Ob das mal gut geht...
Ein narrensicherer Plan
Auf der Fahrt schrieb ich dann noch weiter mit Moritz, der absolut nicht damit einverstanden war, dass ich mich sozusagen mitten in die Höhle des Löwen begab, und schon gar nicht, dass ich Maja dorthin mitnahm. Ich versuchte, ihn zu beruhigen, versuchte ihm zu erklären, dass es zusammen mit Andy, Jenny, Mai und Sarah überhaupt keine Gefahr gab, aber er ließ absolut nichts davon als Argument gelten. Seine Sorge um mich und Maja schien einfach zu groß zu sein.
Irgendwann wurde es mir zu bunt. "Oh Mann!" schimpfte ich und tippte meine Frustration darüber, dass er so verbohrt war, in mein Handy ein.
"Alles okay da hinten?" wollte Mai wissen, die am Steuer saß.
"Moritz nervt rum!" maulte ich. "Er schreibt die ganze Zeit, wir sollten sofort umdrehen und zurückkommen."
Mai schien kurz zu überlegen. "Ich schalte dir mal die Freisprechanlage im Auto offen", sagte sie schließlich, "ruf Moritz an und stell ihn auf laut."
Ich tat, was sie mir vorschlug und baute eine Bluetooth-Verbindung zwischen meinem Handy und den Autolautsprechern auf. Dann wählte ich Moritz' Nummer, und er hob sofort beim ersten Klingeln ab. "Liebling, dreh sofort um!" sagte er.
"Moritz, warte einen Moment", meldete sich Mai. "Ich weiß du machst dir Sorgen, aber es ist alles in Ordnung hier."
"Bist du das, Mai?" wollte Moritz wissen. "Weil, gar nichts ist in Ordnung! Ihr schleppt gerade Tinas und meine Tochter direkt ins Hauptquartier von dieser Verrückten!"
Ich stöhnte. "Mensch, Schatz, sei doch nicht so ein-"
Mai gab mir Handzeichen, erst mal still zu sein. "Hör mal, Moritz", sagte sie, "das hier wird keine Hals-über-Kopf-Aktion. Sarah und ich haben alles ganz genau geplant. Das ist absolut sicher, da kann gar nichts schiefgehen."
"Ihr wollt in irgend so ein wissenschaftliches Institut irgendwo in einem Wald irgendwo in Osteuropa einbrechen", gab Moritz zurück, "und du meinst, da könnte gar nichts schiefgehen? Da drinnen hat's mit Sicherheit mehr Leute als nur Ashley!"
"Wir werden nicht da einbrechen", verbesserte ihn Mai ruhig. "Wir werden warten, bis Ashley aus dem Institut herauskommt, und genau dann schnappen wir sie uns."
Ich hörte Moritz am anderen Ende der Leitung schnaufen - verächtlich vielleicht. "Und wie wollt ihr das machen, dieses 'Schnappen'?" fragte er.
Mai ignorierte den sarkastischen Ton in seiner Stimme. "Das Institut liegt in einem Wald, wie du weißt. Nur eine Zufahrt, und der Parkplatz ist ein Stück vor dem Institut. Wir verstecken uns zwischen den Autos, ich bleibe im Wagen, und wenn Ashley zu ihrem Auto geht, überwältigen die anderen sie. Ich fahre zu ihnen, wir zerren sie in unseren Wagen und sind auch schon wieder weg."
"Und während der ganzen Aktion habt ihr Maja im Auto", schimpfte Moritz. "Echt toll! Sie ist noch nicht mal ein Jahr alt und bekommt eine Entführung live mit!"
"Schatz", sagte ich, "wenn du dir so viel Sorgen machst, bleib ich bei Maja im Wagen. Dann ist immer jemand bei ihr, der sie beruhigen kann."
Moritz schwieg einen Moment. "Und was ist dann mit eurem zahlenmäßigen Vorteil gegen Ashley?" warf er ein.
Andy schnaubte. "Hör mal, es sind immer noch Jenny, Sarah und ich, die uns um sie kümmern werden. Vielleicht hat sie was drauf, aber Sarah kann Kampfsport, Jenny ist auch nicht wehrlos, und ich glaube, auch ich kann was reißen. Also wird das klappen!"
"Hm." Moritz schien immer noch nicht ganz überzeugt, aber... "Immerhin scheint ihr ja wirklich nicht so ganz unvorbereitet an die Sache ranzugehen."
"Moritz", sagte Mai nun etwas schärfer, "Sarah und ich machen das hier schon ziemlich lange. Vertrau mir: wir hätten euch nicht in diesen Plan mit reingezogen, wenn er nicht vollkommen narrensicher wäre. Wir werden Ashley in die Finger bekommen, und wir kriegen raus, wo Jochen ist. Und dann beenden wir ihre Pläne!"
Moritz seufzte. "Also gut, ihr habt mich überzeugt", sagte er. "Macht, was ihr für nötig haltet. Aber haltet mich auf dem Laufenden! Liebling, schreib mir, was los ist, okay?"
Ich nickte spontan, obwohl er mich nicht sehen konnte. "Alles klar, Schatz", sagte ich. "Ich halt dich auf dem Laufenden!"
"Hab dich lieb."
"Ich dich auch!"
Ich beendete die Verbindung. "So", sagte Mai, "dann mal weiter."
Und sie nahm die Autobahnausfahrt Richtung Grenze.
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