What's next?

Die Ankunft in Eichstätt

Chapter 13 by vaelinalsorna

Der Abstieg vom Hügel verlief schweigend.

Keiner der fünf Männer sprach ein Wort, während sie sich dem gewaltigen Flüchtlingslager näherten. Mit jedem Schritt wurden die einzelnen Zelte deutlicher, aus den vielen kleinen Punkten wurde ein Meer aus Stoffbahnen, Planwagen und notdürftig errichteten Unterständen.

Schon lange bevor sie die ersten Reihen erreichten, roch Darian den Rauch unzähliger Kochfeuer.

Dazu kam der Geruch von feuchter Erde, verschwitzten Menschen und Vieh.

Das Lager war nicht an einem Tag entstanden.

Es war gewachsen.

Immer weiter.

Immer dichter.

Zwischen den Zelten drängten sich Menschen jeden Alters. Familien saßen eng beieinander, Kinder spielten kaum noch, und viele Gesichter wirkten leer, als hätten sie in den vergangenen Tagen mehr verloren als nur ihr Zuhause.

Die fünf Soldaten fielen kaum auf.

Ihre zerschlissenen Uniformen und verschlissenen Rüstungen unterschieden sie kaum von den Männern, die mit Hab und Gut auf Handkarren durch das Lager zogen.

Während sie sich ihren Weg bahnten, drangen Gesprächsfetzen an Darians Ohr.

„...der König ist bereits unterwegs...“

„...mit den Orkhäuptlingen... persönlich...“

„...wenn die wirklich Frieden schließen...“

Ein älterer Mann schüttelte verbittert den Kopf.

„Frieden? Nennt ihr das Frieden?“

Niemand antwortete ihm.

Ein paar Schritte weiter hörte Darian eine Frau leise mit ihrem Mann sprechen.

„Sie sagen, alles nördlich von Eichstätt soll aufgegeben werden.“

„Dann liegt unser Hof jetzt auf orkischem Land.“

„Unser Hof existiert wahrscheinlich ohnehin nicht mehr.“

Die Worte gingen im Stimmengewirr unter.

An einer Feuerstelle diskutierten mehrere Flüchtlinge lautstark.

„Nordwacht ist gefallen!“

„Und was macht der König?“

„Er verhandelt!“

Ein anderer schlug wütend mit der Faust gegen einen Wagen.

„Er hätte dort sein Heer hinschicken müssen!“

„Er hat uns verkauft.“

„Uns alle.“

Die Stimmen wurden immer lauter.

„Wir haben Steuern gezahlt!“

„Unsere Söhne haben in Nordwacht gedient!“

„Und jetzt sollen wir einfach alles zurücklassen?“

Darian senkte den Blick.

Jeder dieser Sätze traf ihn wie ein Schlag.

Er dachte an Hagen.

An die Männer, die bis zuletzt am Tor gestanden hatten.

An Frida.

Wenn die Gerüchte stimmten...

Dann wäre all ihr Opfer vergeblich gewesen.

Aldren bemerkte seinen Blick.

„Es sind Gerüchte“, sagte er leise.

Doch selbst seine Stimme klang nicht überzeugt.

Nach langer Zeit erreichten sie schließlich das Stadttor.

Die Mauern Eichstätts wirkten aus der Nähe beinahe ebenso gewaltig wie jene Nordwachts. Frische Balken verstärkten das Tor, neue Palisaden waren davor errichtet worden, und auf den Wehrgängen standen deutlich mehr Wachen, als Darian erwartet hatte.

Vor dem Tor hatte sich eine kleine Menschenschlange gebildet.

Immer wieder wurden einzelne Flüchtlinge abgewiesen.

Als die fünf Soldaten an der Reihe waren, kreuzten zwei Wachen ihre Hellebarden.

„Halt.“

Der jüngere der beiden musterte ihre verschlissenen Rüstungen.

„Flüchtlinge werden nicht eingelassen.“

Aldren trat einen Schritt vor.

„Wir sind keine Flüchtlinge.“

Der Wächter hob fragend eine Augenbraue.

„Wir gehören zur Garnison von Nordwacht.“

Für einen kurzen Augenblick hoffte Darian, der Name würde genügen.

Die Wachen wechselten einen Blick.

Dann schüttelte der Ältere langsam den Kopf.

„Nordwacht existiert nicht mehr.“

„Eben deshalb sind wir hier“, erwiderte Aldren mit ungewohnter Schärfe. „Wir müssen zum Statthalter. Oder zum Kommandanten. Wir müssen Bericht erstatten.“

Der Wächter blieb unbewegt.

„Ich habe meine Befehle.“

„Dann holt euren Hauptmann.“

„Meine Befehle gelten auch dann.“

Stille.

Darian sah den Männern an, dass ihnen diese Entscheidung ebenso wenig gefiel wie den fünf Überlebenden.

Doch keiner griff zu den Waffen.

Keiner erhob die Stimme.

Die Erschöpfung war stärker als jeder Zorn.

Schließlich senkte Aldren den Blick.

„Verstanden.“

Der ältere Wächter deutete mit der Hand nach Westen.

„Am Rand des Lagers sind noch freie Plätze.“

Seine Stimme klang nun weniger hart.

„Dort könnt ihr euer Lager aufschlagen.“

Er zeigte auf ein größeres Zelt, vor dem mehrere bewaffnete Soldaten standen.

„An der Ausgabestelle bekommt jeder eine Ration.“

Mehr konnten sie ihnen offenbar nicht anbieten.

Die fünf Männer wandten sich schweigend ab.

Wenig später erreichten sie den zugewiesenen Platz.

Er bestand aus einem Stück festgetretener Erde zwischen zwei anderen Lagern.

Nicht mehr.

Nicht weniger.

In einiger Entfernung verteilten Wachen Brot, dünnen Eintopf und Wasser aus großen Kesseln. Die Ausgabe wurde streng überwacht, damit niemand sich vordrängte oder mehr erhielt als vorgesehen.

Darian nahm die hölzerne Schüssel entgegen.

Sie war warm.

Zum ersten Mal seit Tagen hielt er wieder eine richtige Mahlzeit in den Händen.

Er setzte sich auf den nackten Boden.

Vor ihm erhob sich die mächtige Mauer Eichstätts.

So nah.

Und doch blieb das Tor für sie verschlossen.

Start your own immersive adult AI roleplay story
Ad

What's next?

Back Start Over View Story Map

0 comments