What's next?

Ein einziges Wort

Das gedämpfte Vormittagslicht fiel durch die Lamellen der Jalousie und zeichnete schmale Streifen über die weiße Bettdecke.

Zum ersten Mal seit Wochen war das Aufwachen kein jäher Absturz in Panik. Mein Körper fühlte sich ausgeruht an. Das Pflaster an der Leiste hielt, die Quetschungen pochten nur noch wie ein harmloser blauer Fleck, und der weite, mit Silikon ausgekleidete Ring hatte die empfindliche Haut über Nacht vollkommen geschont.

Ich drehte den Kopf zur Seite.

Loona lag auf der Seite, das Gesicht mir zugewandt, die dunklen Haare fahrig über dem Kissen verteilt. Sie war bereits wach. Ihre grünen Augen ruhten auf mir – ruhig, aufmerksam, ohne den schneidenden Spott, den ich so oft an ihr gefürchtet hatte. Ihr Kopf lag auf ihrem angewinkelten Arm, das schlichte Bralette betonte die ruhige Hebung und Senkung ihrer Brust.

„Guten Morgen, Langschläfer“, flüsterte sie mit rauer, noch schlaftrunkener Stimme.

„Morgen“, brachte ich leise hervor. Mein Puls ging sofort ein wenig schneller, aber nicht vor Angst – es war diese betörende, warme Nähe, die mein Herz stolpern ließ. „Wie spät ist es?“

„Kurz vor zehn. Drüben im Arbeitszimmer schnarcht Timo noch wie ein Holzfäller. Der rührt sich vor elf sicher nicht.“

Sie schob die Bettdecke ein Stück zurück, stützte sich auf einen Ellbogen und sah an mir herab. Ganz beiläufig, ohne Hektik, glitt ihre Hand über meine Hüfte, strich sanft über den Ansatz meines Oberschenkels und tastete nach dem Zylinder. Ihre kühlen Fingerkuppen berührten das Silikon, prüften den Sitz des Bolzens und das kleine Schloss.

„Irgendwelche Schmerzen? Hat es gedrückt heute Nacht?“, fragte sie leise.

„Nein“, antwortete ich ehrlich, während ein wohliger Schauer über meine Haut lief. „Es… es war wirklich in Ordnung.“

„Gut.“ Ein dünnes, zufriedenes Lächeln huschte über ihre Züge. Sie zog die Hand nicht zurück, sondern ließ ihre Fingerkuppen noch einen Moment leicht auf dem kühlen Metall ruhen. Dann wanderte ihr Blick wieder nach oben, direkt in meine Augen. Ihr Gesichtsausdruck veränderte sich, wurde ernst und bedächtig.

„Wir müssen über heute reden, John.“

Ich hielt unwillkürlich den Atem an.

„Timo schläft heute noch eine Nacht hier. Und Nadja kommt heute Nachmittag wieder vorbei – sie wollen abends alle zusammen feiern, trinken, vielleicht in eine Bar oder hier vorglühen.“ Sie hielt kurz inne, strich mir eine Haarsträhne aus der Stirn. Ihre Berührung war erstaunlich weich. „Timo hat gestern Abend, bevor er ins Bett ist, noch versucht, die Hand an meine Hüfte zu legen. Er baggert. Er glaubt, das Wochenende läuft so ab wie die Male davor.“

Mein Hals fühlte sich mit einem Mal wieder trocken an. Das Bild flammte in mir auf: Timo, wie er sich nahm, was er wollte. Und der Geschmack von ihr, der noch gestern meine Zunge benetzt hatte.

„Ich habe dir versprochen, dass ich dich nicht mehr überfahre“, fuhr sie mit leiser, fester Stimme fort. „Und ich meine das ernst. {reader:Emma} war ein Fehler, die Schmerzen waren nicht Teil des Plans. Wenn du sagst, dir ist das heute zu viel – wenn du Timo nicht erträgst, wenn du nicht willst, dass er mich anfasst –, dann sagst du jetzt ein Wort. Ein einziges. Dann lasse ich ihn eiskalt auflaufen, verpasse ihm einen Dämpfer und sorge dafür, dass er heute Abend die Finger bei sich behält. Du hast die Wahl, John.“

Ihre Augen fixierten mich unerbittlich, prüften jede kleinste Regung in meinem Gesicht.

