Welche Mädels kommen in Frage?

Die Nachbarin

Die Plastiktüte in Theos rechten Hand klappert leise bei jedem Schritt.

Zwei Eier, eine halbe Tüte Mehl, das ist alles, was ihm fehlt. Seine Mutter hat ihn mit der Bitte losgeschickt, sich bei der Nachbarin etwas auszuborgen, und Theos Nein hat seine Mutter ignoriert.

Bianca Brandt ist diejenige, die immer aushilft, wenn jemand in der Siedlung etwas brauchte. Frau Brandt, muss Theo sie immer nennen, obwohl sie gerade mal 25 ist.

Das Haus am Ende der Reihe steht schief, als hat sich jemand beim Bauen verrechnet. Die Fassade ist einmal gelb gestrichen worden, inzwischen blättert die Farbe ab wie Sonnenbrand auf Schultern. Vorne am Gartentor hängt ein Schild: Bianca Brandt – Atelier & Wohnung. Darunter, kleiner: Klingeln und warten!

Theo drückt auf den Klingelknopf. Ein schrilles Geräusch hallt durchs Haus. Er wartet. Zählte die Sekunden. Im Erdgeschoss brennt Licht, das verrät, dass jemand zu Hause sein muss. Er klingelt erneut. Nichts passiert.

Er tritt einen Schritt zurück und blickte an der Fassade hoch. Im ersten Stock, direkt über dem Eingang, it ein Fenster offen – nicht angelehnt, sondern richtig offen, der weiße Vorhang bewegt sich im Wind wie ein segelndes Tuch. Dahinter brennt Licht.

„Hallo?“, ruft er, leise zuerst, dann lauter. „Frau Brandt?“

Keine Antwort. Nur der Wind, der durch die offene Fensterluke streicht.

Theo geht um das Haus herum. Der Garten war ist und verwildert, zwischen den Beeten wuchert Unkraut, und an der alten Rankgitterwand klammert sich ein verwilderter Weinstock fest. Der Rasen ist nicht gemäht worden, seit er das letzte Mal hier gewesen ist, im Frühsommer, als er ihr beim Tragen einer Staffelei geholfen hat. Damals hat sie im T-Shirt und in bemalten Jeans am Gartentor gestanden, eine Zigarette in der einen Hand, den Pinsel in der anderen, und hat ihn gefragt, ob er nicht mal für sie Modell stehen will. Er hat gelacht und es als Witz aufgefasst.

Jetzt steht er im Hinterhof, zwischen dem Geräteschuppen und dem Kirschbaum, dessen Äste sich über das Grundstück neigen. Von hier kann er in ihr Fenster sehen, nicht direkt hinein, denn das Fenster liegr an der Seite, aber der Winkel stimmt, wenn er sich auf die Zehenspitzen stellt und sich an der Mauer abstützt.

Er muss eigentlich nach Hause gehen. Stattdessen bleibt er stehen. Die Plastiktüte fällt ihm aus der Hand und landet lautlos auf dem Gras.

Das Zimmer ist genau so, wie er es aus seinen flüchtigen Besuchen kennt: hohe Decke, Wände voller Bilder, einige gerahmt, andere nur mit Reißzwecken befestigt, Skizzen und Drucke und ein großes Ölgemälde, das eine liegende Frau darstellt, halb fertig, die Farben noch feucht und glänzend. Bücher, verstreut auf dem Boden, ein halbvoller Aschenbecher auf der Fensterbank. Und das Bett: Ein altes, schmiedeeisernes Bettgestell mit weißer Bettwäsche, das direkt unter dem Fenster steht.

Bianca liegt auf dem Bett.

Theos Hände krallen sich in die raue Mauerkante. Seine Finger bohren sich ins alte Backsteinwerk, und er spürt, wie sich seine Nägel in den Mörtel eindrücken. Er sollte gehen, aber er bleibt.

Sie liegt auf dem Rücken, die Kissen zusammengeschoben, so dass ihr Oberkörper leicht erhöht ist. Ihre Haare – dunkel, fast schwarz, mit dem asymmetrischen Schnitt, den sie immer trägt, fächern sich über das weiße Leinen aus. Sie trägt nichts. Ihr Körper ist schmal und blass im Lampenlicht, die Rippen unter der Haut sichtbar bei jedem Atemzug, die Brüste klein und fest, die Brustwarzen dunkel und aufgerichtet. Ihr Bauch ist flach, der Bauchnabel ein dunkles Loch, und darunter, zwischen ihren leicht gespreizten Beinen, bewegt sich ihre rechte Hand.

Theo presst sich an die Mauer. Sein Rücken ist steif, seine Schultern hochgezogen, als ob jemand ihm ein Eisstück zwischen die Schulterblätter gelegt hat. Er atmet durch den Mund, leise, kaum hörbar.

Ihre Hand bewegt sich langsam. Ihre Finger, die immer Farbe unter den Nägeln haben – streichen über ihren Unterleib, gleiten zwischen ihre Schenkel, und er kann sehen, wie sie sich berührt. Ihr Mittelfinger kreist über ihrem Kitzler, langsam, rhythmisch, und ihre Hüften heben sich leicht bei jeder Berührung, ein winziges Auf und Ab, das die Bettwäsche unter ihr knistern lässt.

Ihre linke Hand liegt auf ihrer Brust, die Finger umfassen ihre linke Brustwarze, zupften daran, drehen sie, und ihr Mund öffnet sich. Ihr Atem geht schneller.

Theo rührt sich nicht. Er steht an der Mauer, die Finger in den Backstein gegraben, und starrt. Sein Atem geht flach und schnell. Er spürt, wie sich sein Blut nach unten bewegt, wie sich sein Schwanz in seiner Jeans regt, und er drückt sich fester an die Mauer, als kann er ihn damit zum Schweigen bringen.

Im Zimmer dreht Bianca den Kopf zur Seite. Ihre Augen sind geschlossen, ihr Mund verzieht sich zu einem Lächeln, das nicht glücklich aussieht, sondern hungrig. Ihre Finger bewegen sich schneller, und jetzt kann er sehen, wie sie zwei Finger in sich schiebt – langsam, tief, bis die Knöchel verschwinden – und wieder herauszieht. Ihr Becken hebt sich höher. Die Bettwäsche knirscht. Ihre Zehen krallen sich in die Matratze.

Und dann hört er es.

Es ist leise, fast ein Hauch, aber das offene Fenster trägt den Klang zu ihm herüber wie ein Bote: ein Stöhnen, tief in ihrer Kehle, und es klingt nicht wie ein allgemeines Geräusch, nicht wie ein Seufzer oder ein Ächzen. Es klingt wie ein Name.

„Theo...“

Er erstarrt. Sein ganzer Körper wird starr, und er hält den Atem an. Er muss sich verhört haben.

„Theo... bitte...“

Ihre Stimme ist heiser, brüchig, und sie kommt aus dem offenen Fenster wie ein Geschenk, das nicht für ihn bestimmt ist. Ihre Finger bewegen sich schneller, ihre Hüften drücken sich gegen ihre eigene Hand, und sie schmeißt ihr Kopf nach hinten. Theo ist baff, sie kommt gleich und stöhnt dabei seinen Namen.

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