Noch eine Fahrstunde?

Diesmal Theoriestunde

Janina hatte an diesem Abend Theorie. Sie kam direkt aus dem Salon, die Haare noch leicht vom Schneiden und Föhnen duftend, und trug eine schlichte schwarze Bluse, die sie in der Ausbildung oft anhatte. Sie saß etwas enger als gewollt, und sie hatte sie nicht extra gewechselt. Die blonden Strähnchen fielen ihr über die eine Schulter, als sie sich auf einen der hinteren Plätze setzte.

Der Raum füllte sich langsam. Ein paar andere Fahrschüler, mostly jünger als sie, unterhielten sich leise. Janina holte ihr Handy raus und tippte ihrem Freund eine kurze Nachricht:

Theorie heute. Maier will nächste Woche Nachtfahrt. Bin nicht so happy.

Er antwortete nach ein paar Minuten: Musst du durch. Wird schon. Wie war die Arbeit?

Anstrengend. Eine Kundin hat sich über den Schnitt beschwert, obwohl er genau so wollte. Hab nichts gesagt.

Typisch du. Er schickte ein Augenzwinkern-Emoji. Melde dich später.

Janina steckte das Handy weg und schaute nach vorne. Herr Krüger betrat den Raum mit einem Stapel Unterlagen unter dem Arm. Er stellte sich an das Pult, ließ den Blick einmal durch die Reihen gehen und blieb einen Moment bei ihr hängen. Sie senkte schnell den Kopf und tat so, als würde sie in ihren Unterlagen blättern.

„Heute Wiederholung Vorfahrt und Geschwindigkeiten“, sagte er knapp. Seine Stimme war ruhig, tiefer als Maiers. „Wer Fragen hat, stellt sie. Wer nur dasitzt und hofft, dass es reicht, fällt durch.“

Janina schrieb mit, auch wenn sie das meiste schon kannte. Hin und wieder hob sie den Blick und merkte, dass Krüger in ihre Richtung schaute. Nicht ständig, aber öfter als zu den anderen. Sie rutschte ein Stück tiefer in den Stuhl und zog die Bluse unauffällig zurecht. Die Aufmerksamkeit war ihr nicht unangenehm, aber sie wollte nicht, dass jemand merkte, dass sie es bemerkte.

Nach der Stunde packte sie langsam ihre Sachen. Die meisten anderen gingen schnell. Krüger räumte das Pult auf und sprach leise mit einem der jüngeren Fahrschüler über dessen nächste praktische Stunde. Janina wartete, bis der Flur leerer wurde, und ging dann zum Ausgang.

Draußen stand Krüger schon wieder und rauchte. Er nickte ihr knapp zu, als sie vorbeiging.

„Janina, richtig?“

Sie blieb stehen, überrascht, dass er ihren Namen wusste. „Ja.“

„Maier hat gesagt, ihr macht nächste Woche Nachtfahrt. Du brauchst das noch.“

Sie nickte nur. „Ja.“

Er zog an seiner Zigarette und sah sie an. Sein Blick ging kurz über ihr Gesicht, dann tiefer, bevor er wieder hochkam. Janina spürte die Wärme in ihren Wangen und schaute auf den Boden.

„Du bist unsicher beim Fahren“, sagte er. Es war keine Frage. „Das wird in der Prüfung teuer, wenn du’s nicht in den Griff kriegst.“

„Ich übe“, sagte sie leise.

„Üben reicht nicht immer.“ Er drückte die Zigarette aus. „Falls Maier mal keine Zeit hat, kann ich auch Stunden übernehmen. Sag Bescheid.“

Janina nickte wieder, unsicher, was sie antworten sollte. „Okay. Danke.“

Sie ging weiter zur Bushaltestelle. Hinter ihr hörte sie, wie er die Tür der Fahrschule abschloss. Auf dem Weg nach Hause tippte sie ihrem Freund, dass die Theorie okay gewesen war. Den kurzen Austausch mit Krüger erwähnte sie nicht. Es war nichts gewesen, redete sie sich ein. Nur ein Fahrlehrer, der seinen Job machte. Trotzdem blieb ihr sein Blick im Kopf, länger als sie wollte.

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Noch eine Stunde?

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