Die Frage schlug ein wie eine Welle aus kochend heißem Wasser. Sie befahl es mir nicht. Sie forderte es nicht als Tribut. Sie legte mir die Entscheidung in die Hände – gab mir diese süße, perfide Illusion, dass ich bestimmen durfte, was geschah. Und genau das machte es unendlich gefährlicher.

In meinem Kopf überschlugen sich die Gedanken. Der Gedanke, sie für mich allein zu haben, war verlockend. Aber tief darunter regte sich jene dunkle, vergiftete Ader, die mich überhaupt erst in ihre Hände getrieben hatte: das Wissen, dass mein bester Freund keine Ahnung hatte, wer hier wirklich herrschte. Die Vorstellung, ihn im Glauben zu lassen, er hätte die Kontrolle, während Loona es nur tat, um mit mir zu spielen – und die Gewissheit, dass ich am Ende wieder in diesem Bett liegen würde, während Timo auf der Gästecouch lag.

Mein Körper verriet mich längst: Unter dem Gehäuse bäumte sich das Fleisch auf, stieß gegen die gepolsterte Barriere.

„Und… was ist, wenn ich es aushalte?“, flüsterte ich heiser, den Blick auf ihre Lippen gerichtet.

Loonas Mundwinkel zuckten minimal. Ein winziger, gefährlicher Funke flammte in ihren grünen Augen auf – pure, berechnende Faszination.

„Wenn du es aushältst?“, raunte sie, beugte sich so weit vor, dass ihr Atem meine Lippen strich. „Dann lasse ich ihn heute Abend ran. Du wirst draußen im Wohnzimmer sitzen, während er sich im Schlafzimmer bedient. Und du wirst ganz genau wissen, was er tut. Aber danach, wenn er fertig ist und wieder denkt, er wäre der Größte… danach kommst du zu mir. Und du darfst aufräumen. So wie gestern versprochen.“

Sie ließ mir Zeit, die Worte sickern zu lassen. Ihr Daumen glitt sanft über meine Wange, fast zärtlich, fordernd.

„Sag es mir, John. Ganz ehrlich. Wollen wir Timo heute Abend auflaufen lassen – oder willst du sehen, wie weit wir das Spiel treiben können?“

Mein Atem ging stoßweise. Die Bettdecke hob und senkte sich unruhig, während das eingesperrte Fleisch unter dem Silikon mit einem dumpfen, brennenden Rhythmus pochte. In mir schrie jede vernünftige Faser danach, Halt zu rufen – Timo abzublitzen, den Tag einfach friedlich verstreichen zu lassen und Loona ganz für mich zu haben.

Doch genau dieser Gedanke verblasste gegen die dunkle, süße Verlockung, die sie mir gerade vor die Füße gelegt hatte. Zu wissen, dass sie Timo nur als Requisite benutzte; dass er draußen herumlaufen würde im Glauben, ein Eroberer zu sein, während er in Wahrheit nur ein Instrument war, um mich zu brechen und aufzugeilen. Und vor allem: das Versprechen, was danach kam.

„Lass… lass ihn ran“, flüsterte ich heiser, und die Worte fühlten sich auf meinen Lippen an wie ein Pakt. „Ich will es aushalten.“

Ein triumphierendes, wunderschönes Lächeln glitt über Loonas Züge. Es war kein höhnisches Grinsen, sondern jene tiefe, intime Zufriedenheit, die mich jedes Mal völlig wehrlos machte. Sie beugte sich noch ein Stück tiefer und drückte einen warmen, weichen Kuss auf meine Lippen – langsam, fordernd, schmeckte mein Einverständnis, bevor sie sich wieder aufrichtete.

„Braver Junge“, raunte sie, strich mir noch einmal mit dem Handrücken über die Wange und warf die Decke beiseite. „Dann haben wir einen Plan für heute Abend. Und jetzt raus aus den Federn, bevor der Bär im Arbeitszimmer aufwacht.“

Sie schlüpfte in eine lockere, schwarze Sweatpants und ein weites, graues T-Shirt, band sich die Haare zu einem unordentlichen Dutt zusammen und schlenderte barfuß in die Küche. Ich zog mir eine frische Boxershorts und eine bequeme Jogginghose über den Käfig. Das Silikon hielt perfekt; bei jedem Schritt fühlte sich die Fassung stabil und schmerzfrei an.

