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Chapter 39 by Filiusfiliae

Wie ernst ist es?

Die Lage spitzt sich zu

Ein paar Sekunden später sind wir in Julianes Zimmer versammelt – bis auf Magdalena. Ich frage, wo sie ist, bekomme die Antwort „Ausguck“. Klar, blöde Frage. Dass sie da oben mindestens ein Gewehr ihres Vaters hat, brauche ich nicht erst zu fragen. Natascha ist uniformmäßig gekleidet und bewaffnet, erklärt kurz die Sachlage. Ein Pkw mit Anhänger, voll besetzt, also wohl fünf Personen, zumindest zwei davon anscheinend Frauen. Dann drückt sie Mandy eine Handfeuerwaffe, eine Walther PPK, in die Hand und erklärt: „Viktoria kommt mit nach unten und gibt mir zusammen mit Markus Feuerschutz. Katharina ist sozusagen unsere Verbindungsperson im Haus. Mandy, wenn uns was passieren sollte, hast du die Verantwortung. Dann bringst du Luke, Anna und Nancy heraus sowie alle, die laufen können.“

Deswegen sind wir auch in Julianes Zimmer, denke ich. Der einzige Raum im Obergeschoss, durch dessen Fenster man abhauen kann.

Mandy ist tapfer, Nancy fragt „Was ist mit Juliane?“, meint damit deren Verstauchung. „Ich hab doch die Kapseln“, sagt Juliane trocken. Die Kapseln. Haben wir vor ein paar Wochen von Magdalena bekommen. Wir sollen, wenn absolut keine Möglichkeit der Rettung besteht, eine schlucken, um umgehend einzuschlafen und in einer möglichst besseren Welt aufzuwachen. Bekommen haben wir jeder zwei – eine für eine Begleitperson, falls die im Bedarfsfall keine dabeihaben sollte. Wer im Ernstfall nicht flieht oder fliehen kann, überlebt nicht – so oder so. Wir sind einfach viel zu angespannt, als dass wir deswegen heulen könnten. Natascha verdonnert uns, hier im Zimmer zu bleiben und fluchtbreit zu sein, geht dann die Treppe runter. Mandy ist voll im Stress, guckt sich die Waffe, die ihr Natascha gegeben hat, in einer Art und Weise an, dass Juliane zu ihr sagt „Mach keine Scheiße, Mädchen“. Anscheinend hat sie wie ich den Eindruck, Mandy könnte sich die Waffe in den Mund stecken und abdrücken wollen. Mandy scheint sich nun etwas zu entspannen, sagt leise zu mir: „Glaubst du, dass du Anna tragen kannst?“ Denn Anna steht immer noch wie paralysiert herum, ich weiß nicht, in welchem Tunnel meine Schwester gerade steckt und wie ich sie da rausholen kann. „Anna und ich fliehen gemeinsam, oder wir bleiben gemeinsam hier“, lautet meine Antwort, und Mandy nickt verstehend. Anna und ich haben uns versprochen, immer zusammenzubleiben, komme, was da wolle. Das ist natürlich nicht permanent räumlich gemeint. Es ist schon eher wie ein Ehegelübde zwischen Anna und mir.

Wir hören ein Auto sich nähern. Da sagt Mandy: „Soll sie mich meinetwegen wegen Insubordination oder wie das heißt erschießen“ – und meint wohl damit Natascha –, „ich warte nicht hier ab, bis wir alle abgeschlachtet werden sollen.“ Und sie geht ins Nebenzimmer, von wo aus ein Blick in den Hof möglich ist. Katharina erscheint, fragt, wo Mandy ist, ich erkläre es ihr, aber sie flippt nicht aus, sondern sagt nur „Komm mit, Luke. Nancy, kümmere dich bitte um Anna.“ Und so gehen Katharina und ich zu Mandy, schauen vorsichtig aus dem Fenster

Was sehen wir da?

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