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Chapter 35 by daimon daimon

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Ein überraschendes Wiedersehen (22. März)

Simone wurde eine Decke übergeworfen, dann fand sie sich in einem Hotelzimmer wieder.

Verwirrt blickte sie sich um. Mehrere Schreibtische. Männer in Uniform und Zivil, die sich mit allerlei technischem Gerät beschäftigten.

Im Zentrum des Geschehens tobte ein Mann, dessen Gebrüll ihn als Chef auswies.

„So ein verdammter Mist! Was haben sie sich dabei gedacht Müller? Die ganze Operation ist ruiniert. Wir hätten ihn gehabt! Zum ersten Mal hatten wir eine wirkliche Chance und dann …“

„Ich musste eingreifen. Sie hätten die Frau sonst …“

„Was interessiert mich das? Eine Nutte mehr oder weniger …“

Irgendwo im Raum ein Räuspern. Das Brüllen verstummte. Er wandte sich um und Simone starrte verblüfft in ein bekanntes Gesicht.

„Sie …?“ stammelte der eben noch so selbstsichere Mann.

Simone wickelte sich noch fester in ihre Decke. Am liebsten hätte sie sich verkrochen. Das konnte doch nicht sein! Er war es! Sie hatte erst gestern mit ihm das Tanzbein geschwungen.

„Ich …“

Er lächelte. Er zitterte vor Zorn und Enttäuschung und dennoch lächelte er. Der kleine freundliche Mann war offensichtlich Polizist.

Sie wusste nicht so recht, was sie sagen sollte. Dann dachte sie an das eben Durchlebte und wollte nur eines wissen:

„Meine Schwester! Wie geht es ihr?“

Fragende Blicke als einzige Antwort.

„Sandra Maier! Die zweite Frau! Wie geht es ihr?“

„Das ist ihre Schwester?“ fragte der Tänzer.

„Was ist mit ihr? Weshalb sagen sie es mir nicht? Ist sie …“

„Keine Angst. Ihr geht es gut. Ihrem Chef und seinem Kunden allerdings weniger.“

Simone fiel ein Stein vom Herzen. Sie fühlte, wie die Anspannung von ihrem Körper abfiel.

Der Tänzer trat auf sie zu und stützte sie. Dann bot er ihr seinen Arm, den sie dankbar ergriff, und führte sie in einen Nebenraum. Nachdem er die Tür hinter ihnen geschlossen hatte, deutete er ihr, sich an einen Tisch zu setzen, der sich mit zwei Stühlen im Zentrum des ansonsten leeren Raumes befand.

„Als wir uns gestern über den Weg liefen, hätte ich nicht gedacht, dass sie …“

"Dass ich als Hure arbeite? Das tue ich eigentlich auch nicht. Jedenfalls noch nicht.“

„Was machen sie dann nackt in einem Hotelzimmer mit zwei wesentlich älteren Männern?“

„Na ja. Meine Schwester …“

„Sandra Maier?“

„Ja, so heißt meine Schwester.“

Simone wurde langsam ärgerlich. Wie oft denn noch?

„Und sie? Wie heißen sie?“

„Simone. Simone Maier. Aber – haben sie das noch nicht bei ihrem Lauschangriff erfahren?“

Der Tänzer schmunzelte.

„Ich bin übrigens Kriminalhauptkommissar Heller.“

„Was ist da vorhin passiert? Wo bin ich da reingeraten?“

„Wir überwachen Mohamed Ibrahim seit mehreren Wochen. Er ist eine große Nummer im organisierten Verbrechen.“

„Mafia,“ flüsterte Simone, der es eiskalt den Rücken hinunterlief.

„Ja. Er ist Chef eines der mächtigsten libanesischen Clans. Er hat in Berlin begonnen und sich dann über das ganze Bundesgebiet und darüber hinaus ausgebreitet. Sein Kerngeschäft ist eigentlich Prostitution und Drogenhandel. Inzwischen mischt er auch im Waffenhandel mit. Masud Hilali ist einer der Einkäufer einer terroristischen Organisation.“

Sandra hatte das Meiste bereits gewusst und sich den Rest zusammengereimt. Dennoch war es etwas ganz anderes, diese Informationen von offizieller Stelle zu bekommen.

„Wir hatten geplant, ihn heute in flagranti zu erwischen. Leider musste einer meiner Mitarbeiter den edlen Ritter spielen.“

„Ich bin ihm sehr dankbar! Wer weiß …“

„Sie haben sich selbst in diese Lage gebracht.“

„Ich wusste nicht …“

„Unwissenheit schützt vor Strafe nicht!“

„Aber es ist wahr. Ich sollte … Also ich sollte quasi als Test …“

„Kann es sein, dass ihre Schwester dahintersteckt?“

„Na ja, Sandra war früher selbst …“

„Eine Prostituierte? Ich weiß. Sie war eines von Mos - so nennen sie ihn in der Szene – besten Pferdchen. Und sie hat es weit gebracht. Nach ihrem Studium ist sie zum Consigliere aufgestiegen.“

„Consigliere?“

„Nie Den Paten geschaut? Sie ist eine enge Vertraute und Beraterin und ist wichtig als Mittelsperson zwischen seinen kriminellen und legalen Geschäften.“

„Meine Schwester Sandra?“

Simone konnte nicht glauben, dass ihre Schwester ein hohes Tier in einer kriminellen Organisation war.

Dann fiel es ihr wie Schuppen von den Augen. Mohamed. Ein Gangster libanesischer Herkunft. Sandras Chef. Konnte es sein, dass …

„Hat Mo einen Sohn, der Tim heißt? Bitte, ich muss das wissen!“

„Ja. Tim ist sein unehelicher Sohn, der für einige seiner legalen Firmen arbeitet. Er gehört nicht zur Kernfamilie. Wir glauben, dass er sich aus den kriminellen Machenschaften heraushält. Weshalb wollen sie das wissen?“

„Tim … Also Tim und ich, wir kennen uns schon lange. Ich und er …“

„Sind sie ein Liebespaar?“

„Ja,“ antwortete Simone, die sich nicht sicher war, ob diese Bezeichnung zutreffend für ihre Beziehung war.“

Heller schaute sie nachdenklich an.

„Wir haben uns schon gefragt, was sie heute hier zu suchen haben. Sie sind offenbar keine Professionelle. Das Risiko, jemanden wie sie bei einem solchen Zusammentreffen dabeizuhaben, schien uns zu hoch. Langsam beginne ich zu verstehen. Mo wollte den besonderen Kick, wollte mit der Freundin seines Sohnes schlafen und sie dann seinen Geschäftspartnern und Angestellten zur Verfügungstellen.“

Sie hatten also alles mitgekriegt. Simone schämte sich in Grund und Boden.

„Ganz entzückend, wie sie erröten. Sie sind wirklich keine abgebrühte Hure. Das macht sie für solche Typen besonders reizvoll. Mohamed hat sie für seine Machtspielchen missbraucht. Ich bin mir sicher, dass sie alles auf Video aufgenommen haben, um es Tim bei Gelegenheit vorzuspielen. Und ihre Schwester …“

„… hat ihm dabei geholfen. Dieses Miststück!“ entfuhr es Simone.

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