Als ich in die Küche kam, strömte bereits der Duft von frischem Kaffee durch den Raum. Loona stand am Herd und schlug Eier in eine heiße Pfanne.

Keine fünf Minuten später schlurfte es im Flur.

Die Tür zum Arbeitszimmer flog auf, gefolgt von einem lauten, tiefen Gähnen. Timo torkelte in zerknitterten Boxershorts und einem grauen Unterhemd in die Küche, die Haare standen ihm in alle Richtungen ab. Er rieb sich mit den Handballen über die Augen und blieb blinzelnd im Türrahmen stehen.

„Boah, Leute… was ein Kater“, krächzte er mit belegter Stimme, schlurfte zum Tisch und ließ sich wie ein nasser Sack auf einen der Holzstühle fallen. „Rieche ich da Rührei? Sagt bitte, dass das Rührei ist, sonst sterbe ich hier auf der Stelle.“

Loona drehte sich mit dem Pfannenwender in der Hand um, musterte ihn amüsiert von oben bis unten und schüttelte den Kopf. „Morgen, Schlafmütze. Setz dich erst mal gerade hin, du siehst aus wie durch den Fleischwolf gedreht.“

„Fühlt sich auch so an“, grinste Timo matt, hob die Hand und schlug mir schlaff gegen den Oberarm, als ich mich neben ihn setzte. „Morgen, John. Gut geschlafen? Du siehst irgendwie deutlich fitter aus als gestern Abend, Alter. Nicht mehr ganz so leichenblass.“

Mein Puls machte einen kurzen Satz, doch Loona stellte in genau diesem Moment zwei dampfende Kaffeetassen auf den Tisch – eine schwarze vor Timo, und eine mit genau dem richtigen Schuss Hafermilch direkt vor mich. Im Vorbeigehen streifte ihre Hüfte ganz leicht meine Schulter. Ein kaum wahrnehmbares Signal, das nur mir galt.

„Er lernt eben, mit dem Stress umzugehen“, sagte Loona gelassen, lehnte sich an die Küchenzeile und nippte an ihrem Tee. „Im Gegensatz zu dir, Timo. Du hast gestern getrunken, als gäbe es kein Morgen.“

Timo nahm einen gierigen Schluck Kaffee, stöhnte erleichtert auf und sah Loona unverhohlen an. Seine Augen wanderten über ihr locker sitzendes Shirt, unter dem sich die Konturen ihrer Brüste ohne BH abzeichneten. Ein schmieriges, selbstgefälliges Grinsen schlich sich auf sein Gesicht.

„Tja, man muss die Feste eben feiern, wie sie fallen. Und der Abend gestern war ja erst der Anfang.“ Er zwinkerte ihr auffällig zu. „Was geht heute? Nadja meinte doch, sie kommt nachher wieder rum, oder?“

„Gegen vier“, antwortete Loona, ohne mit der Wimper zu zucken. Sie erwiderte seinen Blick mit einer Mischung aus kühler Distanz und einem winzigen, fast unmerklichen Lächeln, das Timos Ego augenblicklich Futter gab. „Wir dachten, wir kochen heute Abend was Richtiges, trinken was und machen es uns gemütlich. Aber bis dahin könnt ihr zwei Chaoten euch nützlich machen. Der Kühlschrank ist leer, und die Pfandflaschen von gestern stehen auch noch im Flur.“

„Alles klar, Chefin“, lachte Timo, schaufelte sich eine gewaltige Portion Rührei auf den Teller und sah zu mir herüber. „Hörst du das, John? Erst Frühstück, dann bringen wir das Zeug weg, holen Nachschub – und danach mach ich dich in FIFA fertig. Ich schulde dir noch eine Revanche von gestern.“

„Können wir machen“, sagte ich, und zu meiner eigenen Verwunderung klang meine Stimme vollkommen ruhig.

Unter dem Tisch glitt Loonas nackter Fuß ganz langsam nach vorn. Ihre Zehen berührten vorsichtig mein Schienbein, strichen über den Stoff meiner Hose nach oben und blieben genau am Saum liegen. Es war eine stumme, brennende Berührung, während Timo direkt neben mir ahnungslos sein Brötchen schmierte und über die Bundesliga schwadronierte.

Mein Herz schlug fest gegen die Rippen. Der Tag hatte gerade erst begonnen, und das Spiel war längst eröffnet.

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