legte seinen Untergebenen seine Vorstellungen, wie der Hof zu führen wäre, dar. Er trat dabei strenger auf als er eigentlich war, aber Vicky hatte ihn davon überzeugt, dass es so herum weiser war, um mit Untergebenen umzugehen. Aber beide erfuhren die dringlichsten Probleme, sowohl des Gutes als auch der Menschen in Glimmerwein.

Nach dem Essen verzichtete James auf die Siesta im Schloss, um sich das Weingut anzusehen. Vicky, die in dieser Zeit auch nicht zu ruhen gedachte, musste er mit Verweis auf den Abend beschwichtigen.

Das Hauptprodukt des Weingutes Glimmerwein ist ein fruchtiger Weißwein, im Volksmund gerne „Glimmerweiner“ genannt, wie ihm der alte Wolfram erzählte. Vor Jahren hatte er sich ein Bein gebrochen und seitdem konnte er seiner Tätigkeit nicht mehr so nachkommen, wie er es gern würde. Sein Sohn Borowin war etwas zurückgeblieben und konnte ihn auch nicht ausreichend unterstützen. Wolfram bat schon vor Jahren um einen jüngeren Nachfolger, aber die Verwalter wechselten und er blieb allein. Zwar bekam er zu besonders arbeitsintensiven Zeiten Unterstützung vom Bauernhof, den Gärtnern und von den Dorfbewohnern aus Schwenningen, aber es wurde nicht in neue Weinstöcke investiert und so sank der Ertrag in den letzten Jahren stetig. James wollte sich den gesamten Prozess der Weinherstellung erklären lassen und besuchte mit Borowin auch die Weinberge. Dabei überzeugte er sich selbst von Borowins geistigen Defiziten, er war ein großes Kind mit einer Begabung für den Umgang mit den Reben. Ihm blieb sogar noch Zeit für ein Nickerchen, ehe er bei Sonnenuntergang zum Abendessen erschien.

Vicky ging am Nachmittag, nachdem sie sich während der Siesta beinahe den Kitzler wund gerubbelt hatte, zu den Gärtnern. Mit dem drahtigen Gerolf und seiner Frau Arline inspizierte sie die Parkanlagen und im Anschluss machten sie Pläne, um auch den Garten wieder auf Vordermann zu bringen. Shalina, ihre schüchterne Tochter, servierte ihnen vor der Hütte der Gärtner Kaffee. Dabei brachte Vicky eine für sie wichtigen Teil der Parkbewirtschaftung zur Sprache.
„Ich liebe es, die Sonne auf meinem Körper zu spüren, daher möchte ich gern einen Teil des Gartens zum privaten Lustgarten umfunktionieren. Dieser Teil sollte abgetrennt und für das Personal nicht einsehbar sein. Fällt euch dazu etwas ein?“
„Nun dann kommt eigentlich nur der Garten beim Herrschaftsflügel in Frage. Er wird von den Resten einer alten Wehranlage umzäunt und außerdem gibt es eine Treppe, zum Balkon des herrschaftlichen Schlafzimmers.“

Sie gingen in diesen gleich angrenzenden Teil des Parks. Vicky war begeistert, es war der sonnigste Platz, mit einem kleinen Weiher und er wurde durch die alten Mauern in viele kleine versteckte Plätze unterteilt. Vicky sah sich dort schon in der Sonne liegen, aber die Gärtner blickten nicht sehr erfreut drein, ausgerechnet Shalina erhob jetzt erstmals das Wort.
„Verzeiht Vögtin, aber wenn ihr diesen Teil des Gartens sperrt, so werden all unsere Wege blockiert und wir müssen um das ganze Schloss herumgehen, um unsere Arbeit machen zu können.“
„Nun, solange ihr damit leben könnt, mich nackt zu sehen, seid ihr von dem Verbot ausgenommen! Aber ich will keine Klagen hören, wenn ihr etwas seht, was euch nicht gefällt!“
„Seid bedankt, Vögtin! Ich werde mit Ludwik reden, damit er sich um die Tore kümmert“, sagte Gerolf, dessen zufriedener Gesichtsausdruck zurück war, Arline war nicht so begeistert wie ihr Mann.
„Behaltet es vorerst für euch, ich möchte James damit überraschen.“
„Aber natürlich, Vögtin.“

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