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Chapter 2
by
Reyhani
Wofür entscheidet sich Scheibner?
Eine verdächtige Bewerbung
Meller schloss zufrieden sein Büro auf. Sein Coup war geglückt. Der gierige Blick in Scheibners Augen, als er ihn mit Ivan auf Besichtigungstour geschickt hatte, war genug, um sicher zu sein, dass er ein treuer Teilhaber werden würde. Er konnte es endlich ein wenig ruhiger angehen lassen, ohne finanzielle Einbußen zu befürchten.
Jetzt war es Zeit, sich um die Bewerbung für das Appartement zu kümmern: eine gewisse Luisa da Cunha. Der Termin war in zehn Minuten, aber er musste auf der Hut sein, irgendetwas war fishy. Er kannte diese Luisa nur von einem kurzen aber intensiven Chat. Zunächst mal war es das Übliche gewesen: Sie studiere Ethnologie, komme grade von einem Auslandssemester zurück und könne keine ordentliche Unterkunft finden. Eine Freundin habe ihr seine Nummer gegeben. Sie würde alles für eine bezahlbare Wohnung tun blablabla ...
Dann hatte der süße Käfer ihn auch noch ungefragt mit Fotos bombadiert. Mit Erfolg: Er hatte sofort einem Besichtigungstermin zugestimmt. Sie sah genauso exotisch aus wie es ihr Name versprach: eine dunkle Schönheit mit großen brauen Augen, vollen Lippen, einer Stupsnase und langen Rastalocken. Besonders hatten ihm die kleinen, mädchenhaften Brüsten und die langen, sportlichen Beinen gefallen, die durch ein weibliches Becken verbunden wurden. Woher er das alles wusste? Auf einigen Fotos hatte Luisa im Bikini an einem Strand unter Palmen posiert.
Aber was letztendlich den Ausschlag gegeben hatte, war ihre milchkaffeebraune Haut gewesen. Meller machte sich gerne im Stillen über den Diversity-Quatsch bei den Präsentationen seiner Geschäftspartner lustig. Aber in diesem Fall leuchtete es ihm sofort ein. So hatte wieder einmal sein Schwanz das Denken übernommen.
Erst später waren ihm Zweifel gekommen. Es war am nächsten Tag gewesen, als er die Miete bei Susi kassierte. Eher ein Routinefick. Sie hatte sich über den Küchentisch gebeugt, ihr schlabbriges T-Shirt angehoben und den Slip bis zu den Knien heruntergezogen. Ihre Intimrasur hatte zu wünschen übrig gelassen, aber Meller hatte es nicht übers Herz gebracht zu schimpfen, denn er wusste, dass sie in irgendwelchen Klausuren steckte.
Er rammelte Susi schnell und hart und hatte grade das letzte mal tief in ihr Fötzchen gespritzt, als er sah, dass sie schon wieder nach ihrem Handy griff, dass sie neben sich auf den Küchentisch gelegt hatte. Er war ja kein Unmensch, aber es wurde Zeit, dass sie auszog. Alle seine Mieterinnen fingen als unschuldige Mädchen an – so suchte er sie aus – und verwandelten sich, einige schneller andere langsamer, in routinierte Schlampen.
Und da hatte ihm diese Luisa ungefragt Bikinibilder geschickt?! Entweder war sie naturgeil, oder sie hatte einen Tipp bekommen, was er erwartete, oder es war ein abgekartetes Spiel. Auf jeden Fall schien sie kein unschuldiges Mädchen zu sein. Aber ganz aufgeben wollen er die Hoffnung auf eine Diversifizierung seines Portfolios auch nicht. Man musste ja mit der Zeit gehen.
Ein Klopfen an der Bürotür ließ ihn von seinem Handy aufschauen, wo er sich noch einmal seinen Chatverlauf angeschaut hatte. Na, immerhin pünktlich. Da war er aber mal gespannt, ob die Fotos hielten, was sie versprachen. Zu Mellers Erstaunen trat eine kleine, pummelige Frau im grauen Businesskostüm herein. Sie war schon ein älteres Semester, vielleicht Anfang Mitte vierzig. Auf ihrer Stupsnase saß eine scheußliche Brille in leuchtendem Rot ... Moment, die Nase kam ihm irgendwie bekannt vor, und auch ihr kaffebrauner Hautton ... Meller hatte schon von den erstaunlichen Effekten von Fotofiltern gehört, aber so etwas hatte er bis jetzt für unmöglich gehalten.
"Luisa da Cunha ...?", fragte er völlig verdattert.
