Wie narrensicher ist der Plan wirklich?

Die Falle schnappt zu

Chapter 129 by Hentaitales Hentaitales

Wir fuhren tatsächlich volle acht Stunden am Stück, bis in die Nacht hinein, und machten dann erst einen Stopp zum Tanken, schon ein gutes Stück hinter der Grenze. Mai nutzte die Gelegenheit nicht nur, um sich die Beine zu vertreten, sondern auch für ein Telefonat mit Sarah über ihr Satellitentelefon - ein ziemlicher Brocken an Technik. Danach schien sie etwas besserer Laune zu sein. "Ashley ist noch nicht aus dem Institut herausgekommen", berichtete sie uns, "und das heißt, dass sie wahrscheinlich über Nacht dort bleiben wird. Wir suchen uns jetzt noch einen ruhigen Parkplatz in der Nähe und legen uns auch aufs Ohr, und morgen in aller Frühe fahren wir dann das letzte Stück.

"Ist es denn noch weit?" wollte Jenny wissen.

"Noch etwa drei Stunden", sagte Mai, "aber ich glaube, so lange halte ich nicht mehr durch. Schon gar nicht in der Dunkelheit."

Jenny legte den Kopf zur Seite. "Ich kann fahren, wenn du mir sagst, wohin."

Aber Mai schüttelte den Kopf. "Das wird zum Ende hin etwas kompliziert, und wenn ich nicht richtig wach bin, mache ich vielleicht Fehler. Lass uns lieber eine Runde schlafen."

"Hattest du es nicht vorhin noch supereilig?" wollte ich wissen. "Es kam dir doch auf jede Minute an."

"Weil ich nicht wusste, wie lange Ashley braucht", sagte sie. "Aber wenn sie jetzt noch nicht aus dem Institut zurück ist, dann sind ihre Ergebnisse wohl noch nicht da. So was kann aber auch mehrere Tage dauern, hab ich mir sagen lassen. Und Ashley wird bestimmt auch nicht mitten in der Nacht durch den Wald fahren wollen. Also haben wir noch ein bisschen Zeit."

Hm. Mai hatte recht, was die Dauer von biologischen Tests anging - selbst mit modernen Laborautomaten konnten manche Probenzyklen mehrere Tage dauern, vor allem, wenn man Genmaterial untersuchte. Und es war durchaus üblich, dass die Testgeräte über Nacht liefen, solange sie automatisch arbeiteten. Wahrscheinlich konnten wir uns wirklich einen Moment Pause erlauben. Und so hielten wir ein kleines Stück weiter auf einem großen Parkplatz an und machten es uns für die Nacht im Auto gemütlich. Ich hatte Maja zuvor an der Tankstelle auf der Damentoilette noch eine neue Windel verpasst - sie war die ganze Fahrt über bemerkenswert ruhig geblieben - und jetzt war sie auch schnell angekuschelt an mich eingeschlafen. Andy streckte sich auf dem Beifahrersitz aus, Jenny neben mir, und Mai blieb auf dem Fahrersitz sitzen.

Früh am nächsten Morgen, noch vor Sonnenaufgang, weckte sie uns und fuhr dann auch zügig weiter. Nach einer halben Stunde waren wir herunter von der Hauptstraße und kamen noch durch ein, zwei kleinere Dörfer, ehe sich die Landschaft komplett ins Wildromantische wandelte. Bei den ersten Sonnenstrahlen fuhren wir durch ein unerschlossenes Tal mit einigen Hügeln, das mich irgendwie an frühe Winnetou-Filme erinnerte, und schließlich ging es in ein ausgedehntes Waldgebiet hinein, das selbst jetzt am Morgen noch so dunkel war, dass Mai die Scheinwerfer unseres Autos einschalten musste.

"In etwa einer halben Stunde sind wir da", sagte sie schließlich. "Wir sind bis jetzt noch rechtzeitig. Sarah wollte mich anrufen, wenn sich irgendwas wichtiges tut, hat sie aber noch nicht getan."

"Gut", brummte Andy neben ihr. "Sobald wir Ashley haben, lass uns erst mal was zu essen besorgen. Mir knurrt der Magen."

Jenny schmunzelte. "Hättest dir ja in der Tanke was besorgen können, wie wir auch."

Aber Andy schüttelte den Kopf. "An der Tankstelle ist es mir zu teuer. Nee, lass uns ein Mäcces oder so was finden."

"Mit Ashley im Auto, schon klar", grinste ich. "Aber vielleicht gibt's ja so was wie ein Restaurant auf dem Weg? Wenn wir jetzt eh noch etwas Zeit haben-"

"Vielleicht hat Sarah auch noch was zu essen in unserem anderen Auto", schlug Mai vor. "Ist nicht das Leckerste, aber wenn du Dosenravioli oder Instantnudeln magst..."

Andy nickte zufrieden. "Das wird reichen."


