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Chapter 8 by Meister U Meister U

What's next?

Der dynastische Auftrag

Das Frühstück endete mit derselben eisigen Stille, mit der es begonnen hatte. Der Graf legte seine Zeitung präzise gefaltet neben den Teller, die Gräfin gab Gerda mit einem kaum sichtbaren Nicken das Signal zum Abräumen. Adelheid erhob sich wie eine aufgezogene Puppe, ihr Blick traf kurz den meinen – ein Funken, schnell erstickt – bevor sie mit gesenktem Kopf ihrer Mutter folgte, die sie mit einer Hand leicht am Ellbogen führte, als fürchtete sie, Adelheid könne auf dem Weg durch die Galerie davonlaufen.

"Frau Weber." Die Stimme des Grafen schnitt durch das leise Klirren des Geschirrs. Er stand nicht auf. Er blieb an seinem Platz am Kopfende des Tisches sitzen, ein Monument aus Kälte und Kontrolle. "Ein Wort. Unter vier Augen." Er deutete mit einer knappen Geste auf den Stuhl neben ihm, den Adelheid gerade verlassen hatte.

Ich setzte mich, die Magengegend verkrampft. Der Geruch nach altem Wachs und Teerest schien hier noch dichter zu sein. Er musterte mich, seine wässrigen Augen glitten über mein Gesicht, meinen Anzug, als taxiere er eine Ware.

"Lassen wir den juristischen Firlefanz beiseite, Frau Weber", begann er, seine Stimme war leiser geworden, aber nicht weniger schneidend. Ein konfidentieller Ton, der mich nur noch misstrauischer machte. "Die Betreuungssache... notwendiges Übel. Formalität. Was wirklich zählt, ist die Zukunft. Adelheids Zukunft. Und damit die Zukunft dieses Hauses."

Er lehnte sich leicht zurück, die Finger beider Hände zu einem Zelt gespreizt. "Es gibt drei Kandidaten. Standesgemäß. Solide Familien. Akzeptables Vermögen. Keiner ist ein Kronprinz, aber das ist auch nicht nötig. Wir sind... pragmatisch." Er nannte drei Namen. Baron von der Leyen. Graf Hohenfels-Stolberg. Prinz Ludwig zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg (jüngerer Zweig). Namen, die nach alten Wäldern, verstaubten Titeln und viel Geld klangen. Mir sagte keiner etwas.

"Meine Tochter ist achtzehn. Volljährig. Biologisch ist der Zeitpunkt... optimal." Er sagte es mit der Sachlichkeit, mit der man über die Zucht einer Stute sprechen würde. "Die Ehe muss geschlossen werden. Innerhalb der nächsten zwei Jahre. Ein Erbe – ein männlicher Erbe – ist essenziell. Das ist nicht verhandelbar."

Er fixierte mich jetzt direkt. Sein Blick war frei von jeder Emotion außer einem nackten, dynastischen Imperativ. "Ihre Aufgabe – abseits der Akten und Voglers Paragraphen – ist es, Adelheid dafür fit zu machen. Sie muss einen dieser Männer nehmen. Und ihn dazu bringen, sie zu nehmen. Punkt."

Ein kurzes, humorloses Schnauben. "Keine Ahnung, was sie von denen hält. Ob sie sie hässlich findet, langweilig oder impotent. Es ist mir egal. Darum geht es nicht." Er machte eine wegwerfende Handbewegung. "Es geht um Verbindung. Um Nachkommenschaft. Um Kontinuität. Das Spiel ist so alt wie die Aristokratie selbst."

Er beugte sich jetzt leicht vor. Der Geruch von altem Leder und kalter Asche hing plötzlich um ihn. "Machen Sie Adelheid fit, einem dieser Prinzen den Kopf zu verdrehen. Oder von mir aus auch andersherum – lassen Sie ihn sich in sie verknallen. Hauptsache, es führt zu Sex. Und dann zur Ehe. Oder auch andersherum – Ehe und dann Sex. Hauptsache, am Ende steht ein Kind in der Wiege. Verstehen Sie?"