Die Frau setzte ein reumütiges Lächeln auf: "Ich muss mich entschuldigen, Herr Meller, ich habe Ihnen einen Streich gespielt. Mein Name ist Cristina da Cunha-Bauer. Luisa ist meine Tochter."
Meller hatte gewusst, dass etwas nicht stimmte. Wenigstens auf seinen Instinkt konnte er sich noch verlassen. Er musste jetzt ganz, ganz vorsichtig sein, um sein Traumhaus nicht zum Einsturz zu bringen. Am besten folgte er seine persönlichen drei goldenen Regeln der Verhandlungskunst:
Erstens, blöd stellen und Zeit gewinnen: "Was kann ich für Sie tun, Frau da Cunha? Ich verstehe nicht ganz, warum Sie für ihre Tochter ..."
"Ich bin hier um den Mietvertrag zu unterschreiben. Meine Tochter weiß auch gar nichts davon. Sie kommt erst Ende der Woche zurück nach Deutschland. Ich will sie überraschen."
Zweitens, abwimmeln: "Das tut mir leid, die Wohnung ist schon weg. Sie wissen ja, jeder sucht heutzutage. Das war ja lediglich ein ganz unverbindlicher Besichtigungstermin. Jetzt habe ich schon eine andere Interessentin gefunden, grade gestern. Außerdem müsste ihre Tochter schon selbst kommen. Ich lege Wert darauf, meine Mieterinnen genau in Augenschein zu nehmen. Die Chemie muss stimmen, sonst kommt es hinterher nur zu Konflikten."
Frau da Cunha hatte sich ohne Aufforderung auf dem Sofa an der Wand niedergelassen und beobachtete Meller lächelnd.
"Herr Meller, ich bin sicher, dass sie in ihrem 'Objekt' einen Platz für meine Tochter finden. Ich habe das eben mal überschlagen, wie viele Wohnungen? Zehn oder zwölf? Das rentiert sich schon als Abschreibungsobjekt. Und – ich habe mal ein bisschen nachgeforscht – zusammen mit der kleinen Zusatzvereinbarung scheint es sich auch für Sie persönlich zu rentieren. Ich hoffe nur für Sie, dass das Finanzamt nicht mal genauer hinguckt. Und vielleicht wären auch der Zoll oder sogar die Kripo daran interessiert, was hier so vor sich geht."
Drittens, alles leugnen: "Ich habe keine Ahnung wovon Sie sprechen. Ich würde vorschlagen, dass Sie jetzt gehen. Die Wohnung ist bereits vergeben."
Doch Frau da Cunha bewegte ihren fetten MILF-Arsch keinen Millimeter vom Sofa. Jetzt bekam Meller wirklich Panik. Wer war diese Frau, was wusste sie und vor allem, was wollte sie? Als ob sie Mellers Fragen gehört hätte, griff sie in die Tasche, holte eine Visitenkarte heraus und reichte sie ihm.
"Seit der Bauinvest-Pleite haben wir von der Kanzlei Bauer Sie unter Beobachtung, Herr Meller."
O.k., daher wehte der Wind. Er erinnerte sich, Alexander Bauer war der Anwalt von Grabowski gewesen. Aber das war doch alles schon ewig her, Grabowski längst in Rente und ließ sich von seiner persönlichen Krankenschwester die Eier kraulen, hatte er gehört. Er hatte gedacht, sie seien im Guten auseinandergegangen. Aber zumindest bestand Hoffnung. Es waren Anwälte und nicht das Finanzamt oder irgendwelche Knochenbrecher. Mit Anwälten konnte man verhandeln, das war schließlich ihr Beruf.
"Das ist natürlich etwas anderes, Frau da Cunha – oder soll ich sagen Frau Bauer? Aber sind Sie sicher, dass Sie wollen, dass das Fräulein Tochter hier wohnt? Ich meine, für mich und die anderen Mieterinnen passt das Arrangement, aber ... Wir finden da bestimmt etwas Passenderes. Ich glaube, eins dieser schicken Lofts im neuen Finanzquartier ist noch frei. Also meine Tochter würde sich freuen, wenn sie da umsonst wohnen dürfte."
Meller wusste, dass er jetzt nicht knausrig sein durfte, wenn er schnell wieder aus der Sache herauskommen wollte. Danach würde er zum Gegenschlag ausholen.
"Da kennen Sie meine Tochter schlecht, Meller. Das Kind würde nie in ein seelenloses Spekulationsobjekt am Stadtrand ziehen, für das mindestens fünf Käferarten ausgerottet wurden und die rumänischen Bauarbeiter nach der betrügerischen Pleite des GU auf ihren ungezahlten Löhnen sitzen geblieben sind."