Tatsächlich dauert es fast exakt eine halbe Stunde, bis sich der Wald um uns endlich lichtete, und dann sahen wir auch schon das Institut. Wie es uns Sarah damals beschrieben hatte, war alles sehr idyllisch und angenehm gestaltet - das Institut hätte auch genauso gut ein Waldhotel sein können. Direkt links von der Einfahrt befand sich ein Parkplatz, auf dem neun weiße Lieferwagen - oder waren es Krankenwagen ohne Blaulicht? - sowie ein paar kleinere PKWs standen. Mai lenkte unseren Geländewagen auf den Parkplatz und hielt neben einem japanischen Kompaktwagen mit deutschem Kennzeichen an. "Das da ist unser zweites Auto", sagte sie.

"Und wo ist Sarah?" wollte Jenny wissen. "Nicht im Auto?"

"Sie ist auf Spähposten im Wald", erklärte Mai und zog ihr Satellitentelefon hervor. "Ich ruf sie kurz an und sag, was Sache ist."

Während sie telefonierte, sah Andy mit sehnsüchtigem Blick aus dem Fenster zu dem Wagen neben unserem. "Denkt ihr, es ist okay, wenn wir schon mal was essen? Mir hängt der Magen echt in den Kniekehlen."

Jenny gab ihm von hinten eine Kopfnuss. "Du wirst dich beherrschen! Sobald wir Ashley haben, kannst du ans Futtern denken!"

"Och menno. Wie soll ich denn auf leeren Magen jemanden entführen?"

"Alles klar!" Mai beendete ihr Telefonat. "Ihr könnt schon mal in Position gehen", sagte sie mit Blick über die Schulter. "Sarah meint, es täte sich gerade was unten in der Lobby vom Institut. Wahrscheinlich sind wir genau pünktlich. Versteckt euch da drüben hinter den Kastenwagen. Ashleys Auto ist der silberne BMW, sie muss also an euch vorbei."

Jenny nickte. "Dann mal los. Tina, du bleibst im Auto, wie ausgemacht?"

"Na klar!"

"Setz dich aber am besten auf den Beifahrersitz", sagte Mai, "und nimm Maja zu dir. Hinten wird es gleich etwas eng werden."

Ich nickte zustimmend und stieg mit den anderen zusammen aus, um vorne wieder einzusteigen, den Babyträger mit Maja darin auf dem Schoß. "Wenn ihr Ashley habt", wandte sich Mai an die anderen, "fahre ich zu euch, und ihr steigt mit ihr hinten ein. Und dann sind wir fort hier."

Jenny gab ihr den Daumen hoch. "Und Sarah?"

"Ist auf dem Weg aus dem Wald hierher und in ein paar Minuten bei euch", erklärte Mai. "Sie bringt Handschellen für Ashley mit, damit ihr sie fesseln könnt."

"Klasse." Andy strahlte. "Dann mal auf in Lauerstellung!"

Ich sah im Rückspiegel zu, wie er und Jenny sich zu den weißen Vielleicht-Krankenwagen bewegten und dahinter verschwanden. Vom Institut aus konnte man sie jetzt mit Sicherheit nicht mehr sehen. Allerdings waren Mai und ich in unserem Auto nicht sonderlich gut getarnt. Hoffentlich mussten wir nicht lange warten - je länger wir hier standen, umso wahrscheinlicher wurde es, dass wir zwei jemandem auffielen.

Wachsam wandte ich meinen Blick jetzt dem Institut zu. Wenn Ashley tatsächlich auf dem Weg war, konnte es nicht mehr lange dauern, bis sie heraus kam. Hoffentlich reichte die Zeit, dass Sarah zu den anderen aufschloss. Ansonsten würden Jenny und Andy sich alleine um Ashley kümmern müssen. Wahrscheinlich würden sie das auch schaffen, aber zu dritt war es doch sicherer...

In diesem Moment hörte ich von hinten überraschte Rufe und dann laute Geräusche. Kampfgeräusche.

Ich blickte in den Rückspiegel, konnte aber nichts Genaues erkennen. Kurzerhand ließ ich die Seitenscheibe herunter und sah nach hinten aus dem Auto heraus. Und da erkannte ich, dass die Türen von einem der großen weißen Wagen offen waren, und ein großer, massiger Mann schaute von hinten dorthin heraus, wo die Kampfgeräusche herkamen. Und da kam auch schon ein zweiter Mann in Sicht, der hinter dem anderen Lieferwagen hervortrat und Andy im Schwitzkasten hatte. Er sah exakt so aus wie der erste, den ich gesehen hatte.

Es waren Jan und Erik.

"Das ist eine Falle", stieß ich hervor. "Mai, schnell, wir müssen ihnen helfen!" Ich zog meinen Kopf zurück ins Auto und drehte mich zu ihr um-

Und sah Mai neben mir auf dem Fahrersitz. Sie hatte Maja auf dem Arm, die sie mir vom Schoß genommen haben musste, als ich eben abgelenkt gewesen war.

"Bleib ganz ruhig", sagte sie leise und gefährlich zu mir, "dann passiert deiner Tochter nichts."

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Was ist denn jetzt los?!

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