Die Brutalität seiner Worte traf mich wie ein Schlag. Adelheids provokativer Auftritt, ihre nackte Verzweiflung – alles reduziert auf diesen einen, widerlichen Zweck: Fortpflanzung. Sie war keine Tochter. Sie war eine Gebärmutter mit Stammbaum.

"Sie sind Psychologin. Sie kennen die Mechanismen", fuhr er ungerührt fort. "Anziehung. Verführung. Das Spiel der Blicke, der Berührungen. Bringen Sie ihr bei, wie man es einsetzt. Nicht für... Vergnügen." Er verzog die Lippen, als wäre das Wort schmutzig. "Sondern für den Zweck. Für die Dynastie. Sie soll lernen, ihre Reize zu kontrollieren und zielgerichtet einzusetzen. Nicht für sich. Für uns."

Er schob seinen Stuhl zurück und stand auf. Das Gespräch war beendet. "Die Dossiers der Kandidaten erhalten Sie von Vogler. Diskretion ist absolut. Adelheid darf von dieser... strategischen Dimension Ihrer Betreuung nichts erfahren. Sie ist ****. Unberechenbar. Sie könnte es falsch verstehen." Er ging zur Tür, drehte sich aber noch einmal um. Sein Blick war kalt wie der Stein der Ahnenporträts. "Wir verstehen uns, Frau Weber. Tun Sie, wofür wir Sie bezahlen. Sichern Sie die Zukunft. Alles andere ist... Firlefanz."

Er verließ den Raum, ohne ein weiteres Wort. Die schwere Tür fiel hinter ihm ins Schloss. Ich saß allein am riesigen Tisch im Blauen Salon, umgeben von der erstickenden Pracht. Der Duft des kalten Tees in meiner Tasse roch plötzlich wie Gift.

Der Graf hatte es auf den Punkt gebracht. Die ganze juristische Farce, die Betreuung für "sexuelle Selbstbestimmung" – es war ein Deckmantel. Ein Werkzeug, um Adelheid gefügig zu machen. Reinzuwaschen für den einen, wahren Zweck: Sie als politisches und biologisches Werkzeug einzusetzen. Sie sollte nicht frei sein. Sie sollte gelenkt werden. Dressiert. Zu einer perfekten, standesgemäßen Braut und Mutter abgerichtet. Und ich? Ich war nicht ihre Beschützerin oder gar ihre Verbündete. Ich war ihre Dompteuse.

Die Wut, die in mir aufstieg, war so heiß und bitter, dass mir schwindelig wurde. Gegen diese kalte, berechnende Macht? Gegen Jahrhunderte von Tradition und Geld? Was konnte ich, Emilia Weber, die frustrierte Sexualtherapeutin auf der Flucht vor sich selbst, hier ausrichten?

Doch dann sah ich wieder Adelheids Blick vor mir, als sie unter meinem Blazer stand. Die wilde Verletzlichkeit. Die unausgesprochene Frage nach einer anderen Möglichkeit. Und den Funken von etwas, das nicht Unterwerfung war.

Der Graf hatte mir einen Auftrag erteilt. "Machen Sie sie fit." Fit für Verführung. Fit für die Ehe. Fit für die dynastische Pflicht.

Aber was, wenn ich sie stattdessen fit für etwas anderes machte? Fit für sich selbst? Fit, ihre eigene Macht zu erkennen – nicht nur die Macht über einen Prinzen, sondern die Macht über ihr eigenes Leben? Das wäre der wahre Verrat an seinem Auftrag. Und vielleicht die einzige Rettung für Adelheid.

Es war ein gefährlicher Gedanke. Ein Gedanke, der mich alles kosten konnte – den Job, die Sicherheit, vielleicht mehr. Doch während ich in der eisigen Stille des Blauen Salons saß, umgeben von den toten Augen der Ahnen, fühlte ich zum ersten Mal seit langem etwas anderes als Frustration oder Leere.

Ich fühlte Zorn. Und ein kaltes, klares Ziel.

Was wird Emilia tun?

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