Sie rollte leicht mit den Augen und fuhr dann fort: "Ihr WG-Bordell würde sie vielleicht grade noch akzeptieren. Ist zumindest 'authentisch' wie die jungen Leute heute immer sagen. Wenn sie überhaupt bereit ist, es sich anzugucken. Ich rede seit Wochen auf sie ein, aber es war noch nie leicht, sie zu überzeugen, etwas von uns anzunehmen. Immer wirft sie uns vor, wir wollten sie irgendwie verbiegen."
Kluges Kind, dachte Meller und sah einen Streifen Licht am Horizont.
"Ich habe da auch oft Probleme zu verstehen, wie diese Generation tickt. Aber eins weiß ich sicher. Einer intelligenten und emanzipierten Frau wie ihrer Tochter sagt mein kleines Wohnprojekt ganz bestimmt nicht zu. Und Sie können doch unmöglich verlangen, dass ich die anderen Studentinnen vor die Tür setze. Bei der Lage auf dem Wohnungsmarkt. Wenn es Sie tröstet, ich musste auch schmerzlich erfahren, dass unsere Einflussmöglichkeiten auf unsere **** begrenzt sind. Das ist wohl der Lauf der Welt."
Meller seufzte theatralisch und lachte dann altväterlich. Sie schwiegen einige Augenblicke und Meller dachte schon, er hätte gewonnen. Endlich machte es sich einmal bezahlt, dass er Bianca damals anerkannt hatte. So konnte er jetzt, ohne zu lügen, das schwere Schicksal der Elternschaft beschwören.
Auch vom Sofa kam ein tiefer Seufzer.
"Mein Mann sagt auch immer, dass ich mal loslassen soll. O.k. das werde ich tun! Deshalb werden Sie sich drum kümmern, Meller. Ich erwarte, dass Luisa nicht sofort wieder in eine stinkende WG mit linken Weltverbesserern zieht, sondern sich auf ihr Studium konzentriert. Am besten wäre es natürlich, wenn sie überhaupt was anständiges studieren würde, aber ich will nicht unrealistisch sein. Wie Sie das anstellen ist mir egal. Wenn das Engelchen mal mitkriegt, dass es nicht alle jungen Frauen so einfach haben wie sie selbst, sei's drum. Ich bin sicher, Sie sind der Typ, der einen Realitätsschock authentisch rüberbringen kann. Aber übertreiben Sie's nicht, sonst steht das Finanzamt auf der Matte."
Frau da Cunha stemmte sich mit ihren kurzen Beinen vom Sofa hoch und schritt energisch zur Tür. Bevor sie den Raum verließ, drehte sie sich in bester Colombo-Manier noch einmal um.
"Und eins noch, Luisa kommt am Freitag mit dem letzten Flieger aus Sao Paulo. Stellen Sie doch bitte sicher, dass sie abgeholt wird."
Meller brach der Schweiß aus. Die nächsten zehn Minuten blieb er still am Schreibtisch sitzen und gab sich seinen Rachefantasien hin. Im Heizungskeller hatten sie die Da Cunha an ein rostiges Rohr gefesselt. Er prügelte auf ihre häßlichen Hängetitten ein, bevor er sich ihr Arschloch vornahm. Ihr Winseln um Gnade war kaum zu hören, denn Ivan hatte seine Latte tief in ihrer Kehle versenkt.
Meller war schlecht. So würde er aus der Sache auch nicht rauskommen. Zuerst einmal brauchte er einen klaren Kopf. Er schloss den antiken Safe auf, der hinter seinem Schreibtisch stand, und holte ein Bündel Geldscheine heraus. Er würde mal einen Runde durchs Haus machen, um zu sehen, ob die Mädels was brauchten: neue Duftkerzen, Dessous oder Beautyprodukte. Der ganze Bio-Kram, den sie immer kauften, war ja auch nicht billig. Da konnten bestimmt einige ein bisschen Taschengeld gebrauchen.
Wie sieht Mellers nächster Schritt aus?
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Das Studentinnen-Haus
oder: Wie man als Vermieter viel Spaß hat
Beim Immobilien-Unternehmer Meller kann man mietfrei wohnen - wenn man eine junge, hübsche Studentin ist und sich dem Hausbesitzer gegenüber aufgeschlossen zeigt...
Updated on Oct 8, 2025
by Toby Mark
Created on Oct 13, 2020
by Toby Mark
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