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Chapter 6 by Papas_Liebling Papas_Liebling

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Die Schlange im Paradies

Amalia setzte sich langsam auf den alten Stuhl neben der Kommode, dessen Holz leise knarrte. Ansonsten hörte man kein Geräusch in dem weitläufigen Gutshaus. Alle Bewohner schienen zu schlafen.

Eine Weile saß sie einfach nur da.

Die Kerze flackerte, ihr schwaches Licht warf die Schatten der Möbel an die Tapeten. Amalias Augen wanderten ohne Eile durch den Raum – über die sorgsam abgelegten Kleider, die schweren Vorhänge, über den Spiegel, aus dem ihr Ebenbild sie beinahe erstaunt anzublicken schien, bis hin zum schmalen Bett.

Schließlich blieb ihr Blick an der Kommode hängen.

Genauer gesagt an deren unterster Schublade.

Amalia wusste sehr genau, was sich dort befand. Ganz hinten, sorgfältig verborgen unter einigen Unaussprechlichen, den bauschigen Damenunterhosen, die ihre Mutter noch nicht einmal mit spitzen Fingern anfassen würde. Da lag ein Gegenstand, dessen bloße Existenz in ihrem Zimmer bereits eine gewisse Kühnheit darstellte.

Sie hatte ihn vor einigen Wochen in einem dieser neumodischen Versandhauskataloge entdeckt.

Mit viel Überredungskunst hatte sie ihre Zofe dazu gebracht, ihn in ihrem Namen zu bestellen.

Seitdem ruhte er hier.

Verborgen.

Und doch keineswegs vergessen.

Amalia legte den Kopf ein wenig schief und betrachtete die Kommode mit einem nachdenklichen Ausdruck. Ein verwegenes Lächeln spielte um ihre Lippen. Unwillkürlich musste sie wieder an die Geschichte aus dem Paradies denken. An den Garten, die Unschuld und an jene Schlange der Versuchung, die einst aus dem Geäst zu Eva gesprochen hatte.

Amalia ließ ihren Blick einen Augenblick auf der Schublade ruhen. Noch war sie unentschlossen.

Sollte sie sich ****?

Oder der Versuchung nachgeben und die „Schlange“ aus ihrem Versteck befreien?

Sie verschränkte die Finger locker im Schoß und schaute nachdenklich in die flackernde Kerzenflamme.

Die Nacht war noch ****.

Und niemand im ganzen Haus würde je erfahren, welche Entscheidung das Freifräulein von Hohenried in diesem stillen Augenblick traf.

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